Der neue Forsttechnische Hauptstützpunkt im Bonndorfer Gewerbegebiet Im Breitenfeld wird als einer von sieben Stützpunkten einer der modernsten des Landesbetriebs ForstBW sein. Mit rund 2,43 Millionen Euro investierte das Land in Infrastruktur, die nicht nur dem Staatswald und der Forschung, sondern auch Kommunal- und Privatwaldbesitzern zugutekommen wird.

Angebotsspektrum wird erweitert

Die beiden Gebäude mit Grundflächen von 555 und 220 Quadratmetern lösen das ehemalige Gebäude in der Allmendstraße funktional ab und erweitern das Angebotsspektrum um ein Vielfaches. Auf dem 8000 Quadratmeter großen Gelände werden Aus- und Fortbildung und die Unterstützung des forstlichen Versuchswesens in der Region gebündelt.

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Bonndorf sei als Standort vor allem auch wegen der naturräumlichen Gebietsabdeckung sowie einem großen Staatswaldanteil prädestiniert, erläuterte Friedbert Zapf, der bis Ende Juni das Staatswaldgebiet in der Region betreute, nunmehr in Pension ist, und über Jahre hinweg das Projekt begleitete.

Projekt droht 2017 das Aus

Der bisherige Standort in der Allmendstraße war 1978 in Betrieb genommen worden. 2005 scheiterten Pläne eines Neubaus an der damaligen Forstreform, die die Forstämter der Sonderbehörde Forstverwaltung als Kreisforstämter in die Landratsämter eingliederte. 2017 schien der Neubau des Forsttechnischen Hauptstützpunktes Bonndorf durch die Forstkartellklage und die Neuausrichtung des Landesbetriebs Forst BW auf Messers Schneide zu stehen. Nach vier beunruhigenden Wochen habe das zuständige Stuttgarter Ministerium jedoch grünes Licht gegeben, erinnert sich Friedbert Zapf.

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Leiter des Hauptstützpunktes ist Rainer Epple, der auch das 1200  Hektar große Forstrevier Sommerau führt. Ihm zur Seite steht Felix Ehret als Unterstützungsbeamter. Bernhard Amann (Fortbildung und Motorsägelehrgänge), Lothar Kalinasch (Fortbildung), Werner Metzler und Dietmar Schwarz (jeweils Ausbildung) stehen als Forstwirtschaftsmeister zur Verfügung. Den Forstspezialschlepper des Stützpunktes bedienen zwei Forstwirte, drei weitere sind für den motor-manuellen Einsatz im Wald vorgesehen.

Das sind die Aufgaben

Aus- und Fortbildung, interne und externe Schulungen, Unterstützung des forstlichen Versuchswesens, Wald- und Naturschutz, Waldpädagogik sowie die Koordinierung des Maschineneinsatzes sind Kernaufgaben des Hauptstützpunktes. Im dreijährigen Ausbildungsgang zum Forstwirt können bis zu einem Dutzend junger Menschen ausgebildet werden. Zunehmend auch Frauen seien an dem Berufsbild interessiert, so Friedbert Zapf. Fortgebildet werden Revierleiter sowie staatliche und kommunale Forstwirte.

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Es geht auch um neue Arbeitsverfahren von der Waldpflege über Holzernte bis hin zu EDV-Verfahren zur Erfassung der eingeschlagenen Holzmengen. Externe Schulungen werden für Privatwaldbesitzer angeboten. Auch Motorsägenlehrgänge für diejenigen, die in ihrer Freizeit Brennholz aufarbeiten, werden aufgelegt. Nachfrage nach Motorsägenkenntnissen sei aus Feuerwehren (mehr als 100 Personen pro Jahr), dem Technischen Hilfswerk (an die 100 Personen pro Jahr) und den kommunalen Bauhöfen zu verzeichnen.

Vernetzung mit anderen Institutionen

Der Hauptstützpunkt bringt sich im forstlichen Versuchswesen durch das Testen von Einsätzen technisch-mechanischer Verfahren im Wald ein. Zudem besteht eine Kooperation mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg. Der Wald-Naturschutz spiegelt sich wider in ökologischen Fortbildungstagen, aber auch in handfesten Einsätzen in der Wutachschlucht – der Wiesenpflege, der Gehölzpflege bei Bad Boll oder auch durch Freistellen von Felsen für den Besatz an Wanderfalke und Uhu.

Heimatpflege und Waldpädagogik

Im Revier Sommerau stehe die Habitatpflege für das Auerhuhn im Fokus. Stolz zeigt sich Friedbert Zapf auf die Waldpädagogik, mit der man in Zusammenarbeit mit der „Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum, Schule Günterstal“ tolle Erfolge habe erzielen können.

225 Kubikmeter Holz verbaut

Rund 225 Kubikmeter Holz wurden am Forsttechnischen Hauptstützpunkt Bonndorf verbaut – 85 Kubikmeter für die Tragkonstruktion der Außen- und Innenwände (100 Millimeter Fichte Brettsperrholz 5-fach verleimt); 30 Kubikmeter Fichten-Bauholz für Holzständer/Dämmebene der Außenwände und Wandkonstruktion; 70 Kubikmeter Fichtenbauholz für Decken der Haupt- und Nebengebäude, Unterzüge, Pfosten und Randträger; 40 Kubikmeter Weißtanne für die Außenfassade. Konstruktionsplanung und Ausführung erfolgte durch HolzHaus Bonndorf.

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Noch positiver gestaltet wird die ökologische Bilanz durch den Heizungsanschluss des Hauptstützpunktes an die Hackschnitzelanlage der benachbarten Müller Landmaschinen GmbH. Eine rund zehn Quadratmeter große thermische Solaranlage versorgt im Sommer mit Warmwasser, eine 30 Kilowatt-Peak Fotovoltaikanlage erzeugt Strom. Zukunftsmusik ist, dass dieser Strom selbst genutzt wird. Das Gebäude ist zertifiziert für „Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude“ (BNB).

Der Forsttechnische Hauptstützpunkt wird am Freitag, 19. Juli, ab 10 Uhr eingeweiht. Ab 15 Uhr folgt ein Tag der offenen Tür.