Ein außergewöhnliches Bauprojekt wird derzeit im Gewerbegebiet Breitenfeld in Bonndorf verwirklicht: Der Neubau des Forsttechnischen Hauptstützpunktes, eines von vier Pilotprojekten in Baden-Württemberg, entsteht dort.

Vorgaben für nachhaltiges Bauen

Das Schulungsgebäude wird gemäß dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) errichtet. Ziel des BNB ist der Schutz von Umwelt, Ressourcen, Gesundheit, Kultur und Kapital. Ein Richtlinienkatalog des Bundesbauministeriums legt die Kriterien hinsichtlich der ökologischen, ökonomischen, soziokulturellen und funktionalen Qualität fest. Diese gelten von der Planung bis zum Rückbau der Gebäude.

Bauingenieur Alois Arnold vom Amt für Vermögen und Bau sowie Architektin Christiane Lamprecht vom Konstanzer Architekturbüro FRM machen sich in Bonndorf ein Bild vom Bauverlauf des Forsttechnischen Hauptstützpunktes.
Bauingenieur Alois Arnold vom Amt für Vermögen und Bau sowie Architektin Christiane Lamprecht vom Konstanzer Architekturbüro FRM machen sich in Bonndorf ein Bild vom Bauverlauf des Forsttechnischen Hauptstützpunktes. | Bild: Martha Weishaar

Technische und prozessuale Aspekte fallen zusätzlich ins Gewicht, erklärt Alois Arnold vom Amt für Vermögen und Bau in Konstanz bei einem Vor-Ort-Termin in Bonndorf. „Ich bin total begeistert, was in wenigen Tagen auf dieser Baustelle passierte“, lobt der zuständige Bauingenieur den zügigen Verlauf der Bautätigkeit.

Starke Dämmung

In kurzer Zeit war der Rohbau komplett fertiggestellt. Das eingeschossige massive Holzgebäude hat eine Grundfläche von 555 Quadratmetern. Die zehn Zentimeter starken Innen- und Außenwände bestehen aus Fichtenbrettern, die in fünf Lagen verleimt sind. Die Außendämmung besteht aus einer 20 Zentimeter dicken Schicht Zelluloseflocken sowie acht Zentimeter dicken Holzfaserdämmplatten. Verkleidet werden die Außenwände abschließend mit einer horizontalen Weißtannenschalung. Das Flachdach des Gebäudes wird begrünt.

Nutzung der Räume

Die Energieversorgung erfolgt über den Nahwärmeanschluss an die Hackschnitzelheizung der benachbarten Firma Landmaschinen Müller. Zusätzlich wird Solarthermie auf dem Dach installiert. An der nördlichen Stirnseite des Gebäudes wird ein Schulungsraum eingerichtet, an der südlichen zwei Werkstätten. Dazwischen befinden sich Büros, Sozialräume sowie Duschen und Toiletten. Diesem etwas schm­aleren Gebäudeteil ist an der Ostseite ein überdachter Gang vorgelagert. Dem gegenüber entsteht ein 220 Quadratmeter großes Nebengebäude für die Unterbringung von Fahrzeugen und Maschinen. Auch eine Wildkammer wird dort eingerichtet.

Kosten von 2,4 Millionen Euro

Die Gesamtkosten des Neubaus sind mit 2,43 Millionen Euro kalkuliert. Die Fertigstellung ist für Mai 2019 geplant. Der Bauverlauf liegt im Zeitplan, obschon bei den Erdarbeiten im Mai unerwartete Schwierigkeiten aufgetreten sind. Anstatt mit dem Bagger musste der Aushub für die Bodenplatte mittels einer Fräsmaschine erfolgen. Grund dafür waren ineinander verzahnte Muschelkalkplatten.

Bau stand auf der Kippe

Noch vor einem Jahr stand der Bau des über viele Jahre hinweg geplanten Gebäudes auf der Kippe. Friedbert Zapf, der für den Staatswald zuständig ist und auch den Forsttechnischen Hauptstützpunkt Bonndorf für das Kreisforstamt betreut, hatte bereits 2004 Pläne für einen Erweiterungs- und Umbau des jetzigen Stützpunktes in der Allmendstraße in der Schublade. Jener Bau aus den 1970er Jahren war schon damals an der Kapazitätsgrenze angelangt.

Unruhige Wochen

Mit der Angliederung der Forstämter an die Kreisverwaltung waren die Pläne des einstigen Bonndorfer Forstamtsleiters jedoch ein Jahr später hinfällig. 2014 sicherte die Stadt das Grundstück für den jetzigen Neubau dem Land Baden-Württemberg zu. 2016 begann das Amt für Vermögen und Bau mit den Planungen. Als im Sommer 2017 der Neubau in Erwartung einer erneuten Forstreform kurzfristig ausgesetzt wurde, waren das für Friedbert Zapf „unruhige vier Wochen und so etwas wie ein Déjà-vu-Erlebnis“, räumt dieser auf Nachfrage dieser Zeitung ein.