Bonndorf (gud) Wer Nicole C. Vosseler persönlich kennenlernen darf, wird angesteckt. Zur Lesung aus ihrem noch neuesten Roman, "Der englische Botaniker", hatte das Team der Stadtbibliothek eingeladen. Und die Besucher wurden belohnt mit einer fundierten Entführung der Autorin in spannende Welten des Empires im 19. Jahrhundert, in dem die Ehefrau des Protagonisten mit ihren Kindern geblieben war.

Dass Vosseler es darüber hinaus schaffte, mit ihrer Hauptfigur nach China, das vormals dem Rest der Welt gegenüber hermetisch abgeriegelt war, zu entführen, ist sicher einerseits dem lebendigen Vortrag zu verdanken, den Vosseler mit Bildern aus jener Zeit, auch mit chinesischen Zeichnungen, unterstützte. Der Brite Robert Fortune, eben jener englische Botaniker, war dort auf der Suche nach dem Grünen Gold in abenteuerliche Welten eingetaucht und in der Folge, rund 150 Jahre später Nicole C. Vosseler. Ihre eigene Faszination über Pflanzen, die heute hier selbstverständlich in die Gärten gehören, wie Pfingstrosen oder Flammende Herzen, schwappte ebenso mit Bildunterstützung auf das Publikum über. Vor allem aber war es die gefeilte Sprache, die Liebe zum Detail, ohne den Faden der Geschichte zu verlieren, die in Bann zog. Kurz: Wer sich die Lesung mit dieser Autorin, die übrigens mehrfach schon die Spiegel-Bestsellerliste zierte, hat entgehen lassen, hat etwas versäumt.

Nicht zuletzt gestaltete sich der Abend zum Gesamtkunstwerk, weil Vosseler hinterher, bei Sekt und Selbstgebackenem von den Bibliotheksdamen, über sich und ihr Leben als Schriftstellerin erzählte, fast wie beim Gespräch mit Freunden: "Ich bin wahnsinnig aufgeregt vor einer Lesung, aber es gibt da diese magischen Momente, wo ich spüre, dass das Publikum mit mir gemeinsam ganz tief in meiner Geschichte steckt und genauso fasziniert ist wie ich. Und dieses Erlebnis kann süchtig machen."

Kaum zu glauben, dass die Autorin selbst niemals in China gewesen war, so lebendig waren ihre Schilderungen. "Ich war in Asien und ich bin mit China aufgewachsen. Meine Mutter hatte einen starken Bezug dazu. Ich weiß nicht warum und kann sie auch leider nicht mehr fragen", meinte Vosseler und gab damit ein Schlaglicht auf ihre intensive Wahrnehmung der Umwelt. "Als ich ihr erstes Buch gelesen habe, habe ich die Wärme gespürt und die Gerüche gerochen, so glaubhaft war das", erzählte Ingrid Bühler aus der Bibliotheksleitung von ihrem Vosseler-Leseerlebnis.

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