Viele Menschen sind skeptisch, wenn es um geführte Wanderungen geht. Schließlich will man Natur und Ausblick möglichst ungestört genießen. Das scheint bei der Tour mit Wutachranger Martin Schwenninger anders zu sein. Sie erfreut sich gerade bei Touristen großer Beliebtheit. Die Redaktion war diesmal mit dabei und erfuhr dabei vieles über Flora, Fauna, Geologie und die Geschichte von Bad Boll.

Wandersteig: Auf schmalen Wegen und teilweise über Gittertreppen führt der Weg an steil aufragenden Felsen vorbei.
Wandersteig: Auf schmalen Wegen und teilweise über Gittertreppen führt der Weg an steil aufragenden Felsen vorbei. | Bild: Gerald Edinger

Pünktlich um 10 Uhr hatte sich die bunt gemischte, 18-köpfige Gruppe am Wanderparkplatz Boll eingefunden. Martin Schwenninger gab kurze Erläuterungen zur etwa zehn Kilometer langen Tour zur Wutachmühle und wo er anhalten wird, um sein Wissen weiterzugeben: "Wenn es jemand aus der Gruppe besser weiß, kann er sich gerne melden. Ich habe Mut zur Lücke, viele Dinge weiß ich nicht. Manche der über 1000 Pflanzen und 10 000 Tierarten sind selbst für Expertern schwer zu bestimmen", erzählte der Ranger.

Steinmännchen: Hubertus und Claudia Stoppok bestaunen die kleinen Steinmännchen auf dem Felsen.
Steinmännchen: Hubertus und Claudia Stoppok bestaunen die kleinen Steinmännchen auf dem Felsen. | Bild: Gerald Edinger

Ein Blick auf die Füße der Wanderer macht gleich deutlich, dass die Ausrüstung stimmt. Bei der Tour auf der Südseite geht es weite Strecken durch schattenspendenden Wald. "Es ist nicht ehrenrührig, mit Stöcken zu laufen", merkt Schwenninger noch an, bevor es mit geschulterten Rucksäcken Richtung Schlucht und der "wütenden Aach" ging.

Waldpfad: Entlang der Wutach geht es Richtung Schurhammer Hütte.
Waldpfad: Entlang der Wutach geht es Richtung Schurhammer Hütte. | Bild: Gerald Edinger

Martin Schwenninger erzählt, wie die Schlucht vor 10 000 bis 15 000 Jahre entstand und es in der "jungen Schlucht" bis heute Erdrutschungen von den steilen Hängen gibt, dabei Erde, Bäume und manchmal auch Felsen mit ins Tal stürzen. "Das Wasser der Wutach nimmt Erde und Geröll dann mit", erklärt der Ranger, der auch Förster im Staatswald ist. Spektakuläre Abgänge wie im Frühjahr bei Boll seien eher selten. Dennoch macht er in diesem Zusammenhang auf die Gefahren aufmerksam. "Aber wir wollen die wilde Natur, da muss man es in Kauf nehmen, wenn mal ein morscher Baum umstürzt. Aber letzte Sicherheit gibt es nie, wenn man draußen in der Natur unterwegs ist", sagt der erfahrene Naturschützer. Gedenksteine entlang des Wanderwegs erinnern an Unfälle mit tödlichem Ausgang.

Tierwelt: Neugierig näherte sich diese kleine Kröte den rastenden Wanderern.
Tierwelt: Neugierig näherte sich diese kleine Kröte den rastenden Wanderern. | Bild: Gerald Edinger

"Wir sind öfter bei geführten Wanderungen dabei, die Rangertour wollten wir unbedingt machen. Da erfährt man Dinge, die man nicht beachten würde, wenn man allein wandern würde", sagen Bernd Haber und Silke Jörns. Wie leben sonst in Neustadt an der Weinstraße, machten jezt aber Urlaub in St. Märgen. Bernd Haber zeigt sich beeindruckt vom "Grand Canyon des Schwarzwaldes", owohl er den echten in den USA schon gegangen ist.

Cord Kopp aus der Nähe von Frankfurt und Margit Kunz aus Homburg im Saarland, genießen ihren gemeinsamen Urlaub in der Sommerau bei Bonndorf. Sei haben sich spontan für die Rangertour angemeldet und erfreuten sich an schroff aufsteigenden Felswänden ebenso, wie an der idyllisch dahinplätschernden Wutach. Im Fernsehen wurden Claudia und Hubertus Stoppok aus Kadelburg (Kreis Waldshut) auf den Wutachranger aufmerksam. Sie nutzten ihren Urlaub, um hautnah dabei zu sein. "Der Ranger legt ein ganz schönes Tempo vor", merkten die beiden an.

Doppelbrücke: Am Erdrutsch beim Kanadiersteg vorbei führen diese beiden Brücken die Wanderer auf den rechten Weg zur Wutachmühle.
Doppelbrücke: Am Erdrutsch beim Kanadiersteg vorbei führen diese beiden Brücken die Wanderer auf den rechten Weg zur Wutachmühle. | Bild: Gerald Edinger

Michaela Senda del Castillo aus Steinen im Wiesental hat sich eigens für die Tour freigenommen. Sie wandert mit ihrem Mann gerne im Schwarzwald und entdeckte die Rangertour im Internet: "Ich finde die Tour ganz cool. Man erfährt einfach ganz andere Sachen, so wie die Geschichte über Bad Boll."

Endstation: Sputen musste sich die Wandergruppe am Ende der Tour, um den Liniebus zurück nach Boll zu erwischen.
Endstation: Sputen musste sich die Wandergruppe am Ende der Tour, um den Liniebus zurück nach Boll zu erwischen. | Bild: Gerald Edinger

Früher habe er gedacht, dass er die Aufgaben des Wutachrangers in der Schlucht bald satthaben werde. "Heute ist die Aufgabe aktueller denn je. Es kommen viele Experten, unterschiedliche Medienvertreter und Wandergruppen. Das macht mir immer noch Freude", sagt Martin Schwenninger.

Geführte Wanderung

Für die Tour durch die Wutachschlucht mit Ranger Martin Schwenninger ist gutes Schuhwerk und Rucksackverpflegung erforderlich! Treffpunkt für Interessenten ist während der Wandersaison bis Ende September jeweils dienstags um 10 Uhr am Wanderparkplatz Boll. Höchstteilnehmerzahl sind 25 Personen, außer dem Busticket (2,40 Euro) entstehen keine Kosten, die trägt der Landkreis Waldshut. Für Inhaber der Konus-Gästekarte ist der Bustransfer von der Wutachmühle mit dem Linienbus zurück nach Boll kostenlos. Info und Anmeldung unter der Telefonnummer 07703/91 94 12 oder per E-Mail (martin.schwenninger@gmx.de).

Pegelstände und mondänes Bad

  • Flutwellen: Ihren Namen hat die Wutach, weil sie auch wütend sein könne, erzählt er Wutachranger. Deshalb werde regelmäßig morgens um 7 Uhr der Pegel gemessen, um Wanderer, falls nötig, vor Hochwasser zu warnen. Wenn Schneeschmelze und Regen im Frühjahr zusammenkommen, fließen schon mal 60 bis 80 Kubkmeter Wasser pro Sekunde durch den Fluss, manchmal komme es auch zu Flutwellen.
  • Wasserfall: Hobbygeologen bieten die offen zu Tage tretenden Erdschichten einen Einblick in die Erdgeschichte. Am Wasserfall Richtung Schurhammer Hütte bildet sich Tuffgestein, wie Schwenninger erklärt. Gelangweilte Schüler sehen dann Feen aus dem Wasserfall steigen oder sehen blinkende Edelsteine, erzählt Schwenninger, ab diesem Zeitpunkt habe er die Aufmerksamkeit der Kinder. Dort wo heute Fichten wachsen, grasten vor 100 Jahren noch Ziegen. "Das System in der Schlucht ist heute ausgeglichen und das ist für die Ökologie und den Tourismus gut", sagt der Wutachranger.
  • Bad Boll: Fasziniert hingen die Wanderer dem Ranger an den Lippen, als er von der Geschichte von Bad Boll erzählte. Wo einst die bessere Gesellschaft in einem Hotel wohnte und an der Heilquelle kurte, ist heute nur die gerade vor dem völligen Zerfall gerettete Kapelle ein stummer Zeuge der Blütezeit um 1870. Fast ist es so, als könnte man bei geschlossenen Augen die Geigen und Celli der einstigen Konzerte hören. Die örtlichen Zeitungen druckten sogar Menüfolgen und Gästelisten ab. (ew)

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