Frau Hakenberg, zeitgleich mit Ihrem Auftritt beim Folktreff erscheint Ihre neue CD "Nur Mut!", auf der Sie sich mit Schalke, Heiraten und Senioren-Yoga beschäftigen. Was ist Ihr Lieblingstitel?

Alle drei von Ihnen genannten Titel mag ich sehr gerne! Das Lied über den Heiratsantrag meines Freundes ist besonders lustig, das Senioren-Yoga-Lied besonders böse. Ich verbinde gerne Bösartigkeit mit Humor. Als Hansi-Hinterseer-Fan wird man also meine neue CD kaum mögen. Fans von schwarzem Humor kommen hingegen voll auf ihre Kosten.


In Bonndorf sind Sie mit Ihrem Programm "Struwwelpeter reloaded". Der Struwwelpeter war in Ihrer Jugend bereits politisch inkorrekt. Sie bieten mit einer makaberen Übertragung in die Neuzeit quasi eine Übersetzung für heute an. Was macht Ihnen Freude an schwarzem Humor?

In den 60er und 70er Jahren gab es viel Rebellion und Feminismus. Inzwischen hat man den Eindruck, dass die angepassten jungen Frauen wieder überwiegen. Das finde ich schade. Ich versuche dagegen zu halten!


Sie selbst bezeichnen das auch als "Makabarett". Würden Sie sagen, dass das eine komplett neue Bühnenkunstgattung ist?

Nein, das ist nur ein Witz, den einmal ein Zuschauer erfunden hat. Ich fand ihn lustig und habe ich in mein Programm eingebaut.


Als das Programm heraus kam, waren Sie noch kinderlos. Inzwischen sind Sie Mutter. Hat sich an Ihrem Humor etwas verändert?

Ich habe befürchtet, dass ich als Mutter auch braver und angepasster werde. Aber zum Glück hat sich das nicht bewahrheitet.


Dass Sie während des Karnevals in Köln gezeugt wurden, kann man Ihrer Internetseite entnehmen. Meinen Sie, das hat direkt mit Ihrer heutigen Profession als liedermachende Kabarett-Comedian zu tun?

Nein, das ist eher ein lustiger Zufall. Ich bin nach wie vor gerne in Köln, lebe aber inzwischen in Ostwestfalen, wo ich mich genauso wohl fühle.


Warum ist aus Ihrem Berufswunsch Schauspielerin nichts geworden?

Ich habe mich an zehn staatlichen Schauspielschulen in ganz Deutschland beworben, aber keine wollte mich. Zum Glück! Ich wäre schließlich nie Kabarettistin geworden – und das wäre doch sehr, sehr schade.


Sind Sie heute dankbar darum?

Definitiv.


Was bedeutet es für Sie, auf der Bühne zu stehen?

Im Fernsehen hat man nur eine Kamera vor sich, in die man glotzt, im Theater sind es Menschen. Das macht natürlich viel mehr Spaß.


Sehr charmant, fast lieblich ist der erste Eindruck von Ihnen auf der Bühne. Umso wirkungsvoller sind die schonungslosen Texte. Würden Sie sich selbst eher als zurückhaltend bezeichnen?

Nein, zurückhaltend bin ich nicht. Aber eben auch keine laute Rampensau, die gleich drauf los böllert. So kann ich die Zuschauer viel schöner überraschen.


Sie reisen mit Mann und Kind und bezeichnen den ICE als einen Ihrer Wohnsitze. Vor drei Jahren waren das noch Berlin, München, Köln. Heute ist das Ostwestfalen. Wie kam das denn?

Ich finde es nur konsequent, nach Köln, Berlin, München und Strasbourg nach Ostwestfalen zu ziehen. Ich lebe immer gerne da, wo es interessante Menschen gibt. Ost – west – falen! Der Name sagt doch schon alles. Hätten sich die Einwohner schlichtweg "Falen" genannt, wäre ich bestimmt nicht dort hingezogen.


Was brauchen Sie, um sich daheim zu fühlen?

Meine Familie und ein Bett mit guter Matratze und weicher Bettwäsche!


Sie haben auf Ihrer Internetseite eine ganze Reihe von Preisen aufgeführt, die es gar nicht gibt und die Sie entsprechend auch nicht haben. Wen nehmen Sie damit auf die Schippe?

Es gibt Kabarettpreise, die sich Bocholter Peperoni, Goldene Weißwurscht, Schnellertshamer Heugabel, Gaul von Niedersachsen oder Paderborner Einohr nennen. Da muss man sich doch einfach drüber lustig machen!


Ist schon einmal jemand darauf reingefallen?

Das weiß ich nicht. Da müssen sie schon meine Webseiten-Besucher fragen.


Darunter ist ein Preis, genannt die "Aschaffenburger Axt". Man denkt dabei vielleicht an Priol, man findet im Netz allerdings einen Axtschlagenden Ehemann aus Aschaffenburg. Ist das Zufall oder einer Ihrer Makabersten?

Ein schöner Zufall, wie ich finde!


Sie selbst haben Preise bekommen, etwa den Ernst Hofrichter-Preis (Autorenpreis) oder den Nachwuchspreis des Deutschen Kabarettpreises. Welcher ist wichtiger für Sie?

Auf den Autorenpreis bin ich stolz, da mir meine Liedtexte sehr wichtig sind. Aber man sollte überhaupt keinen Preis überbewerten. Wichtig ist es doch, dass die Zuschauer mögen, was man auf der Bühne macht, und nicht irgendeine selbst ernannte Jury.


Was erwartet Ihrer Beschreibung nach die Bonndorfer Zuschauer?

Viel schwarzer Humor, lustige Reime, Melodien zum Mitschunkeln und Anfang März eine definitiv sichtbar schwangere Frau, die sich über Erziehungsmethoden lustig macht. Das kann doch nur gut werden!


Fragen: Gudrun Deinzer


Zur Person

Sarah Hakenberg wurde, so schreibt sie selbst, 1978 während des Karnevals gezeugt. Aufgewachsen ist sie in Oberbayern und möchte nach dem Abitur gerne Schauspielerin werden. Alternativ zu den Schauspielschulen, die sie nicht nehmen, schließt sie 2005 ihr Studium ab: Theaterwissenschaft, Philosophie und Neuere deutsche Literatur. 2014 erhält sie den Ernst Hoferichter-Preis, ein Literaturpreis, der ihr besonders am Herzen liegt, wie ihr speziell die Texte wichtig sind, 2015 den Deutschen Kabarettpreis (Nachwuchspreis). Struwwelpeter Reloaded ist ihr drittes Soloprogramm, das sie noch als "Nicht-Mutter" zu spielen begann, demnächst ist Sarah Hakenberg zweifache Mutter.