Fassungslos umrundet die Rektorin der Grund- Förder- und der Werkrealschule, Birgitta Stephan, am Samstagmittag das Schulzentrum. "Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, die Botschaft löst Entsetzen aus. Es mischt sich alles, Clown, das Hakenkreuz und ganz offensichtlich Hass auf die Schule und auf Lehrer", sagt sie. Über Nacht hatte jemand Fassade, Fenster, auch die Rahmen mit Schmierereien verunziert. Die Polizei ist gerade abgezogen, da steht Hausmeister Franz Schlachter schon an der Scheibe und kratzt die Hakenkreuze ab. "So etwas in diesem Ausmaß habe ich hier noch nie erlebt", sagt er.

Birgitta Stephan wird begleitet von einem Schüler. Mit ernstem Gesicht deutet er auf einen Schriftzug. "Da hat jemand meinen Namen hingeschrieben, das ist eine Unverschämtheit", so Matthias Heinen aus der siebten Klasse der Werkrealschule. Passanten reagieren mit Kopfschütteln, einer fragt, "Zeigen Sie das an?" Die Rektorin antwortet: "Natürlich, das ist kein Spaß mehr."

Die Widersprüchlichkeit der Aussagen bringen die Rektorin ins Grübeln. Auf der einen Scheibe steht "Hitler" auf der anderen "Heil", auf einer ist ein Hakenkreuz, das Symbol für menschenverachtenden Völkermord, zwei Scheiben weiter ist das Peace-Zeichen mit dem passenden Schriftzug darunter. "Das ist unreflektiert und spricht für Gewaltbereitschaft, mindestens in Worten und durch Sachbeschädigung", meint Stephan. Aggression sprechen auch aus dem Schriftzug ACAB (All cops are bastards) und der Drohung "U will die here" (Du wirst hier sterben). "Die Penisse deuten auf pubertäres Verhalten hin, aber was machen Jugendliche in dem Alter nachts auf der Straße?" fragt Birgitta Stephan und bekommt natürlich zunächst keine Antwort.

Franz Schlachter war schon am Morgen zuerst von einer Reinigungskraft und dann von der Stadthallen-Chefin Brigitte Betz auf die großflächigen Sprühereien aufmerksam gemacht worden. "Wir konnten natürlich nichts machen, bevor die Polizei gekommen ist", erläutert Schlachter. "Das ist eine neue Dimension und ich hoffe, der Fall kann aufgeklärt werden", meint Birgitta Stephan., Einerseits dürfe jemand, der so voller Hass öffentliches Eigentum beschädigt nicht davonkommen. Andererseits, sei hier jemand am Werk gewesen, der sich auf Irrwege begibt und von diesen abgebracht werden müsse. Gemeinderat Max Nägele, der den Polizeieinsatz im Vorbeifahren miterlebt hatte, meint auf Nachfrage dieser Zeitung: "Es ist unmöglich, ich frage mich, was in den jungen Menschen vorgeht, was sie damit bezwecken wollen. Ich hoffe sehr, die Polizei macht die Täter ausfindig, und dass sie eine Strafe bekommen, an die sie sich erinnern." Und Bürgermeisterstellvertreter Ingo Bauer setzt auf Kontakt mit Jugendlichen. "Da müssen wir aktiv werden, so etwas dürfen wir hier nicht dulden."