„Wir sind nicht da, um alles anders zu machen. Was sich bewährt hat, wollen wir behalten“, sagt Reinhold Pix (60), Landtagsabgeordneter der Grünen. Bei den Landtagswahlen 2011 hatte Pix den Wahlkreis Freiburg Ost als Direktmandat geholt, was seinerzeit als Sensation gewertet wurde.

Sein Einsatzgebiet, mit Teilen der Unistadt Freiburg und großen Teilen des südlichen Hochschwarzwalds bis in den Landkreis Waldshut hinein, sei für ihn passend: Denn Stadt und Land sind gleichermaßen Terrains, in denen Pix sich daheim fühlt. Aufgewachsen ist er in Stuttgart, neben seinen Schwestern als einziger Sohn – seine streng katholische Mutter hätte ihn gerne als Priester gesehen. Studiert hat der Diplom Forstwissenschaftler in Freiburg, in seinen Semesterferien war er Senner im Berner Oberland. 1984 hat er mit einer „vulkanösen Kaiserstühlerin“, wie er selbst sagt, ein Bioland-Weingut aufgebaut. Im gleichen Jahr heiratete er Helga Jakob-Pix. Mit ihr hat er vier Kinder und inzwischen zwei Enkel. „Vulkanerde ist sehr fruchtbar“, sagt er schmunzelnd. Ein kleines Schlaglicht fällt jedenfalls auf eine offensichtlich sehr lebendige Familie, wenn Pix seine Frau als „vulkanös“ bezeichnet.

Wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen läuft, kann man Reinhold Pix selbst nämlich durchaus eruptive Züge attestieren. Als er in der zu Ende gehenden Wahlperiode ein Eisen aus dem Feuer zu holen hatte, schrieb ein Journalist von „Pix in seiner betont ruhigen Art.“ Das zog sofort einen Anruf von dessen Schwester nach sich, die ihren Bruder Reinhold fragte, ob er denn krank sei, erzählt er amüsiert.

Nicht zuletzt der Minister für den ländlichen Raum, Alexander Bonde, hat eine Kostprobe von Pix's Durchsetzungskraft zu spüren bekommen, als er sich für den Wahlkreis, den Pix im Direktmandat erobert hatte, aufstellen lassen wollte. Nach Bondes Rückzieher sei Pix nun gelassen im eigentlichen Wahlkampf, denn: „Ich hatte meinen privaten Wahlkampf damit ja schon.“ Auch der Ministerpräsident Winfried Kretschmann horche auf, wenn Reinhold Pix der Schuh drückt. Dieser habe ihn zu Beginn der Legislaturperiode gefragt, wie es ihm denn gehe. „Schlecht habe ich gesagt“, erinnert sich Pix an seine ehrliche Antwort und dann habe er vom Leder gezogen, mitten auf dem Landtags-Flur. So sei laut Pix das ein oder andere Projekt eben doch durchgeführt worden, obschon es fast schon auf der Abschussliste stand – dazu gehöre das Biosphärengebiet.

Die Aussage „geht nicht, gibt's nicht“, scheint auf Reinhold Pix zugeschnitten zu sein. Mit dem Schulangebot in seiner Wohnumgebung war er nicht zufrieden folgerichtig gehörte er zu den Gründern einer Privatschule. Die Wehrpflicht hat er zwar in voller Gänze abgeleistet. Kameraden habe er oft geholfen, etwa mit dem Tragen von Gepäck. Auch zielsicher sei er gewesen – „ich habe damals schon ins Schwarze getroffen“, sagt der passionierte Jäger nicht ohne Ironie. Sogar Elitesoldat wurde er. Aber nach dem Natodoppelbeschluss verweigerte Pix im Nachhinein den Kriegsdienst.

Ein Mann der leisen Töne ist Reinhold Pix nicht. Ein Gespräch mit ihm, auch über Privates, führt unweigerlich in alle Ärgernisse der Politik. Und dann spart er nicht mit drastischen Bildern und starker Sprache. Kleine Triumphgefühle und Stolz auf Erreichtes leistet er sich durchaus. Glück ist in seinen Augen zu sehen, wenn er davon erzählt, dass sein Sohn tatsächlich Weinbauingenieur geworden ist und nun als Geschäftsführer im elterlichen Weingut arbeitet. Und ein Gefühl der Harmonie befriedet die Züge des ehemaligen Katholiken Reinhold Pix, wenn er vom unterfränkischen Weingut auf der Vogelburg erzählt, das damals von Schwester Hedwig geführt wurde. Das hatte er als Kontrolleur im Ökologischen Weinbau zu betreuen: „Wenn man mit dem lieben Gott schafft, kann ja nichts schief gehen, es war immer alles in penibler Ordnung. Nach dem Dienst dann auf der Freiterrasse, mit Blick ins Tal, einem Fläschle Wein, einem kleinen Vesper dazusitzen und mit Schwester Hedwig über Gott und die Welt zu sinnieren, war für mich immer das Allerschönste.“

 

Die Kandidaten

Der Privatmann Reinhold Pix: 1984 baute er mit seiner Frau Helga sein Bioland-Weingut im Kaiserstuhl auf. Mittlerweile ist sein Sohn Geschäftsführer und die Jahresproduktion liegt bei 50 000 Flaschen.
Der Privatmann Reinhold Pix: 1984 baute er mit seiner Frau Helga sein Bioland-Weingut im Kaiserstuhl auf. Mittlerweile ist sein Sohn Geschäftsführer und die Jahresproduktion liegt bei 50 000 Flaschen. | Bild: Privat
Erstkandidat: Reinhold Pix, 60, ist Bio-Winzer (50 000 Flaschen jährlich), und diplomierter Forstwissenschaftler. Er sitzt seit 2006 für die Grünen im Landtag. Er war einer der „Architekten“ der Jagdgesetzreform und hat das Biosphärengebiet Südschwarzwald entscheidend mit vorangetrieben. Pix arbeitet in zahlreichen Gremien mit, unter anderem im Landtagsauschuss für den ländlichen Raum und ist Mitglied im Oberrheinrat. Pix war über zwei Jahrzehnte lang Ihringer Gemeinderat und zog 1986 in den Kreistag, wo er umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion wurde.

 

Timothy Simms
Timothy Simms
Der Zweitkandidat: Timothy Simms (Freiburg) wurde 1972 in Freiburg geboren, sein Vater ist US-Amerikaner und er besitzt zwei Staatsbürgerschaften. In Emmendingen legte er 1992 sein Abitur ab. Nach dem Zivildienst im Freiburger Öko-Institut studierte Timothy Simms zunächst Chemie und dann Soziologie. Er kuratierte das Programm des Kommunalen Kinos Freiburg und ist seit 2013 Mitarbeiter der Landtagsabgeordneten Edith Sitzmann. Simms ist stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Freiburger Gemeinderat. (Quelle: http://timothy.simms.de und www.gruene-bw.de)

Wirtschaft, Tourismus und Gastronomie

Für Reinhold Pix greifen letztlich alle Themen ineinander, wobei er Stärken Baden-Württembergs stärken will:

 

 

 

Wissenschaft: Tüftler und Denker gebe es nicht nur im Schwäbischen rund um die Autoindustrie, sondern auch hier bei den „Hidden Champions“, wie Testo, Dunker oder Hectronic. Da man jeden klugen Kopf brauche, müsse man laut Pix auch in die Wissenschaft investieren.

 

Wirtschaft: Nicht nur die Republik, sondern auch das Ländle seien Exportweltmeister, was gerade in den angesprochenen High-Tech-Branchen den Erfolg bestimme. Aber: „Die nächste Blase kommt bestimmt“, ist Pix überzeugt. Gewissermaßen als Risikobegrenzung sei somit die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus mit seinen 240 000 Arbeitsplätzen immens.

 

Landnutzung: Getragen sei der Tourismus einerseits von den Höhenlandwirten. Sie würden für eine Offenhaltung der Landschaft sorgen, aber noch zu wenig verdienen und dies mit Innovation aufbessern, etwa durch Urlaub auf dem Bauernhof und Umstellung auf Bioerzeugung. „Wir haben ein Mosaik von Wald, Wiesen, offenen Flächen. Mit der Topografie gibt es das sonst nirgends.“

 

Gastronomie: Die andere Säule des Tourismus stellten Gastronomie und Hotellerie, die auch im mittleren Preisniveau ihresgleichen suchten. Für die möchte Pix künftig eine Flexibilisierung der Arbeitszeitgesetzgebung erreichen. Mindestlohn sei im Vollbeschäftigungsländle kein Thema gewesen. Die starren Arbeitszeiten in der Gastronomie seien aber nicht mit dem Berufsbild vereinbar.

 

Flüchtlinge: In Gastronomie und Hotellerie sieht Pix auch eine große Chance für die vielen Flüchtlinge. In der Branche sei es besonders schwierig, Fachkräfte zu finden. Dazu möchte Pix die Aufklärungsarbeit für Flüchtlinge verbessern, die nach Anerkennung meist schnell Geld verdienen wollten, aber noch nicht verstünden, welch große Rolle bei uns Qualifizierung spielt. (gud)