Bonndorf In einem grenzüberschreitenden Fußballturnier treffen Geflüchtete und Mormonen aufeinander

Geflüchtete, die in Bonndorf eine neue Heimat gefunden haben, treffen bei einem Fußballspiel auf Schweizer Mormonen. Das Verbindende steht beim Turnier im Vordergrund.

Es war ein Fußballspiel der besonderen Art. Die Sprachfetzen aus den verschiedenen Lagern am Spielfeldrand drangen mal in Schytzer Dütsch, mal in Arabisch ans Ohr. Dazwischen verständigte man sich auf Deutsch in verschiedenen Klangfarben: Die Freunde des Friedens, Bonndorfer Verein, in dem sich vor allem Geflüchtete engagieren, trafen auf Schweizer Christen, Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, kurz: Mormonen.

"Unser Thema an Pfingsten war: Deines nächsten Hilfe sein", erläutert Seraina Füglistaler, von den jungen Erwachsenen Mormonen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Sie hatte sich an die Stadt Bonndorf gewandt, um eine sportliche Begegnung mit Geflüchteten zu organisieren. Von Hauptamtsleiter Harald Heini kam der entscheidende Tipp. Während die Hälfte der Mormonen aus allen Teilen der Schweiz in der Begegnungsstätte Steinabad an Babymützchen strickte, stellte sich die andere im Bonndorfer Waldstadion den Freunden des Friedens.

"Ich habe mich schon über die erste E-Mail, die zurückkam, sehr gefreut", meint Seraina Füglistaler. Um so schöner sei dann die Begegnung vor der Partie gewesen. "Es war gleich eine Supersimmung und eher ein Miteinander als Konkurrenz." Glaubensfragen wurden nicht erörtert. Das reine Treffen, das Gefühl füreinander, stand im Vordergrund. "Wir haben kein Problem mit den Menschen muslimischen Glaubens. Sie leben und handeln nach ihren Überzeugungen und davor haben wir Respekt", sagt Seraina Füglistaler. Überhaupt solle man sich mehr auf die Gemeinsamkeiten als auf die Unterschiede besinnen.

Während sich die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage gezielt eine Begegnung mit Geflüchteten, die eben vornehmlich einer ganz anderen Glaubensgemeinschaft angehören, gesucht hatten, freuten sich die Freunde des Friedens vor allem an dem Interesse: "Wir haben jetzt immer mehr Spiele und sportliche Ereignisse, an denen wir teilnehmen", sagt der Vorsitzende des Bonndorfer Vereins, Hamada Bitar. Wenige der Geflüchteten sind bisher in den hiesigen Sportvereinen gelandet. "Wir haben zwei Mitspieler in unseren Mannschaften, die sehr gut sind", freute sich der TuS-Vorsitzende Norbert Plum nach der Spielbegegnung, mehr würde er gerne aufnehmen. Für Hamada Bitar macht der eigene Verein allerdings auch in sportlicher Hinsicht Sinn: "Ich habe den Freunden des Friedens gesagt, wenn ihr in einem Deutschen Verein spielen wollt, müsst ihr auch das Training besuchen. Das kennen die meisten aus ihrer Heimat nicht. Die wollen nur spielen."

So war bei den Bonndorfer Friedensfreunden die Freude auch groß, als der Toreabstand zu den Schweizer Gästen sich immer mehr zu ihren Gunsten verschob und bei einem 9:3 seinen Endstand fand. "Die Begegnung macht Spaß und es ist auch toll, dass wir inzwischen so eine gute Mannschaft zusammen haben", meint zum Spielende Shehab Alnawyah, den die Schweizer Freunde ganz selbstverständlich als Schiedsrichter akzeptiert hatten.

Die Mitspieler

  • Die Schweizer Gäste:Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage werden den Mormonen zugerechnet. Gegründet wurden sie 1830 in New York, Hauptsitz ist heute in Salt Lake City. Der Bundestag stufte sie als "neue religiöse Bewegung" ein. Interkonfessionelle Toleranz ist eines ihrer Ziele.
  • Die Bonndorfer: Der Verein Freunde des Friedens war entstanden auf Initiative von Hamada Bitar. Der Aus Syrien stammende Bonndorfer war nach seiner Flucht im Dezember 2014 hier angekommen. Der Verein hat 70 Mitglieder, beteiligte sich am Weihnachtsmarkt, war beim Schluchseelauf erfolgreich, spielt das nächste Fußballturnier am 18. Juni ab 10 Uhr in Lausheim.

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