Herr Schneider, was veranlasste Sie dazu, in Zukunft klassische Eucharistiefeiern regelmäßig durch Wort-Gottes-Feiern zu ersetzen?

Die Entscheidung wurde gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat getroffen. Der Priestermangel ist ein Grund. Pfarrer Eckart Kopp ist nach wie vor krankgeschrieben, ich bin also momentan der einzige Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach. Auch möchte ich Pfarrer Herz aus Waldshut mit seinen 80 Jahren nicht überstrapazieren. Also mussten wir die Gottesdienste neu planen.

Wie sieht das konkret aus?

Die Gottesdienstzeiten wurden geändert. Es gibt sonntags verlässlich in Ewattingen um 9 Uhr, in Bonndorf um 10.30 einen Gottesdienst, meist in Form einer Eucharistiefeier. Alle drei bis fünf Wochen wird das eine Wort-Gottes-Feier sein, damit auch die übrigen neun Gemeinden nicht zu kurz kommen. Die Vorabendmessen samstags bleiben den Ortsteilen vorbehalten. Natürlich wird in den größeren Orten wie Wellendingen, Gündelwangen oder Dillendorf häufiger eine Messe gefeiert, als in kleineren. Andererseits darf auch eine Gemeinde wie Wittlekofen mit phänomenal guten Gottesdienstbesuchen nicht zu kurz kommen. Jeder Ortsteil soll mindestens zweimal pro Jahr am Sonntag eine Eucharistiefeier haben. Die Gottesdienstzeiten müssen verlässlich sein, sonst zerstört man die Gemeinden.

Fabian Schneider ist derzeit der einzige Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach.
Fabian Schneider ist derzeit der einzige Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach. | Bild: Martha Weishaar

Wie sieht es mit der Unterstützung durch eine Gemeindereferentin aus?

Die Stelle ist nach wie vor ausgeschrieben, doch bisher hat sich noch niemand darauf gemeldet. In der Hinsicht ist also keine Unterstützung in Sicht.

Haben sie bereits Reaktionen aus der Gemeinde auf die Neuerung erhalten?

Nein. Die Gemeindemitglieder waren sich längst darüber im Klaren, dass das irgendwann kommen würde. Ich will aber ausdrücklich betonen, dass die Wort-Gottes-Feiern keine Gottesdienste zweiter Klasse sind. Auch die Eucharistiefeier beinhaltet einen Wortgottesdienst und keiner käme auf die Idee, zu sagen, er wolle nur an der Eucharistie teilnehmen. Die Wort-Gottes-Feier geht entlang der Liturgie, Rituale werden beibehalten. Es gibt sehr viel Wiedererkennung. Die intensivere Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes könnte sogar neue Räume eröffnen. Diese Art Gottesdienst hat einen eigenen Wert, den man nicht unterschätzen sollte.

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Finden sich genügend Laien bereit, die Wortgottesdienste zu gestalten?

Etwa zehn motivierte Personen aus der Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach haben sich allein aufgrund eines Aufrufs im Pfarrblatt dazu bereiterklärt, überwiegend Lektoren oder Messmer. Das hat mich überrascht und freut mich sehr. Ich freue mich natürlich auch über weitere Freiwillige, die sich jederzeit bei mir melden können. Der Kreis ist bewusst offen gehalten. Vielleicht findet dadurch der eine oder andere sogar wieder einen Einstieg in das kirchliche Gemeindeleben.

Braucht es eine spezielle Vorkenntnis dafür?

Es gibt eine spezielle Ausbildung durch die Diözese, die allerdings ziemlich zeitaufwändig ist. An deren Ende steht die Beauftragung durch den Erzbischof. Das ist allerdings nicht zwingend. Man sollte getauft und gefirmt sowie Mitglied der Kirche sein, ein Glaubensleben führen und die Bereitschaft haben, sich einzubringen. Für die Vorbereitung steht schließlich eine Fülle guten Materials zur Verfügung, das auch Freiraum für eigene Gestaltungsmöglichkeiten lässt. Ich sehe es als Chance und neues pastorales Instrument.

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Inzwischen ist die Rede davon, dass es in der Erzdiözese nur noch 40 Pfarreien geben wird. Wie könnten sich diese Pläne auf Bonndorf und Wutach auswirken?

Es gibt derzeit drei Überlegungen. Eine ist, dass unsere Pfarrei künftig dem Gebiet des jetzigen Dekanats Waldshut entspricht, eine weitere, dass die östliche Hälfte dieses Gebietes zu einer Pfarrei zusammengefasst wird. Eine weitere ist, Bonndorf und Wutach der Pfarrei Neustadt anzuschließen.

Müssen die hiesigen Katholiken kurzfristig mit weiteren Neuerungen rechnen?

Gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat steht die Überlegung an, eine oder einen Ehrenamtskoordinator zu beauftragen, der die zunehmenden Aufgaben der Laien organisiert. Auch könnte man projektbezogen, etwa für die Vorbereitung zur Erstkommunion, Gemeindemitglieder einstellen.

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Können die Katholiken der Seelsorgeeinheit auch künftig damit rechnen, von einem Priester beerdigt zu werden?

Beerdigungen mit einem Priester haben hier noch Tradition. Es geht um einen Gottesdienst für das jeweils verstorbene Gemeindemitglied, das womöglich sein Leben lang regelmäßig zur Kirche ging. Dafür soll ich als Pfarrer keine Zeit haben? Lieber verzichte ich auf eine andere Messe.

Erlauben Sie mir abschließend noch eine sehr persönliche Frage. Wie viele Stunden pro Woche sind Sie im Dienst?

Ich schreibe die Stunden nicht auf. Es sind mindestens so viele, wie Messfeiern im Pfarrblatt stehen. Dazu kommen Taufen, Trauungen oder Beerdigungen, die ich natürlich alle gut vorbereiten möchte. Neben den Gottesdiensten nimmt auch die Verwaltung und ganz allgemein die Organisation der Seelsorgeeinheit viel Raum ein, und ich bemühe mich, die Ehrenamtlichen angemessen zu begleiten sowie ausreichend Zeit für seelsorgliche Gespräche zu haben. Da ich auch regelmäßig Abendtermine habe, versuche ich, mich in der Mittagspause ein wenig zu erholen. Und dann habe ich ja auch noch einen freien Tag in der Woche. Das ist der Montag.