Viel Wirbel ging in den vergangenen Tagen vom Circus Rudolf Busch aus. Gestern noch campierte er an der Jugendherberge Bonndorf, 25 der ursprünglich 40 Zirkusleute waren da und auch die Tiere. Schon Anfang Juni suchte eine Mitarbeiterin des Zirkus‘ bei den Pfarrämtern um Hilfe nach. Schlechtes Wetter und Probleme mit der Krankenkasse wurden etwa bei Pfarrer Eckhard Kopp ins Feld geführt. Es war Mitleid, das auch bei der evangelischen Pfarrerin Ina Geib ausgelöst wurde. Beide spendeten, aus eigener Tasche, versteht sich.

An diesem Mittwoch schließlich trat eine wohlmeinende Tierschützerin auf den Plan, die üblicherweise für den Tierschutzverein in Löffingen sammelt. Um die Tiere und auch um die Menschen würde es ihr gehen, erläuterte sie gegenüber dieser Zeitung. Auch sie sammelte erfolgreich Geld für den Zirkus. Praktisch zeitgleich war Bürgermeister Michael Scharf mit Claudia Ott vor Ort, die dort ein Kinder- und Jugendhotel plant.
 

Anzeige wegen Diebstahls


Den Zirkus hatte sie vor rund drei Wochen auf das Gelände gelassen, allerdings im Vertrauen darauf, dass dieser nach einem kurzen Gastspiel auch wieder abzieht. Trotz wiederholter Aufforderung ist das bisher nur teilweise geschehen. Zwischenzeitlich hatte es Streit um Wasser und Strom gegeben. Der gipfelte darin, dass der Zirkus einen Hydranten knackte und widerrechtlich Wasser entnahm. „Die Stadt hat deshalb Anzeige wegen Diebstahls gestellt“, so Bürgermeister Michael Scharf.

Vor Ort stellte der Bürgermeister fest, dass Wassertanks zur Verfügung stehen. „Die werden fortlaufend gefüllt.“ Auch von Not leidenden Kindern habe er nichts entdecken können. Mit den Kindern habe er andernfalls Essen gehen wollen. „Die Tische, die ich gesehen habe, waren aber reich gedeckt“, so Scharf. Schließlich müsste anderenfalls auch das Jugendamt eingeschaltet werden. Den Strom erzeugen die Zirkusleute derzeit mit einem Aggregat.

„Ich habe wenige Zugmaschinen für die Wagen gesehen und denke, dass nun Zug um Zug abtransportiert wird“, sagte Scharf gegenüber dieser Zeitung. Er rechne damit, dass der Zirkus bis Ende dieser Woche tatsächlich verschwunden sei. Gesundheitsgefährdung liege nicht vor, die Wasseruntersuchungen hätten ergeben, dass sich keine Bakterien darin gesammelt hätten. Ernährungs- und Pflegezustand der Tiere, das bescheinigte Kreisveterinär Klaus Reuther schon beim ersten Vor-Ort-Termin, bereiteten keine Bedenken.

Albani Frank, der sich beim hier verbliebenen Teil des Circus Rudolf Busch als einer der örtlichen Betriebsleiter sieht, führt auf Nachfrage zu im Morast steckengebliebenen Tiefladern. Vorne hängen zwei Traktoren, die ebenfalls tiefe Spuren im Rasen hinterlassen haben. „Es hat viel zu viel geregnet. Wir kommen hier nicht ‚raus, wir machen nur Wagen und Gelände kaputt“, sagt Frank und spricht von mindestens einer Woche trockenen Wetters, das er bräuchte, um das Gelände wirklich verlassen zu können. „Wir können auch nicht einfach gehen und die Tiere hier lassen“, meint er.

Spontan ruft er bei der Stadt an, um nach Seilwinde oder sonstigem Gerät zu fragen. „Wenn die nicht rauskommen, schaffen wir das mit großem Gerät, das ist nicht das Problem“, sagt Bürgermeister Michael Scharf. Am gleichen Tag noch schickte Scharf den großen Forstschlepper. Unverrichteter Dinge zogen die Forstleute aber wieder ab. Ihre Befürchtung: Die Achsen der Wagen wären der Aktion eventuell nicht gewachsen. Besagter Auflieger ist inzwischen weg. Ein erleichterter Albani Frank schilderte gestern Nachmittag, dass er nach Absprache dafür ein Betonmäuerchen weghebeln konnte. Entwarnung kommt mittlerweile auch von Claudia Ott: "Sie packen jetzt wirklich zusammen. Morgen will die Stadt nochmal mit großem Gerät helfen."

Am Vortag noch warf Albani Frank gegenüber dieser Zeitung weitere Fragen auf. Weit könnten die Fahrzeuge nicht fahren, schließlich nutze man ständig das Aggregat, seit der Strom nicht mehr aus der Steckdose komme. Also sei nun weder Diesel in den Tanks, noch Geld in den Kassen. „Wir wissen nicht, wie es weiter geht“, sagt er. Aber für Wasser und Strom wolle er zahlen.

Das war allerdings von Anfang an umsonst, ebenso wie die Benutzung des Geländes selbst. Stolz will er sich absetzen von Kleinzirkussen, die mit ihren Tieren vor Kaufhäusern betteln gingen. „Die Kultur muss man doch am Leben erhalten, aber die Tierschützer machen uns kaputt“, sagt er, neben der Tierschützerin stehend, die außer Geld auch Würste und Brot besorgt hatte. Ziel ist jedenfalls Sigmaringen, dort sei bereits ein Teil der Wagen, ein anderer stehe in Sohlingen.

Für die Stadt, die mit dem Zirkus nur mittelbar zu tun hat, etwa als Beschwerden weiterreichende Stelle, sieht Bürgermeister Michael Scharf die Angelegenheit gelassen. Gewichtige Beschwerden gebe es aus der Bevölkerung nicht. „Ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht“, sagt Altgemeinderat Peter Riester. Auch Tourismus-Chefin Petra Kaiser hat in ihrer nächsten Nachbarschaft niemanden ausgemacht, der sich an Tieren oder Menschen des Circus Rudolf Busch störte. Für Claudia Ott allerdings ärgert sich Bürgermeister Michael Scharf: „Die Wiese ist demoliert, der Schaden sicher in fünfstelliger Höhe. Hier wurde Gutmütigkeit bewusst ausgenützt.“