Im September starten traditionell viele junge Menschen in ihre Berufsausbildung. Diese Zeitung fragte stellvertretend bei großen und kleinen Unternehmen nach, wie die Situation in Bonndorf aussieht. Während die einen leer ausgehen, können andere ihre Auszubildenden aus einem beachtlichen Bewerberfeld auswählen.

  • Sparkasse: Zum ersten Mal seit 33 Jahren fand sich kein Auszubildender für die Sparkasse Bonndorf Stühlingen. „Der Beruf des Bankkaufmanns war lange Zeit einer der beliebtesten, das ist offensichtlich nicht mehr so“, sagt die dortige Ausbildungsleiterin Martina Steinhübl. „Wir möchten natürlich gerne ausbilden und arbeiten auf Hochtouren daran, jungen Menschen den Finanzberuf im Rahmen eines attraktiven Praktikums näher zu bringen. Allerdings gestaltet sich das aufgrund des Bankgeheimnisses schwierig.“
  • Holzhaus Bonndorf: Von genügend Bewerbungen berichtet hingegen Margit Hegar von der Firma Holzhaus Bonndorf. „Wir sind echt zufrieden. Bei uns beginnen zwei Schreiner, zwei Zimmermänner und ein Bauzeichner ihre Ausbildung.“
Viele Firmen aus Bonndorf und der Region nutzen die Möglichkeit, sich und ihre Ausbildungsberufe bei den HeDu-Tagen vorzustellen. Dazu gehören auch die Firma Holzhaus Bonndorf (im Bild zwei Auszubildende). Bilder: Martha Weishaar
Viele Firmen aus Bonndorf und der Region nutzen die Möglichkeit, sich und ihre Ausbildungsberufe bei den HeDu-Tagen vorzustellen. Dazu gehören auch die Firma Holzhaus Bonndorf (im Bild zwei Auszubildende). | Bild: Martha Weishaar
  • Bäckerei Jost: Zufrieden ist auch Karl-Egbert Jost. Eine Konditorin beginnt in seinem Unternehmen dieses Jahr ihre Ausbildung. Für nächstes Jahr hat er einen Bäcker in Aussicht, der bereits mehrmals als Ferienjobber in den Beruf reinschnupperte und Interesse an einer Ausbildung zeigt.
  • In Möhringer‘s Schwarzwaldhotel startet eine Restaurantfachfrau in ihre Ausbildung. Gerne hätte Gabriele Möhringer auch einen Koch ausgebildet, doch dafür fand sich kein Bewerber.
  • Elektrofirmen: Ausreichend Bewerbungen haben nach Jahren der Flaute derzeit Elektrofirmen vorliegen. Elektro-Wietschorke bildet momentan drei Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik aus, Elektro-Dietsche einen. Beide haben jedoch in diesem Jahr keine Kapazität für weitere Auszubildende.
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  • Autohaus Moser: Traumberuf vieler Jungen war in der Vergangenheit Automechaniker. „Aus bis zu 20 Bewerbern konnten wir früher auswählen, aber das ist schon lange vorbei“, sagt Gaby Moser vom gleichnamigen Autohaus. Mittlerweile ist lediglich ein Auszubildender KFZ-Mechatroniker im Team, der in diesem Jahr seine praktische Ausbildung beginnt. Gaby Moser führt diese Veränderung auch darauf zurück, dass Handwerksberufe an Schulen kein gutes Image haben. Diese Vermutung würden Kollegen aus anderen Handwerksberufen mit ihr teilen.
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  • Landmaschinen Müller: Mehr Bewerber als er ausbilden kann, hat derweil Landmaschinen Müller. Sowohl dieses als auch kommendes Jahr beginnt hier ein junger Landmaschinenmechaniker mit seiner Ausbildung. „Ich habe bisher 58 Lehrlinge ausgebildet“, sagt Firmenchef Werner Müller. „Nur drei davon sind im Beruf geblieben. Jeder will Landmaschinenmechaniker werden, aber keiner will es danach sein.“ Die Herausforderung in diesem Beruf verkraften viele nicht, vermutet er.
  • Landschaftsgärtner: Enttäuscht zeigt sich auch Landschaftsgärtnermeister Guido Woll. Bei ihm beginnt ein Auszubildender seine Lehre. Von den 55 jungen Landschaftsgärtnern, die er bisher ausgebildet hat, blieben gleichwohl die wenigsten in seinem Unternehmen. Woll kritisiert vor diesem Hintergrund Kollegen, die selbst nicht bereit sind, Kosten und Mühen für die Berufsausbildung auf sich zu nehmen, ihm dann aber die Fachkräfte abwerben.
  • In der Blattert-Mühle beginnt eine Fachkraft für Lagerlogistik die Ausbildung. Nächstes Jahr will Daniel Blattert außerdem eine Bürokauffrau sowie einen Müller, der neuerdings Verfahrenstechnologe für Mühlen- und Getreidewirtschaft heißt, ausbilden.
  • Und auch im Altenpflegeheim beginnen zwei Frauen ihre Ausbildung zur Altenpflegerin. Die Ausbildung in dieser Form gibt es zum letzten Mal, denn im kommenden Jahr werden Pflegeberufe generalisiert.
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  • Im Bauunternehmen Kromer freut man sich indes, dass der Sohn eines langjährigen Mitarbeiters dieses Jahr eine Ausbildung zum Maurer und Betonbauer beginnt. Ein weiterer Auszubildender ist bereits im dritten Lehrjahr, doch der junge Mann hat Abitur und wird anschließend ein Studium aufnehmen. Das ist übrigens ein klarer Trend, den die Industrie-und Handelskammer Hochrhein-Bodensee beobachtet. 682 der insgesamt 2470 Auszubildenden, die in ihrem Einzugsgebiet dieses Jahr mit der Ausbildung beginnen, haben Hochschulreife. „Das falsche Bild von der dualen Ausbildung als Sammelbecken für Bildungsverlierer ist definitiv passé“, informiert die IHK.
  • Ganz gut sieht auch die Situation bei der Fleischwarenfabrik Adler aus. Drei Industriekaufleute, eine Fleischereifachverkäuferin sowie ein Student für ein duales Studium der Informatik starten dort ihre Ausbildung. „Im gewerblichen Bereich würden wir uns allerdings mehr Bewerber wünschen“, sagt Personalsachbearbeiterin Svenja Thiedmann im Hinblick auf fehlende Fleischer und Lebensmitteltechniker.
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  • Hectronic bildet fünf Auszubildende in den Berufen Elektroniker, Industriekauffrau sowie Mathematisch-Technischer-Softwareentwickler aus. Letzteres ist ein neuer Ausbildungsberuf, der erstmals möglich ist, nachdem die Berufsschule Donaueschingen die betriebliche Ausbildung begleitet.
  • Bei Dunkermotoren beginnen 19 Menschen eine Ausbildung oder ein Studium als Industriemechaniker, Elektroniker und Industriekauffrau. Ein junger Mann startet ein „Studium plus“ als Industriemechaniker/Maschinenbauingenieur. In den Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieur und allgemeine Informatik starten duale Studenten sowie Traineestudenten von Fachhochschulen.