Man wehrt sich zwar gegen existenzgefährdende Vorschriften, nichtsdestotrotz bekennen sich die Landwirte durchaus zum Artenschutz. Und die Bauern sind auch bereit, neue Wege zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität zu gehen. Dies machten die Vorsitzenden der BLHV-Ortsverbände Friedrich Bündert (Bonndorf), Siegfried Maier (Wutach) und Wilfried Kaiser (Stühlingen) sowie der BLHV-Bezirksgeschäftsführer Michael Martin im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich. 

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Artenschutz ja – aber Artenschutz kann nicht alleine auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werden, sagte Michael Martin. Aus diesem Grunde hätten die landwirtschaftlichen Verbände des Landes den Volksantrag „Gemeinsam unsere Umwelt schützen in Baden-Württemberg“ eingereicht. „Wirksamer Artenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Martin weiter. Schließlich seien die Gründe für das Artensterben vielfältig, nicht nur die Bauern dürften als Buh-Männer abgestempelt werden.

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Neben der Landwirtschaft müssten alle weiteren Verursacher auch ihren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten, betonte der BLHV-Bezirksgeschäftsführer weiter und als Gründe für das Artensterben nannte er unter anderem den Lebensraumverlust durch Flächenversiegelung, den stark zunehmenden Verkehr, Veränderungen des Klimas und naturferne Gärten und Anlagen. Der Flächenverbrauch in Baden-Württemberg lag laut Statistischem Landesamt im Jahr 2018 bei 4,5 Hektar pro Tag. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsflächen von rund 1650 Hektar. Das wiederum entspricht einer Größenordnung von 2359 Fußballplätzen. Diese Flächen sind für die Landwirtschaftschaft ein für alle Mal verloren und je nach Versiegelung und Nutzung auch für die Insekten.

Auch Politik in der Verantwortung

In der Verantwortung sehen die Landwirte deshalb auch Politik, Industrie, Handel und die Verbraucher. Flächensparendes Bauen, ein Ende der Dumpingpreise für landwirtschaftliche Produkte und ein bewussteres Einkaufsverhalten sind Punkte, die diesbezüglich genannt wurden. Unsere Wegwerfgesellschaft müsse ebenso umdenken wie die Landwirtschaft, hieß es und Siegfried Maier gab dazu noch erschreckende Zahlen vom Umwelt Bundesamt bekannt: „Rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland pro Jahr einfach weggeworfen.“

Zehn-Punkte-Programm

Zurück zum Volksantrag: In dem Schreiben wenden sich die Landwirte an den Landtag von Baden-Württemberg und das Zehn-Punkte-Papier fordert unter anderem, dass bestehende Förderprogramme dahingehend weiter entwickelt werden müssen, dass landwirtschaftliche Betriebe aller Wirtschaftsweisen noch besser ihre Leistungen für die Artenvielfalt erbringen können. Es gelte, Anreize zu schaffen, um die Artenvielfalt zu fördern und nicht Verbote zu erlassen, die die Existenz der bäuerlichen Familienbetriebe gefährden.

Wirksamer Artenschutz kann nicht allein von der Landwirtschaft geleistet werden, das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagen ...
Wirksamer Artenschutz kann nicht allein von der Landwirtschaft geleistet werden, das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagen Michael Martin, Friedrich Bündert, Wilfried Kaiser und Siegfried Maier (v.li.), die für den Volksantrag „Gemeinsam unsere Umwelt schützen“ werben. | Bild: Juliane Kühnemund

Eine gesetzliche Zwangsökologisierung mache keinen Sinn, zumal der Markt so viele Bioprodukte gar nicht aufnehmen könne, sagte dazu Friedrich Bündert, der noch ergänzte, dass ein Bio-Betrieb nur dann Perspektiven habe, wenn seitens des Betriebsleiters auch die persönliche Überzeugung dahinter steht. Zusammengefasst lässt sich sagen: Für Artenschutz und Klima müssen alle mit ins Boot, es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dabei suche die Bauern nicht die Konfrontation, sondern den Dialog.

40.000 Unterschriften nötig

Um sich mit dem Volksantrag „Gemeinsam unsere Umwelt schützen in Baden-Württemberg“ Gehör verschaffen zu können, braucht es nach den Worten von Michael Martin 40.000 Unterschriften. Dabei sind nicht nur die Landwirte aufgerufen, zu unterschreiben, sondern alle Bürgerinnen und Bürger können sich beteiligen. Infos erteilen die BLHV-Ortsvereinsvorsitzenden und die BLHV-Bezirksgeschäftsstelle in Tiengen. Dort können unterschriebe Anträge noch bis Mitte Dezember abgegeben werden.