Gemeinsam für mehr Artenvielfalt: Unter diesem Motto hatten engagierte Landwirte aus dem Raum Stühlingen, Bonndorf und Wutach im Frühjahr das Projekt Blühpatenschaften gestartet. „Es war ein Versuch und die Resonanz darauf war überwältigend“, sagte der Vorsitzende des BLHV Stühlingen, Wilfried Kaiser, auf dessen Initiative das Projekt in der Region angestoßen wurde.

Wilfried Kaiser (links) überreicht den Blühpaten an einer Blühfläche bei Brunnadern die Patenschaftsurkunden. B
Wilfried Kaiser (links) überreicht den Blühpaten an einer Blühfläche bei Brunnadern die Patenschaftsurkunden. B | Bild: Juliane Kühnemund

19 Personen und Gruppen haben Interesse signalisiert, eine Patenschaft für eine Blühfläche zu übernehmen. Nachdem es auf den Flächen mittlerweile blüht, summt und brummt, überreichte Wilfried Kaiser den Paten die Patenschaftsurkunden – an einer Blühfläche bei Brunnadern. „Wir Landwirte wollen unseren Beitrag zur ökologischen Vielfalt leisten“, informierte Kaiser, der selbst 15 000 Quadratmeter seiner eigenen Flächen mit einer Blühmischung eingesät hat. Die Hälfte davon sei von Paten übernommen worden, freute sich der Wangener.

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Was kann man sich unter einer solchen Blühpatenschaft vorstellen? Der Landwirt stellt einen Teil seiner Ackerfläche (maximal zehn Prozent der Bruttofläche) einem Interessenten zur Verfügung und sät diese ein mit einer Blühpflanzenmischung. Für diese Fläche übernimmt der Interessent die Patenschaft. Das Areal steht dem Paten das ganze Jahr über zur Verfügung, es wird nicht mehr anderweitig genutzt, es wird komplett auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger verzichtet. Die Blumen dienen als Lebensraum zur Förderung der Artenvielfalt und werden nicht geerntet. Als Ausgleich für die Investition in die Blühsaatgutmischung wird ein Obolus für die Patenschaft erhoben: 20 Euro im Jahr für einen Ar Fläche.

Bienen nehmen die Blütenpracht auf den Wiesen gerne an, da spielt die Blütenfarbe keine Rolle.
Bienen nehmen die Blütenpracht auf den Wiesen gerne an, da spielt die Blütenfarbe keine Rolle. | Bild: Juliane Kühnemund

Erstaunt und erfreut war Wilfried Kaiser nicht nur über die Zahl der an einer Blühpatenschaft interessierten Personen und Gruppen, sondern auch über deren Herkunft. Offenbar haben nicht nur die Einheimischen Interesse daran, die Region lebendig und bunt zu halten und Lebensraum zu schaffen für Insekten und auch Niederwild. Patenschaften haben auch Naturfreunde aus dem Raum Freiburg und Breisach übernommen und auch ein Ehepaar aus Luxemburg, das gerne in Bonndorf Urlaub macht. „Das war für uns fast selbstverständlich, dass wir hier einen Beitrag leisten wollen, um die Natur zu erhalten“, sagten die beiden. Und dass sich auch eine Schulklasse aus dem Bonndorfer Bildungszentrum für eine Patenschaft entschieden hat, freute Wilfried Kaiser enorm.

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Wie der Stühlinger BLHV-Chef weiter informierte, habe er witterungsbedingt die Blühflächen erst Anfang Mai eingesät, „im Frühjahr war es noch zu kalt“. Die Blühmischung hat Wilfried Kaiser selbst zusammengestellt, unter anderem hat er Malven, Ringelblumen, Kornblumen, Sonnenblumen, Borretsch, Dill, Ölrettich und mehr eingesät. „Mir war es wichtig, dass die Pflanzen zu verschiedenen Zeiten blühen, um den Insekten möglichst lange eine bunte Nahrungsquelle anbieten zu können“, so Kaiser.

Es summt und brummt auf den Feldern

Bei der Übergabe der Patenschaftsurkunden hatten zahlreiche Pflanzen bereits ihre Blütenpracht entwickelt. Bienen, Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge hatten diese bereits in Beschlag genommen. Es summt und brummt also auf diesen Blühstreifen, die neben ihrer ökologischen Bedeutung auch optisch ein Hingucker sind.

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Die meisten der Blühstreifenpaten haben signalisiert, dass sie im nächsten Jahr wieder mit dabei sind. Interessenten an einer Patenschaft sollten sich bis Herbst bei Wilfried Kaiser melden. Kaiser bedankte sich bei allen, die sich für die Artenvielfalt einsetzen und gab bekannt, dass im Badischen rund 12 000 Hektar Fläche als Blühstreifen eingesät wurden. „Das kann sich doch sehen lassen“, freute sich der Initiator.