Wer in der Vielfalt weihnachtlicher Angebote nach Artikeln Ausschau hält, die mit dem eigentlichen Anlass des Weihnachtsfestes, der Geburt Jesu in Bethlehem, zu tun haben, muss lange suchen. Inzwischen erzielen Rentiere, Weihnachtsmänner, Santa Claus, Schlittengespanne, Jingle Bells, Lichterketten in allen Farben, im Dauer- oder Intervallmodus, deutlich höhere Aufmerksamkeit. Selbst das Wort Weihnachten weicht inhaltlich wie begrifflich und macht Platz für Winterfeste, Jahresendfeiern, X-Mas-Partys.

Das könnte Sie auch interessieren

Bei Michael Meier in Bonndorf (13) entdeckten wir eine Weihnachtskrippe, die der Teenager allen angloamerikanischen Modetrends zum Trotz, im elterlichen Wohnzimmer aufgebaut hat. Im Gespräch mit dem munter erzählenden jungen Mann erfuhren wir einiges über die Entstehungsgeschichte seiner ersten, eigenen Weihnachtskrippe.

Keine Skizze, einfach frei Schnauze

Wir treffen Michael in der Garage, neben dem 2002 erbauten Elternhaus. Er werkelt an einem Tisch und schneidet mittels einer Dekupiersäge ein Stück Fichtenholz auf Maß. Die Säge, so verrät er uns, lässt dank sehr feiner Sägeblätter im Gegensatz zu einer Kreis- oder Stichsäge deutlich feinere Schnittstellen und damit saubereres Arbeiten zu. Hier habe er den Stall zu seiner Weihnachtskrippe fabriziert, ohne Planskizze, frei Schnauze, und am Ende die Teile auf einem Brett zusammengefügt mit Schrauben, Leim oder Nägeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Auf die Idee, sich an einer Weihnachtskrippe zu versuchen, habe ihn ein Freund gebracht. Und während der Adventszeit seien aus dem einfachen Stall eine komplette Krippenlandschaft mit Figuren, Schafen, Ochs und Esel und einem Kamel entstanden. Die eigene, pure Freude am Umgang mit Holz, das Schulfach Technik (und der Beruf seines Vaters, Zimmermann) waren wohl weitere wichtige Motivationsbausteine zur rechtzeitig fertiggestellten Weihnachtskrippe.

Die Krippenlandschaft im Wohnzimmer der Familie Meier, mit den bekannten Figuren zur Weihnachtsgeschichte und dem von Michael Meier selbst entworfenen und gebauten Stall, ist ein echter Blickfang.
Die Krippenlandschaft im Wohnzimmer der Familie Meier, mit den bekannten Figuren zur Weihnachtsgeschichte und dem von Michael Meier selbst entworfenen und gebauten Stall, ist ein echter Blickfang. | Bild: Morath

Und dank einer pfiffigen Überlegung, wurde Michaels mit Holzschindeln gedeckter Stall während der Vorweihnachtszeit ganz nebenbei zu einer Art Adventskalender. Am Anfang nämlich, als er im Wohnzimmer den Stall mit einer Landschaft aus Moos und Stroh und Zweigen aufgestellt hatte, fehlten ihm die dazu gehörenden Figuren der Weihnachtsgeschichte. Die erhielt er alsbald von seinem Onkel mit der Maßgabe, die ganze Szenerie täglich um eine Figur zu ergänzen bis zur „Vollversammlung“ am Heiligen Abend.

Das könnte Sie auch interessieren

Gesagt, getan. So fügte Michael jeden Tag eine oder zwei Figuren hinzu und am Ende, am heutigen Heilig Abend kommt dann das Jesuskind, die wichtigste Figur und der Mittelpunkt der Weihnachtsgeschichte, hinzu. Auf die üblichen Süßigkeiten eines heute gängigen Adventskalenders verzichte er eben, schließlich sei zu viel Süßes eh nicht gesund, ergänzt er mit schelmischer Miene.

Was sich hier als Alltäglichkeit eines holzverliebten jungen Bastlers darstellt, ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Eine Freizeitbeschäftigung abseits digitaler Fantasiewelten, handwerkliches Geschick, Holz als lebendiger Werkstoff, sicherer Umgang mit Werkzeugen und Maschinen, Idee, Planung und beharrliche Umsetzung führen zu einem greifbaren Ergebnis, Advent und Weihnachten machen ihrem Namen alle Ehre, kehren zu ihrem eigentlich Sinn zurück – und dies alles dank der Umsetzung einer Idee eines 13-jährigen Schülers und Ministranten.

Dass Profikrippenbauer handwerkliche Verbesserung ins Feld führen würden, wenn sie eine Bewertung abgeben müssten, mag sein. In Erinnerung bleiben aber die Unbekümmertheit, mit der Michael zu Werke ging die Entstehungsgeschichte vom Anfang im Holzschopf bis hin zum Finale im Wohnzimmer schilderte. Schließlich war er einige Tage vor Weihnachten auch gerne bereit, für ein Foto sämtliche Figuren im „Stall“ so aufzustellen, wie sie dann ab heute zu bewundern sind.