„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.“ Das wusste der bekannte Dichter Matthias Claudius schon vor mehr als 200 Jahren und daran hat sich bis heute wenig geändert. Die Sommerferien sind Anlass, in lockererer Reihenfolge einige Leser erzählen zu lassen, was sie auf Reisen erlebten, was bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Christine und Stefan Tröndle haben schon viel von der Welt gesehen. Vor vier Jahren jedoch überwältigte sie in Tansania eine unglaubliche Fülle atemberaubend schöner Landschaften und exotischer Tiere. Das toppte alles zuvor erlebte. Die Tröndles organisierten ihre Rundreise gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar. Obwohl sich ja die meisten Touristen in Afrika lieber der Rundum-Organisation eines Reiseveranstalters anvertrauen. Ihr aus Münchingen stammender Freund verbrachte aus beruflichen Gründen eine längere Zeit in Tansania, also konnte man auf Basis dessen profunden Insiderwissens die Reise getrost selbst planen.

Christine und Stefan Tröndle haben schon viel von der Welt gesehen. Spannende und unvergessliche Abenteuer erlebten die beiden in Tansania. Bild: Martha Weishaar
Christine und Stefan Tröndle haben schon viel von der Welt gesehen. Spannende und unvergessliche Abenteuer erlebten die beiden in Tansania. Bild: Martha Weishaar | Bild: Weishaar

Eine Herausforderung ganz besonderer Art meisterte Stefan Tröndle derweil am Steuer eines Mietwagens. Dass ein „Weißer“ seinen Mietwagen selbst fährt, ist in Tansania mehr als ungewöhnlich. Üblicherweise mieten Touristen ein Auto mitsamt Fahrer. Zum einen verunsichert der Linksverkehr viele, zum andern verlangen die teilweise kurvenreichen, steilen Schotterpisten beträchtliches fahrerisches Können ab. Stephan Tröndle setzte sich ungeachtet dessen ans Steuer, auch bei den Ausflügen in die berühmten Nationalparks. Schon als die Reisegruppe die Lizenz für den Besuch des Ngorongoro-Kraters holen wollte, stieß sie auf unerklärliche Schwierigkeiten. Die Bezahlung gestaltete sich äußerst kompliziert und schien eine Zeitlang überhaupt nicht zu klappen. Dazu muss man wissen, dass die Bestimmungen für den Besuch des Ngorongoro-Kraters außerordentlich streng sind. Früh am Morgen muss man bereits bestimmte Gates passieren und am frühen Abend den Park wieder rechtzeitig verlassen. Die strengen Regeln sollen wohl Wilderern Einhalt gebieten.

Autofahren auf Schotterpisten

„Es war spannend, auf den Schotterpisten die Serpentinen hoch- und anschließend in den Krater rein zu fahren“, erzählt Stefan Tröndle. Die Fahrer all der anderen Fahrzeuge hätten ihn immer sehr freundlich gegrüßt – bis sie erkannten, dass ein Weißer am Steuer sitzt. Da habe die Stimmung unvermittelt umgeschlagen. „Ich habe schon bald gemerkt, dass da was nicht stimmt. Am Ende dachte ich mir, dass die Einheimischen wahrscheinlich nicht mögen, wenn man selbst fährt, weil Fahrdienste für sie eine wichtige Einnahmequelle sind“, mutmaßt er.

Nerven wie Drahtseile gefragt

Das Kurvenfahren auf engen, unbefestigten Straßen machte dem routinierten Schwarzwälder nichts aus. Gefordert waren seine Fahrkünste allerdings in Stone-Town, dem ältesten Stadtteil von Sansibar-Stadt. Er habe zwar nirgendwo ein Schild gesehen, sei aber angeblich verkehrt in eine Einbahnstraße eingefahren. Der erste entgegenkommende Fahrer zeigte jedenfalls keinerlei Kompromissbereitschaft, wahrscheinlich spielte auch da die Hautfarbe eine Rolle. Also musste Stephan Tröndle den ganzen Weg rückwärts durch die extrem engen und kurvigen Gassen fahren. „Wir waren alle froh, dass wir nicht am Steuer saßen. Es war so eng, dass die Fußgänger sich in die Hauseingänge drücken mussten, damit wir überhaupt vorbei kamen“, schildert Christine Tröndle die Situation. Ihr Mann sagt derweil von sich, er habe Nerven wie Drahtseile. Aufgeregt habe ihn das nicht.

Schöne Eindrücke überwiegen

Trotz Hotels, die nicht immer gewohnten Standards entsprachen, einer Wanze im Wein, Problemen bei der Bargeldbeschaffung oder dem Biss eines Affen in den Unterarm des Freundes – für Christine und Stephan Tröndle überwiegen die schönen Eindrücke dieser Reise. Beide wollen unabhängig sein, Neues entdecken und auch mal kulinarisch ein Abenteuer wagen, wenn sie reisen. Das praktizierten sie auch schon mehrfach bei Familienurlauben mit dem Wohnwagen, sei dies in Rumänien, Albanien oder Mazedonien.

Auch ihr nächstes Ziel klingt vielversprechend: Im Herbst reisen die Tröndles nach Vietnam.