Virtuose Klangwelten in geistvoll ingeniösen Variationen faszinierten und überraschten beim Schlosskonzert, als der erst 27-jährige Florian Glemser sein Debütkonzert im Bonndorfer Schloss mit Bravour absolvierte. Mit Werken von Ludwig van Beethoven („Eroica“-Variationen und „E-Dur Sonate op. 109“), Claude Debussy (drei „Images“ aus dem „2ème livre“) und Johannes Brahms („Klavierstücke op. 119“) schuf Florian Glemser aus den Meisterwerken dieser drei bedeutenden Komponisten Klangwelten von ungeahnter Tiefe und überschäumender Fantasie.

Klassische Monumentalität

Ein Thema, das Beethoven besonders liebte – immerhin hat er es mindesten vier Mal meisterhaft in seinen Werken verwendet und zitiert (in seiner Ballettmusik zu „Die Geschöpfe des Prometheus, in seiner dritten Sinfonie der „Eroica“, im besagten op. 35 und in einem „Deutschen Tanz“ – Sechs Contretänze Nr. 2). Hier verstand es Florian Glemser vortrefflich, Pomp und Patriotismus mit lyrischen, klar durchdachten polyphonen Strukturen zu einem Gesamtkunstwerk von klassischer Monumentalität zu verschmelzen: Dabei spielte er klar strukturiert, fast deklamatorisch mit Schubert’scher Melodienseligkeit und auch Schumanns Florestan und Eusebius winkten immer mal wieder aus der Ferne, was die immense Werkkenntnis des jungen Pianisten eindrucksvoll unterstrich.

Betörende Harmonie

Direkt nach Beethoven erklangen drei „Images“ von Claude Debussy und entführten die Zuhörer sofort wieder in eine ganz andere Welt. Lieblich schimmernd, wie Mondschein auf dem Wasser, erklangen die drei traumhaft schönen Klavierstücke in betörender Harmonieseligkeit voller impressionistischer Gestaltungskraft.

Beethoven als Hauptwerk

Nach der Pause erklang das unbestrittene Hauptwerk des Abends, die „Sonate op. 109 in E-Dur“ von Ludwig van Beethoven. Ihre genaue Beschreibung könnte Bände füllen, aber Florian Glemser gelang es in knapp 20 Minuten, Beethovens einzigartige Variationskunst klar verständlich mit ungemein differenziertem Anschlag, didaktisch wertvoll und für das Publikum jederzeit leicht nachvollziehbar zu interpretieren. Es war eine wahre Offenbarung für alle, die dieses Werk bereits kannten und diese eigenwillige und tiefgründige Vortragskunst eines gereiften Interpreten voller jugendlichem Elan zum ersten Mal erleben durften.

Die Lust am Innehalten

In Brahms letzten Klavierstücken, dem Opus 119, schuf Florian Glemser dann noch einmal romantische Klangwelten von besonderer Schönheit in crescendierender Dynamik und zunehmender Wildheit. E war quasi eine Reise durch abwechslungsreiche musikalische Landschaften von teils atemberaubender Schönheit, geprägt von der Sehnsucht, immer einmal wieder innezuhalten, um glückselig im Augenblick verweilen zu dürfen. Aber die Räder stehen dennoch nie still und so erlebten die Zuhörer von sanften und elegischen Klängen bis hin zum allegro risoluto ein Kaleidoskop an Klängen, die in berauschender Schönheit ein enormes emotionales Engagement virtuos präsentierten.

"Spinnerlied" als Zugabe

Als Zugabe erklang das bekannte „Spinnerlied“ aus den „Liedern ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy und beendete den Konzertabend mit einem fröhlich motorischen Bravourstück, das einen begeisterten ehemaligen Klavierlehrer zu einem enthusiastischen „Bravo“ verleitete und so mit einem einzigen Wort die Bedeutung und die Faszination eines gesamten Abends zusammenfasste.