Bonndorf Land lenkt ein: Rettung für Kapelle Bad Boll

Freundeskreis übergibt 38 444 Euro ans Land. Staatssekretär Rust kündigt baldige Sanierung an.

Das stetige, lange und unnachgiebige Ausharren von Peter Marienfeld und Hansjörg Adler vom Freundeskreis zum Erhalt der historischen Bad-Kapelle in Bad Boll hat sich für diese nun doch noch gelohnt. Mit der Übergabe des Spendenschecks in Höhe von 38 444,32 Euro an Staatssekretär Ingo Rust vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft in Stuttgart im Rathaus Bonndorf fiel der Startschuss, zumindest symbolisch, für die Arbeiten zum Erhalt der Kapelle. Die Spendengelder decken einen großen Teil der Sanierungskosten von insgesamt 150 000 Euro ab.

„Für das historische Erbe von Baden-Württemberg ist es wichtig, dass Kleinode wie die Kapelle Bad Boll erhalten bleiben. Es freut mich daher sehr, dass die Denkmalförderung des Landes durch bürgerliches Engagement unterstützt wird. Ich danke den Spendern und Spendensammlern herzlich“, sagte Rust bei der Spendenübergabe.

Sobald die denkmal- und naturschutzrechtliche Genehmigung vorliegt, soll mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden. Diese sehen die statische Sicherung der Mauern, die Instandsetzung des undichten Daches und die Verlegung von Drainageleitungen zur Entwässerung vor. „Wir haben somit eine pragmatische Lösung zum Erhalt der Kapelle gefunden, sie bleibt als Denkmal erhalten, wird aber nicht begehbar sein. Durch die Sanierungsmaßnahmen wird nichts kaputt gemacht, sodass später weitere Sanierungsschritte möglich sein werden“, erklärte der Staatssekretär. Den Freundeskreis, dem der Erhalt der Kapelle stets eine Herzensangelegenheit war, nannte er als gutes Beispiel, dass sich bürgerschaftliches Engagement durchaus lohnen kann. „Das hat die Behörden aufgerüttelt.“

Peter Marienfeld vom Freundeskreis erwähnte, dass die Förderer in den vergangenen vier Jahren durch Höhen und Tiefen gegangen sind. Der Freundeskreis sei in der Bevölkerung immer wieder auf Solidarität gestoßen, die motivierend war. Er lobte die Unterstützung durch die Ortsgruppe Bonndorf des Schwarzwaldvereines, dessen Resolution dazu beigetragen habe, dass das Totenglöcklein, das für die Kapelle schon geläutet habe, verstummte und der Beschluss zum Abriss abgewendet werden konnte.

Der Vorsitzende des örtlichen Schwarzwaldvereins, Friedbert Zapf, erinnerte daran, dass mit dem Anlegen des Wanderweges durch die Schlucht vor 110 Jahren eine Gesamtverantwortung für dieses Naturschutzgebiet übernommen wurde, weshalb es keine Frage war, dass der Verein Mitglied im Freundeskreis wurde. Unterstützung erfuhr die Resolution durch Bürgermeister Michael Scharf, den Gemeinderat der Stadt Bonndorf und die an die Wutachschlucht angrenzenden Ortsgruppen des Schwarzwaldvereines. Zapf sprach sich aus zweierlei Gründen dafür aus, dass mit den Sanierungsarbeiten noch diesen Herbst begonnen werden sollte. Zu einem, um noch größere Schäden zu vermeiden und zum anderen aus Naturschutzgründen in dem hochsensiblen Naturschutzgebiet. „Wir sollten die vegetationslose Zeit dafür nutzen“, sagte der Naturschutzbeauftragte.


Meilensteine zum Erhalt des Kleinods

September 2006: Wanderung in der Wutachschlucht mit Begehung der durch den Zerfall bedrohten Kapelle. Der Gedanke zu deren Erhalt reift.

September 2009: Der Freundeskreis zum Erhalt der Kapelle Bad Boll wird gegründet. Eine Spendenaktion läuft an. Die Stadt erklärt sich bereit, die Trägerschaft zu übernehmen.

Jahre 2010/11: Engineering, Statik und Finanzierungskonzept werden von renommierten Firmen kostenlos erstellt. Es wurden Projektkosten von 220 000 Euro errechnet.

Im Jahr 2012 beschließt die Stadt Bonndorf den Ausstieg aus dem Projekt und verweist auf die Pflicht des Eigentümers, das Land Baden-Würrtemberg, zum Erhalt der Kapelle.

August 2013: Das Amt für Vermögen und Bau teilt mit, dass der von ihm ermittelte statische Sanierungsaufwand mit 350 000 Euro nicht wirtschaftlich und zu hoch ist.

November 2013: 187 Spender erbringen einen 38 444 Euro. Sachspenden und Leistungen werden von 17 Personen oder Firmen erbracht.

Februar 2014: Das Amt für Vermögen und Bau informiert, dass auf höchster Ebene entschieden wurde, die Kapelle abzureißen. Das Projekt ist aus Sicht des Freundeskreises somit gescheitert.

März 2014: Mit der Verabschiedung einer Resolution, die eine breite Zustimmung findet, leitet die Ortsgruppe Bonndorf des Schwarzwaldvereines die Wende ein.

Juli 2014: Die Stadt Bonndorf erhält aus Stuttgart die Information, dass das Land Baden-Württemberg einer Grundsanierung mit Kosten in Höhe von 150 000 Euro (inklusive der Spendengelder) zugestimmt hat.

Oktober 2014: Staatssekretär Ingo Rust vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft nimmt von den Initiatoren des Freundeskreises, Peter Marienfeld und Hansjörg Adler, den Scheck in Höhe von 38 444,23 Euro entgegen. Die Arbeiten zur Grundsanierung können beginnen. (sbm)

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