Fast die Hälfte der 320 Gündelwanger Hausbesitzer war am Mittwochabend zur Bürgerversammlung ins Foyer der Stadthalle gekommen. Gebannt lauschten sie den detaillierten Ausführungen von Bürgermeister Michael Scharf, Matthias Ketterer und Lisa Maier vom Amt für Breitband sowie Madeleine Probst, die ebenfalls zum Thema für den Aufbau des städtischen Glasfasernetzes gehört.

Welche Bedeutung das Thema für die Stadt hat, unterstrich nicht nur der Rathauschef, auch 20 Gemeinderäte unterstrichen diese durch ihre Anwesenheit. Scharf kündigte neun bis elf Bürgerversammlungen dieser Art zum Glasfasernetz an. "'s goht degege", nahm er eine Anleihe aus dem Vokabular der Narrenzunft Pflumeschlucker, diesmal meinte er aber den Aufbau des Netzes. Mehrfach betonte er: "Bonndorf ist in Sachen Internet auf der Überholspur, aber nur wenn wir genügend Vertragsabschlüsse haben, werden wir auch bauen!"

Welche Bedeutung schnelles Internet schon hat und sie in Zukunft noch haben wird, machte Matthias Ketterer deutlich: "Das Potenzial mit Glasfaser ist fast unerschöpflich. Es ist wichtig, dass die Bürger mitmachen." Mit einem Anschluss steigere man auch den Wert seiner Immobilie und die Attraktivität der Ortschaft. Bei der Schule in Gündelwangen werden Landkreis und Stadt eine Vermittlungsstelle in der Größenordnung von zwei bis drei Garagen bauen.

Details zu den Verträgen

Der Bürgermeister betonte, dass beim Aufbau des Netzes viele mit im Boot sitzen: Landkreis, der Zweckverband der Landkreisgemeinden, die Stadt und das Signal für das Netz komme aus der Schweiz. Noch in diesem Jahr werden die Arbeiten für das Ortsnetz Gündelwangen beginnen, kündigte er an. Insgesamt werden die Arbeiten in 20 Teilabschnitten vergeben. "Wir werden in den kommenden dreieinhalb Jahren Bonndorf einmal umgraben", formulierte er plastisch.

Matthias Ketterer gab zum einen Details zu den Verträgen bekannt, zum anderen nannte er konkrete Preise: Wer die Tiefbauarbeiten vom Hauptstrang zum Haus, Gebaudeeinführung und Abdichtung des Gebäudes selbst ausführt, bezahlt pauschal 99 Euro inklusive Mehrwertsteuer, wenn der Vertrag bis spätesten 1. September unterschrieben im Rathaus vorliegt. Allerdings gibt es dann keine eventuellen Gewährleistungsansprüche. Wer diese Arbeiten von der Stadt, beziehungsweise einem Unternehmen, das im Auftrag der Stadt arbeitet, ausführen lässt, bezahlt 750 Euro. Wenn der Graben länger als die vertraglich vereinbarten Meter lang ist, kommen pro laufendem Meter noch einmal 150 Euro hinzu. Ketterer versicherte, dass niemand eine Rechnung von der Stadt erhalte, bevor ein Signal auf der Leitung sei. "Ich glaube, billiger geht's nicht mehr. Schön wäre, wenn 319 der 320 Hausbesitzer in Gündelwangen einen Anschluss wollen", sagte Scharf.

Lisa Maier erläuterte die Vertragsmodalitäten. Nur Hausbesitzer, keine Mieter können Verträge abschließen. Das vorgelegte Angebot gelte bis zum 1. September nur für Gündelwangen. Die Modalitäten gelten immer vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderates und der entscheide nach der Anschlussgrad. Dabei gehe es um die Wirtschaftlichkeit beim Aufbau des Netzes.

Der Landkreis sucht mit dem Zweckverband einen Netzbetreiber. Welche Kosten für die Endnutzer entstehen, sei noch nicht klar. Vier Anbieter wurden als Beispiel aufgezeigt, die Angebote waren aber nur bedingt vergleichbar, weil unterschiedliche "Pakete" für die Kunden (mit oder ohne Handyvertrag) angeboten wurden. Neben einer einmaligen Anschlussgebühr (zwischen 760 und 150 Euro) kommt bei den vorgelegten Beispielen die monatliche Gebühr (35 bis 60 Euro) hinzu. Madeleine Probst erläuterte, wie die Anschlüsse im Haus verlegt werden. Die Verwaltung empfiehlt dafür örtliche Fachleute zu beauftragen.

Petra Kaiser, mit für den Vertrieb zuständig, verkündete, dass bereits die ersten zehn Verträge vor Beginn der Versammlung unterschrieben wurden, am Ende waren es 30 und 70 nahmen die Unterlagen mit nach Haus, heißt es aus dem Rathaus. Petra Kaiser verkündete, dass es beim 50. unterschrieben Vertrag ein Grillfest geben werde.

Martin Hosang dokumentiert den Werdegang des Netzaufbaus für die Stadt mit Videoaufzeichnungen von Versammlungen, Bauphasen und spricht mit Bürgern.

Ansprechpartner

Informationen zum Glasfasernetz, Preisen und Vertragsmodalitäten gibt es für die Bürger im Ortsteil Gündelwangen im Rathaus Bonndorf bei: Claudia Schneider und Petra Kaiser (07703/93 80 16 oder 22, Fax: 07703/93 80 50) oder Lisa Maier und Matthias Ketterer (07703/93 80 28 oder 29), Informationen auch per E-Mail (breitband@bonndorf.de).

Meinungen der Bürger

Nach der informativen Bürgerversammlung äußerten sich Gündelwanger Bürger zum Angebot der Stadt für den Anschluss an die Glasfaserverkabelung.

 

  • Alexandra Fluck, 44, stellvertretende Vorsitzende Landfrauen: „Ich finde es total toll, dass das, was uns der Bürgermeister versprochen hat, auch eingehalten wurde. Er ist an dem Thema schnelles Internet dran geblieben und wir bekommen nun ein echtes Premiumangebot. Die Veranstaltung war sehr gut organisiert. Alles war wirklich gut verständlich und wir bekommen nun das schnelle Internet, das für die Zukunft des Dorfes sehr wichtig ist.“
    Alexandra Fluck Bild: Gudrun Deinzer
    Alexandra Fluck Bild: Gudrun Deinzer | Bild: Gerald Edinger/Gudrun Deinzer
  • Hans Dudde, 71: „Ich bin überrascht, das ist wirklich ein hervorragendes Angebot, damit habe ich nicht gerechnet, dass das so günstig ist. Ich bin Hobbyfotograf und meine Frau arbeitet viel im Internet. Derzeit ist gemeinsames Arbeiten im Internet praktisch nicht möglich.“
    Hans Dudde. Bild: Gudrun Deinzer
    Hans Dudde. Bild: Gudrun Deinzer | Bild: Gerald Edinger/Gudrun Deinzer
  • Gerhard Jehle, 69: „Das ist ein sehr gutes Angebot. Nach Jahren der Bemühungen ist nun eine sehr gute Möglichkeit gefunden worden, uns wirklich mit einer Spitzenverbindung zu versorgen. Dieses Angebot ist Premiumklasse und es bedeutet wirklich den Aufbruch in die mediale Neuzeit.“
    Gerhard Jehle. Bild: Gudrun Deinzer
    Gerhard Jehle. Bild: Gudrun Deinzer | Bild: Gerald Edinger/Gudrun Deinzer
  • Sonja Gfrörer, 49, Kfz-Werkstatt und Bauschlosserei: „Für uns als Geschäftsleute ist eine schnelle Internetverbindung enorm wichtig. Ich freue mich, dass es nun vorangeht. Wenn man jeden Tag damit zu tun hat und alles über das Netz geht, ist es eine große Erleichterung. Das Angebot der Stadt ist voll in Ordnung.“
    Sonja Gfrörer. Bild: Gudrun Deinzer
    Sonja Gfrörer. Bild: Gudrun Deinzer | Bild: Gerald Edinger/Gudrun Deinzer
  • Winfried Grohmann, Allgemein- und Rettungsmediziner: „Das Angebot ist gut und notwendig. Das Erschließen der Fläche mit schnellem Internet ist Grundvoraussetzung für Ortsentwicklungen. Sonst produzieren wir nur noch Schlafburgen und jeder Industriebetrieb wandert ab. Das kann keiner wollen.“
    Winfried Grohmann. Bild: Gudrun Deinzer
    Winfried Grohmann. Bild: Gudrun Deinzer | Bild: Gerald Edinger/Gudrun Deinzer
  • Martin Albert, 26: „Ich finde das Angebot super, weil ich weiß, wie schrecklich es ist, mit langsamen Netz zu arbeiten. Als ich studiert habe, musste ich immer ewig warten, bis sich eine Seite einmal aufgebaut hat. Das hat beim Lernen extrem behindert. Ohne das schnelle Internet könnte man den Ort in Zukunft vergessen.“
    Martin Albert. Bild: Gudrun Deinzer
    Martin Albert. Bild: Gudrun Deinzer | Bild: Gerald Edinger/Gudrun Deinzer
Fragen: Gudrun Deinzer