Mit dem Lumpenball im Gemeindesaal in Dillendorf eröffneten traditionell die Landfrauen die Fasnet im „Schneckendorf“. Im hübsch dekorierten ehemaligen Schulsaal tummelte sich ein bunt gemischtes Narrenvolk und bescherte sich und der Fasnet im Ort eine ausgelassene Feier. Neben Gruppendarbietungen vor der Bühne, der schwungvollen Tanz- und Stimmungsband mit Friedhelm und Silvia Kaltenbrunn sorgten die Bonndorfer Guggenmusiker mit Ohrwürmern – im wahrsten Sinne des Wortes – für unerlässliche Zutaten.

Das könnte Sie auch interessieren

Tanja Schroeder-Maier, die Vorsitzende der Landfrauen, begrüßte Gäste aus der Dillendorf und der Nachbarschaft, so die treuen „Wellendinger“, die Narrenräte der Pflumeschlucker samt Narrenvater Clemens Podeswa sowie eine lange, vollbesetzte Tischreihe Dillendorfer Senioren. Die im hinteren Teil des Areals angelegte Erlebnisbar mit dicht gedrängten Narrenreihen war so ganz nach dem Geschmack des jüngeren Fastnachtsvolkes. Neben der Getränkevielfalt sorgten fleißige Hände in der Küche, dass auch Speisen für den kleinen Hunger zwischendurch oder Kaffee und Kuchen frisch zubereitet zur Verfügung standen.

Blick ins Publikum – dieses fand Gefallen an dem, was die Akteure bei ihren Tänzen und Darbietungen boten.
Blick ins Publikum – dieses fand Gefallen an dem, was die Akteure bei ihren Tänzen und Darbietungen boten. | Bild: Erhard Morath

Endlich, es war inzwischen 22 Uhr geworden, begannen die Vorführungen, eröffnet durch die „Piratinnen“ der Landfrauen, die mit wilden Gebärden und beinahe echten Piratensäbeln zu fetziger Musik ihren Tanz zeigten. Eher futuristisch mit Blick in eine ferne Zukunft mutete der Beitrag des Musikvereins als Robotermenschen an – prachtvoll. Natürlich durfte der Verein der Dillendorfer Schnecken nicht fehlen. Anleihen der französischen Gelbwesten mögen rein zufällig gewesen sein. Eine ihrer Botschaften unter Einbeziehung gängiger Ballermann-Hits lautete „Reiß die Hütte ab“.

Das könnte Sie auch interessieren

Eine ganz andere, vor allem optische Richtung, schlugen die Akteure der Landjugend ein. Liebevoll ausgestattet als Fantasie-Pfauen kamen auch sie mit – wie gehabt – musikalischer Taktgebung bestens an. „Der Sportverein“, so die Anmoderation von Tanja Schroeder-Maier, „wird uns nun mit Back to the Eighties in eine weniger ferne Vergangenheit entführen“. Gesagt, getan: Neben der Optik stimmte die Musikwiedergabe, die stilecht, offenbar aus einem mächtigen Kassettenrekorder, in den Saal gehämmert wurde.

Mit Federn: Die Landjugend kam als Pfauen auf die Bühne. Bilder: Erhart Morath
Mit Federn: Die Landjugend kam als Pfauen auf die Bühne. | Bild: Erhard Morath

„Nu gugge, it a'lange!“ lautete die vielsagende Botschaft einer weiteren, bunten Gruppe „Bert Schwenninger und Co.“, die mit astreinem Livegesang zusätzlich beim Publikum punktete. Schottische Musik entlockten die Oldies des Sportvereins ihren mitgeführten Dudelsäcken, wobei Zweifel angebracht sind, dass womöglich doch eine Bandeinspielung den Löwenanteil der Darbietung geliefert haben könnte. Als Lohn der Mühe ernteten allesamt das dreifache „Narri-Narro“ von Tanja Schroder-Maier und viel Beifall für die durchweg herzerfrischenden, pfiffigen Darbietungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Schließlich zeigten die Bonndorfer Guggenmusiker, dass sie als treue Gäste der vergangenen „gefühlten 100 Jahre“ beim Lumpenball auch in ihrem Jubiläumsjahr die Bude zum Kochen bringen können. „Andy Matt’s Mannen“ boten zum Finale um Mitternacht ihren unverwechselbaren Guggen-Sound, der vor allem beim Jungvolk 100-prozentig ankam und gerne noch viel, viel lauter hätte sein dürfen. Zahlreiche Gruppen, die es nicht auf die Showbühnenfläche gezogen hatte, trugen mit ihren Kostümierungen zu der Feststellung bei: Dies war mit einer der besten Lumpenbälle, die sich Dillendorf jemals gegönnt hatte – lässig, humorvoll, gediegen, ohne jeglichen Anspruch mit irgendwelchen Superlativen glänzen zu wollen, vielleicht gerade deshalb.