Bonndorf Landfrauen Gündelwangen ziehen alle Register

Neues Landfrauentheater drei Mal ausverkauft. "Der Jungbrunnen", das jüngste Stück aus der Feder von Bonndorfs Bürgermeister Michael Scharf entfesselt auf der Gündelwanger Theaterbühne wahre Begeisterungsstürme.

„Der Jungbrunnen“, das neueste Bühnenstück des Autors Michael Scharf, bot schon als reiner Lesestoff ein Feuerwerk aus Wortwitz, feinsinniger Ironie, irren Wendungen, tiefschürfenden Lebensbetrachtungen, ohne dabei ins Pathetische zu rutschen. Was die Schauspieler-Gruppe um Landfrauen-Chefin Claudia Scharf dann auf die Bühne brachte, war als Komödie in drei Akten das reine Vergnügen. Denn es war gleichermaßen eine Teamleistung der Sonderklasse, wie eine Kette aus lauter einzeln funkelnden mimischen Perlen.

Dietrich Schulze (Bernd Jehle) hatte sein Haus praktisch verzockt, war schuldbewusst wie ein Schuljunge, hatte aber jetzt endlich das totsichere System. Die findige Tochter Frieda (Yvonne Stoll) ersann die Rettung: Eine Senioreneinrichtung sollte im Wohnhaus eröffnet werden. Ganz vernarrt war sie in Franz Ferdinand (Paul Müller), der so gerne in einer Casting-Show aufgetreten wäre. Dann wurde er "fast" Sparkassenvorstand, „also so etwas wie Klein-Theo“, wie Frieda meinte. Tatsächlich aber ist er als Bewerber für eine Auszubildendenstelle abgelehnt worden. Deshalb hatte FF, wie der Multitalentierte genannte werden wollte, beim Sparkasse-Chef, Theo Binniger, der auch im Echtleben so heißt und im Publikum saß, etwas gut, was jedoch nicht weiter half.

Auf die Kleinanzeige, die Frieda unter anderem in den SÜDKURIER gesetzt hatte, kamen Interessenten: Karl Lagerfreund (Klaus Mogel) als Designertyp und Schwerenöter. Dabei entpuppte sich seine Berta (Jutta Keßler), die anfangs als Trutscherl-Gattin den Eindruck machte, unter den ständigen amorösen Abenteuern des exzentrischen Karls zu leiden, später als dessen Schwester. Ausgestattet mit ungeahnten Verkaufsfähigkeiten ausgestattet – gelernt beim Bestell-TV.

<strong>Mit Rollator</strong><strong>:</strong> Erika Schübel, Jutta Keßler als Marketingtalent dank Bestell-TV, Silvia Maier ("Das sind keine Stirnfalten, das ist ein Sixpack vom Denken."), Claudia Scharf und Petra Isele.
Mit Rollator: Erika Schübel, Jutta Keßler als Marketingtalent dank Bestell-TV, Silvia Maier ("Das sind keine Stirnfalten, das ist ein Sixpack vom Denken."), Claudia Scharf und Petra Isele. | Bild: Gudrun Deinzer

Dann fegte eine nie altern wollende Femme-Fatale in Tigerkluft, Friederike Waldvogel (Claudia Scharf), durch die gute Stube: „Waldvogel, wie die, die im Wald…“, lautete ihre Vorstellung. Szenenapplaus gab es für die fauchend-überhebliche Dauerschönheit in Highheels. Ständig hatte sie im Leben bekommen, was sie wollte, natürlich nur von den Männern, die sich mit ihr schmückten. In der Rückschau wurde manches davon schal.

Dazu kam die Alt-Hippie-Frau Dahlia (Silvia Maier), die später mit der dement-sprachlosen Freifrau von Lotterburg einen Joint rauchen sollte. Die ganze Welt des freien ungezwungenen Lebens spielte sie erst vor, entführte das Publikum an Strände und zu Sonnenuntergängen, gemacht für die freie Liebe und litt: Denn Mann und Kinder und ein wenig bürgerlich-bequeme Heimeligkeit vermisste sie. Sie beneidete nun die alte Freifrau, die nichts mehr mitbekam. Halt, nein: Wie man an die zwei Stunden mit Präsenz glänzen kann, ohne ein Wort zu sagen, machte Erika Schübel vor. Trotzig, schmollend, genießerisch, reagierte die ständig im Rollator sitzende alte Dame auf die Dinge, die ihr angetan wurden, was teils unendlich komisch war.

<strong>Tolles Duo:</strong> Silvia Maier und Erika Schübel als Althippie und alte demente Dame.
Tolles Duo: Silvia Maier und Erika Schübel als Althippie und alte demente Dame. | Bild: Gudrun Deinzer

Mitten im Lachen, konnte einem aber auch Angst vorm eigenen bevorstehenden Alter werden. Und so verhalf sie auch Paul Müller zu Szenenapplaus in der Rolle als Bufdi in der er "Baramdadam"-singend die Seniorin umkreiste, statt mir ihr das vereinbarte Gedächtnistraining zu absolvieren.

Die Spielverderber-Rolle als Frau vom Amt hatte Petra Isele, alias Angelika Saubermann, die sich hinterher freilich als gar nicht so sauber herausstellte. Die Paragrafentexte, die ihr Michael Scharf als Autor und Regisseur zugemutet hatte, sind für Normalbürger nicht lesbar, noch weniger lernbar. Und gerade deshalb, weil Isele die am Schnürchen beherrschte, war sie ein glaubwürdiger Amtsschimmel, der freilich die Wandlung vollzog zum knitzig-kumpeligen Mitglied der Alters-Gang. Unter mehrmaligen Wendungen war nämlich zum Schluss alles gut, inklusive Pärchenbildung, Lotteriegewinn und Startschuss für eine nun genehmigte Alters-WG.

 

Sprachsplitter

Die Pointen waren praktisch allesamt garniert mit funkelnden Sprachsplitttern: Das sind keine Stirnfalten, das ist ein Sixpack vom Denken. – Ich bin so cool, dass es hinter mir schneit. – Früher dachte ich, ich bin eingebildet, heute weiß ich, dass ich schön bin. – Ich könnte Dich in Welten führen, von denen Du im Traum errötest. – Ich bin nicht frech, ich bin nur verbal überlegen. – Ich bin nicht kriminell, sondern moralisch flexibel. – Als Gott mich schuf, wollte er angeben.

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