Der Begriff „Industrie 4.0“ wird in Handwerk und Industrie seit Jahren benutzt. Gemeint ist damit eine vierte industrielle Revolution, die Verzahnung von Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik. Die erste industrielle Revolution bestand in der Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft, die zweite war die Massenfertigung von Produkten an Fließbändern und elektrische Energie. Mit der dritten industriellen Revolution ist der Einsatz von Elektronik und Informationstechnik zur Automatisierung der Produktion gemeint.

Die digitale Revolution ist längst auch auf dem flachen Land angekommen, nur gibt es hier (noch) ein paar Hürden zu überwinden. Bernhard Hegar hat sich dem Werkstoff Holz mit Leib und Seele verschrieben. Auch die in seinem Betrieb in Bonndorf geplanten Häuser sind aus diesem natürlichen Material. Selbst in dieser Branche hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten: "Eine funktionierende digitale Umwelt ist für uns essenziell", sagt Firmenchef Bernhard Hegar. Vom Personalmanagement bis hin zum verschicken der Pläne via Internet laufe vieles online. Hier sieht Hegar zwar Bemühungen zur Verbesserung der digitalen Infrastruktur, jedoch habe er auch das Gefühl, dass von Seiten der Regierung und den Telekommunikationsanbietern schlichtweg das Potenzial und die Bedeutung der Digitalisierung als harter Standortfaktor zu lange unterschätzt wurde.

Deshalb wurde er selbst initiativ und hat eine Funkleitung zu einem Nachbarbetrieb aufgebaut, die schnelles Übertragen (150 Mbit/sec) erlauben. "Die Holzbranche hat in den vergangenen 20 Jahren Veränderungen hingelegt, die aus dem angestaubten Image eine High-Tech-Branche machten", sagt Hegar und der nächste Schritt sei nur eine Frage der Zeit. Dazu brauche es aber noch schnellere Verbindungen via Glasfaser, was es im wachsenden Gewerbegebiet derzeit nicht gebe, aber von Kreis und Stadt aufgebaut werde.

"Wir sind als Firma in einem Flächenlandkreis stets darum bemüht als attraktiver Arbeitgeber aufzutreten, um auch in der Zukunft für Fach- und Führungskräfte eine Rolle spielen zu können. Hier ist für uns eine funktionierende, digitale Umwelt unersetzlich", sagt der Unternehmer. In seinen Augen ist es keine Frage "ob" sondern "wann" die Digitalisierung den nächsten und übernächsten Schritt geht.

Jeder größere Betrieb in seiner Branche beschäftige sich mit Themen wie BIM, Industrie 4.0 oder Internet der Dinge. Building Information Modeling (BIM, Deutsch: Bauwerksdatenmodellierung) beschreibt eine Methode der optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken mit Hilfe von Software. "Jetzt brauchen wir nur noch die entsprechenden Datenleitungen, um unsere Ideen effizient umsetzen zu können", sagt Bernhard Hegar.

Mit seinem Betrieb habe er eine Nische besetzt. Durch ökologisch sowie bauphysikalisch sehr hochwertige Häuser wurde ein Kundenstamm in fast 24 Jahren erarbeitet, derzurecht stolz auf seine Holzhäuser sei. Und er ist überzeugt: "Dass wir, wie der gesamte Holzbau, erst am Anfang einer stetig zunehmenden Nachfrage stehen." Die Frage die sich für stelle sei, wie man möglichst effizient vernetzte Arbeitsplätze gestalten könne. Dabei werden sich Aufgabenprofile verändern, neue Aufgaben werden hinzukommen.

"Diese Herausforderungen können wir nur im Team mit unseren Mitarbeitern meistern. Dass durch die Digitalisierung Arbeitsplätze gar wegfallen, halten wir nicht für realistisch", sagt der Unternehmer. Der Blick in andere Branchen, die beim Thema Digitalisierung schon einen Schritt weiter sind, stütze nach seiner Meinung diese Einschätzung. Der Unternehmer freut sich über volle Auftragsbücher, sieht den Standort als ideal, um überall in der Region hinzukommen. "Und hier bekomme ich gute Leute!" Derzeit sind es über 60 Mitarbeiter, die hier tätig sind.

Wandel im Rathaus

Bonndorfs Rathauschef Michael Scharf ist überzeugt: „Schnelle Datenautobahnen werden schon bald wichtiger sein als Autobahnen.“ Das Rathaus befinde sich schon mitten im digitalen Wandel, Tablet oder Smartphone habe jeder Mitarbeiter, ist so auch schnell erreichbar und kann falls nötig reagieren. „Sekretärinnen sind nicht mehr nötig, Texte werden mit einer Sprachsoftware eingegeben“, erläutert der Bürgermeister. Die Vernetzung aller Ämter und Zugriffsrechte sei aber wegen der bestehenden Rechtsvorschriften nicht einfach. Der digitale Wandel werde allerdings auch Arbeitsplätze im Rathaus kosten. Verändern soll sich auch die Kommunikation der Stadtverwaltung mit den Bürgern. Facebook und Twitter sind hier im Gespräch. „Wir müssen da sein, wo unsere Bürger sind“, erklärt Scharf dazu.