Den Lebensraum Wald erkunden sämtliche Grundschüler in Bonndorf. Die Schule will den Kindern den Naturraum in ihrer unmittelbaren Umgebung näher bringen. Das Forstamt unterstützt waldpädagogische Bemühungen, zumal der Wald das Landschaftsbild im Schwarzwald prägt, ökologisch höchst bedeutungsvoll ist und auch wirtschaftlich eine wichtige Rolle spielt.

Holzmachen geht auch ohne Motorsäge. Die Grundschüler üben sich im Sägen eines Fichtenstamms per Hand.
Holzmachen geht auch ohne Motorsäge. Die Grundschüler üben sich im Sägen eines Fichtenstamms per Hand. | Bild: Martha Weishaar

Am westlichen Stadtrand, nahe der Schinderhütte zwischen Altem Schießstand- und Neuhäusleweg, wuseln von montags bis freitags jeden Vormittag 60 bis 80 Mädchen und Jungen jeweils einer Klassenstufe durch den Wald. Claus Giller, im Kreisforstamt zuständig für Waldpädagogik, hat gemeinsam mit Kollegen altersgerechte Erlebnisse und Abenteuer zusammengestellt, bei denen die Schüler für die Dauer von knapp vier Stunden verschiedene Seiten des Waldes erfahren.

„Wir sehen es als Bildungsauftrag an, Kindern den Wald spielerisch als Natur- und Nutzungsraum zu vermitteln. Bei Erstklässlern setzen wir dabei andere Schwerpunkte als bei Viertklässlern“, erklärt der Forstexperte das Engagement seiner Behörde. Die Schüler erfahren viel über die Entstehung der Wälder in ihrer Heimat. Dass es in Baden-Württemberg so gut wie keinen natürlichen Wald gibt, sondern beinahe alle Flächen unter forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten angepflanzt wurden, was auf die intensive Nutzung vergangener Jahrhunderte, aber auch Reparationsleistungen infolge verlorener Kriege zurückzuführen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

„Was macht den Wald überhaupt aus? Nicht nur die Bäume, auch der Boden, Büsche und natürlich Tiere sowie die Jagd gehören dazu“, fasst Claus Giller zusammen. „Wir wollen richtigen Umgang mit dem Wald vermitteln, den Kindern Angst vor Wolf oder Wildschwein nehmen.“ Letzteren zu begegnen sei ziemlich unwahrscheinlich, zumal wenn man als lärmende Gruppe unterwegs sei. Wie alle scheuen Wildtiere flüchten nämlich auch Wildschwein und Wolf vor dem Menschen.

Claus Giller
Claus Giller | Bild: Martha Weishaar

Vortrefflich geeignet ist der Wald dazu, die Sinne zu sensibilisieren. Mit verbundenen Augen tasten sich die Kinder an einem Seil über den Waldboden, riechen Pilze und feuchtes Moos, spüren die Unebenheit des Bodens, betasten Baumstämme und hören jedes Knacken, wenn sie auf einen Zweig treten. Sie erkunden ein Waldsofa und eine „Hütte“, die andere Klassen im Rahmen ihrer regelmäßigen Waldtage in diesem Areal gebaut haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Und zwischendurch führen die Jungs begeistert einen „Waldkrieg“. Jakob und Marvin erzählen stolz, wie sie mit Wurfgeschossen ihre Burg verteidigt haben. Nebenbei haben sie gelernt, dass Ameisen für ihre Bauten einen sonnigen Standort brauchen. „Wenn‘s schattig wird, ziehen sie aus“, erklären die Buben. Am Ende lernen die Schüler, mit einer Handsäge einen Ast durchzusägen, ganz ohne maschinelle Hilfe. Spielen und Lernen ergänzen sich in dieser Umgebung.

Waldwissen hat bei Kindern abgenommen

Claus Giller ist seit Jahrzehnten in der Region waldpädagogisch tätig. Ihm fällt auf, dass das Wissen über den Wald bei Kindern stark abgenommen hat, der Bezug zur Natur bei vielen verloren gegangen ist. Allein die Garderobe der Kinder zeige ihm das. „Kindergartenkinder kommen noch mit Matschanzug und festen Schuhen, manche Grundschüler dagegen in schicken Turnschuhen“, beobachtet er. Sein jüngerer Kollege zieht aus anderer Perspektive andere Schlüsse. Gregor Allgeier hat bereits im Großraum Stuttgart waldpädagogische Projekte begleitet. „Im Vergleich zu den Kindern in Ballungsräumen merkt man hier, dass die Kinder von Land- und Forstwirtschaft geprägt sind.“

Das könnte Sie auch interessieren

„Das zeigt sich allein schon darin, dass die Kinder sich im Wald viel sicherer bewegen und eine Verbundenheit zum Wald und zu Tieren haben.“ Waldpädagogik bedeutet für ihn nicht etwa Theorie, sondern, dass Kinder den Wald mit Kopf, Herz und Hand erleben und erfühlen können. Darauf könne man in weiterführenden Schule aufbauen.