Ihren bisher wohl größten Auftritt hatten jüngst elf Jungen aus Wellendingen. Sie durften als Jugendmannschaft des „FC Wellendingen“ mit den Profis des SC Freiburg beim Heimspiel gegen den VFL Wolfsburg ins Schwarzwaldstadion einlaufen. Damit war der FC Wellendingen mal richtig berühmt, wenigstens für die paar Minuten vor dem Anpfiff.

Die Aufregung war riesig, nicht nur bei den Jungen. Ein ganzer Tross Wellendinger war mit dem Zug nach Freiburg gefahren. Wer keine Eintrittskarte mehr ergattern konnte, sah sich das Spiel am Bildschirm an. Die Wellendinger Jungen hatten doppelt Glück. Nicht nur, dass ihre Bewerbung überhaupt Berücksichtigung fand, sondern auch, dass sie tatsächlich mit der Heimmannschaft einlaufen durften. Das entscheidet nämlich das Zufallsprinzip.

Vereinzelt lagen bei den Kickern allerdings die Nerven blank, als sie das Stadionrund mit mehr als 25.000 Fans vor sich sahen und der Stadionsprecher sie als Vertreter des FC Wellendingen ankündigte. Einer habe gar vor Aufregung geweint, sei aber vom Spieler, den er begleiten durfte, liebevoll beruhigt worden. Überhaupt seien die Profis vom Sportclub nett zu den Jungen gewesen und hätten mit ihnen geplaudert, berichtet ein Vater, der die Mannschaft begleitete.

Nun mag sich im Raum Bonndorf manch einer wundern, wo so plötzlich Wellendinger Fußballnachwuchs herkommt. Denn im Wesentlichen macht der dortige Sportverein allenfalls im Zusammenhang mit Grümpelturnieren und Vereinsfesten von sich reden. Die Wellendinger halten es tatsächlich mehr mit der Blasmusik als mit Fußball, räumt besagter Vater auch ein.

Gleichwohl treffen sich dort seit einigen Jahren zwischen 15 und 20 Jungen allwöchentlich zum „Training“ mit ihrem „Trainer“ Hermann Giesecke. Bei gutem Wetter wird auf dem Sportplatz gebolzt, bei schlechtem Wetter lädt Giesecke die Jungs zu Wurstsalat oder Spaghetti ein. Viel Ahnung von Fußball haben die Jungs also nicht, abgesehen von einzelnen Ausnahmen. Einer der Jungen habe die Frage von Torwart Alexander Schwolow, auf welcher Position er denn kicke, denn auch mit „überall“ beantwortet.

Es muss wohl an der originellen Bewerbung gelegen haben, dass die Wellendinger ausgewählt wurden. „Als Dorf im tiefen Schwarzwald mit einer Wiese und zwei Toren“ bewarben sie sich. Ihr „Clubheim“ hätten sie sich selbst gebaut, mit Brettern, Nägeln und viel Spaß. Und ihr größter Wunsch sei es, einmal auf einem richtigen Fußballplatz oder sogar in einem Stadion zu sein. Diese Wunsch wurde nun erfüllt. Es gab einen kompletten Trikotsatz für jeden der elf Jungen, freien Eintritt und weitere neun Eintrittskarten für Begleitpersonen. Dass der Sportclub seinen Gegner mit 1:0 besiegte, setzte dem Stadionausflug das Sahnehäubchen auf, aber eigentlich nur am Rande.

Das historische Ereignis für den örtlichen Fußballnachwuchs wurde in erster Linie gefeiert. Die Verantwortlichen des Sportvereins Wellendingen jedenfalls danken den Jungs diesen Popularitätsschub mit der Ausrichtung ihrer diesjährigen Weihnachtsfeier. Vielleicht wird ja nun aus manch einem Wellendinger Musiker doch noch ein Fan des einmal mehr so sympathischen Sportclubs.