Beim Herbstfest des HGV Bonndorf hat auch der Kleiderkreisel des DRK geöffnet. Bei der Gelegenheit stellt die Initiative ihre neuen Räumlichkeiten vor. Bereits zum Jahresbeginn erfolgte der Umzug in das Ladengeschäft beim Gasthof „Sonntag“ in der Schlossstraße 2. Dort wird die Second-Hand-Ware nun übersichtlich und ebenso ansprechend präsentiert. Bis der Kleiderkreisel allerdings in der jetzigen Form eingerichtet war, leisteten alle Mitwirkenden ein immenses Arbeitspensum.

<strong>Mit Größen:</strong> Übersichtlich ist die Auslage dieser Jacken auf Bügeln mit Größenkennzeichnungen. Bilder: Martha Weishaar
Mit Größen: Übersichtlich ist die Auslage dieser Jacken auf Bügeln mit Größenkennzeichnungen. | Bild: Martha Weishaar

Mehr als 500 Stunden stemmte ein Dutzend engagierter Frauen allein im ersten Halbjahr. Der Umzug brachte nämlich nicht nur viele Vorteile mit sich, er war auch mit einem enormen Aufwand verbunden. Regale, Ladentische, Schränke und weiteres Equipment mussten so kostengünstig wie möglich besorgt und installiert werden. Man hatte Glück. Brigitte und Fritz Scheuble spendeten etliche Einrichtungsgegenstände, nachdem sie ihre Geschäftsräume des „Bonndorfer Blättle“ aufgegeben hatten. Im Internet und über Kleinanzeigen stieß man auf weitere Schnäppchen und Gratisangebote.

<strong>Mit Spaß:</strong> Sophia und Amelie helfen den Frauen im Kleiderkreisel gerne, die Zwölfjährigen haben Spaß daran.
Mit Spaß: Sophia und Amelie helfen den Frauen im Kleiderkreisel gerne, die Zwölfjährigen haben Spaß daran. | Bild: Martha Weishaar

Auf diese Weise kam man zu Schränken, Kleiderständern, Vitrinen, einer Umkleidekabine sowie Regalen. Einige der Helferinnen steuerten aus ihrem privaten Umfeld Mobiliar oder Teppiche bei. Am urigen Wirtshaustisch können Kunden nun bei einer Tasse Kaffee verweilen, wenn der Andrang zu stark ist. So kam im Verlauf der Monate ein ansehnliches Interieur zusammen. Sogar Größenkennzeichnungen wurden bei einer Geschäftsauflösung aufgetrieben. Derart überschaubar gekennzeichnet, lässt sich im Kleiderkreisel beinahe stöbern, als wäre man in einer Boutique.

Auch Markenkleidung im Angebot

Ähnlich bunt ist auch das Angebot. Oberbekleidung für Männer, Frauen und Kinder in allen Größen finden sich ebenso wie passende Schuhe. Selbst modische Accessoires, wie Handtaschen, Schirme, Gürtel oder Schmuck sind im Angebot. Mit etwas Glück findet man Markenkleidung namhafter Hersteller, sogar echte Leder- und Pelzjacken. Auch Rucksack oder Schulranzen fürs Kind sowie zwei Einräder warten auf neue Besitzer und wer genau hinsieht, entdeckt sogar mal ein Kuscheltier. Tisch- und Bettwäsche sowie Handtücher runden die illustre Angebotspalette ab.

Spenden ermöglichen Vielfalt

Um all das offerieren zu können, braucht es freilich großzügige Spender. „Wir freuen uns über jede Spende für den Kleiderkreisel. Darunter sind wirklich viele erstklassige Teile. Nur so können wir diese Vielfalt anbieten“, sagen Stefanie Schwenninger und Diana Duttlinger, die den Kreisel organisieren. Gelegentlich hängen sogar noch Preisschilder an den abgegebenen Sachen. Hier wird also kein Ramsch angeboten, sondern ausschließlich gut erhaltene, zeitgemäße Kleidung für jedes Alter und jede Jahreszeit.

<strong>Mit Vorhang:</strong> Sogar eine Umkleidekabine gibt es neuerdings. Michaela Koliska nutzt diese für die Anprobe ihres Dirndls.
Mit Vorhang: Sogar eine Umkleidekabine gibt es neuerdings. Michaela Koliska nutzt diese für die Anprobe ihres Dirndls. | Bild: Martha Weishaar

Da der Modegeschmack der Menschen verschieden ist, legt man Wert auf ein breites Angebot. Die einen suchen nach Jeans, andere nach schicker Garderobe, manche mögen es zeitlos klassisch, andere bevorzugen eher modische Trends. Man versucht, allen gerecht zu werden. Das gelingt am besten im direkten Kontakt zu den Kunden. „Wenn wir wissen, was genau unsere Kunden wollen, können wir bereits beim Sichten der Ware auf ihre Wünsche eingehen“, verrät Michaela Koliska. Gleichwohl hat Diskretion bei all den Helferinnen oberste Priorität. Weder wird darüber gesprochen, wer spendet, noch darüber, wer einkauft. An Damenbekleidung herrscht kein Mangel. Anders verhält sich das bei Herrenbekleidung, vor allem an schlanken Größen für jüngere Männer fehlt es.

Genügend Platz für die Ware

Am meisten freuen sich die Mitstreiterinnen momentan über die angenehmen Arbeitsbedingungen in ihrem neuen Domizil, wo endlich genug Platz ist, all die Ware auszubreiten, zu sortieren und übersichtlich für die nächste Jahreszeit einzulagern.

<strong>Mit Übersicht:</strong> Stefanie Schwenninger organisierte die Größenkennzeichnungen.
Mit Übersicht: Stefanie Schwenninger organisierte die Größenkennzeichnungen. | Bild: Martha Weishaar

Kunden kommen auch aus dem Umkreis

Der gute Ruf des Kleiderkreisels hat sich in den zurückliegenden zwei Jahren gefestigt, der Kundenkreis auf umliegende Orte ausgedehnt. Manch eine der Helferinnen hat ganz nebenbei ihr eigenes Konsumverhalten geändert und angesichts der Fülle bestens erhaltener Kleidung schon gar keine Lust mehr, was Neues zum Anziehen zu kaufen. Denn den Frauen geht es nicht nur darum, dass Menschen sich für einen sehr geringen Obolus einkleiden können. Ihnen geht es auch um Nachhaltigkeit und kritischen Blick auf den Ressourcenverbrauch. Verdienen wollen sie damit im Übrigen nichts. Die Einnahmen decken kaum die Kosten der Ladenmiete, auch wenn die sehr moderat ist.