Bonndorf Freunde des Friedens: Sie wollen keine Parallelgesellschaft in Bonndorf sein

Verein "Freunde des Friedens e.V.", dessen Mitglieder vor allen Dingen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Afrika sind, wollen keinen Parallegesellschaft sein. Vorsitzender Hamada Bitar nennt die Ziele des Vereins.

Seit einem dreiviertel Jahr gestaltet der Verein "Freunde des Friedens e.V." das Bonndorfer Veranstaltungs- und Freizeitangebot mit. Hauptsächlich sind die Mitglieder des beim Amtsgericht eingetragenen Vereins Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Afrika – auch drei Bonndorfer Bürger sind eingeschrieben.

Gewählter Vorsitzender ist seit der Gründungsversammlung im vergangenen Oktober Hamada Bitar, der als einer der ersten Geflüchteten nach Bonndorf kam. "Als Verein wollen wir überkonfessionell und nicht politisch sein", stellt er im Gespräch mit dieser Zeitung klar. Mittlerweile vereinen die "Freunde des Friedens" 70 Personen verschiedener Konfession, Herkunft und Kultur aus Bonndorf und Umgebung. Ziele des Vereins sind laut Satzung die "Förderung der Integration", "Austausch der Kulturen", "Hilfe für Flüchtlinge" und "Förderung des Sports."

Dass sich die Mitglieder im bereits bestehenden Bonndorfer Vereinsleben engagieren könnten, bewertet Hamda Bitar als schwierig. Sprachliche Barrieren und terminliche Pflichten wie Arbeit, Ausbildung und Integrationskurse würden das den Geflüchteten nicht in sinnvollem Masse ermöglichen. Daher suchten Bitar und seine Mitstreiter nach einer Struktur, wie sich die Asylsuchenden untereinander organisieren konnten, um gemeinsamen Aktivitäten nachzugehen. "Die Gründung eines gemeinnützigen Vereins bot sich an, da dies zum Beispiel auch Bedingung ist, um städtische Räumlichkeiten wie die Stadthalle für Veranstaltungen nutzen zu können," erklärt der Vereinsvorsitzende. Öffentliche Präsenz ist Bitar wichtig, die Menschen in Bonndorf sollen sehen, dass die Asylsuchenden hier engagiert sind und etwas auf die Beine stellen können.

So hatte der Verein am Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr und beim Schlossfest 2017 jeweils einen Stand, wo die Mitglieder kulinarische Köstlichkeiten ihrer Heimat anboten. "Dort wollten wir auch mit den Leuten ins Gespräch kommen. Sie sollen die Möglichkeit haben, uns bei Essen und Getränken kennenzulernen und mit uns zu sprechen und zu diskutieren." Besonders das Schlossfest ist Hamada Bitar positiv in Erinnerung geblieben. "Viele Leute sind zu uns gekommen, haben bei uns gekauft und sind mit uns ins Gespräch gekommen", erzählt er. Neben Veranstaltungen, die das gegenseitige Kennenlernen von Asylsuchenden und Einheimischen zum Zweck haben, sollen vor allem sportliche Aktivitäten der Integration dienen.

Kulinarische Köstlichkeiten gab es aus den Herkunftsländern der Flüchtlinge beim Weihnachtsmarkt. Für Hamada Bitar (links) war der Stand ein Erfolg.
Kulinarische Köstlichkeiten gab es aus den Herkunftsländern der Flüchtlinge beim Weihnachtsmarkt. Für Hamada Bitar (links) war der Stand ein Erfolg. | Bild: Gerald Edinger

Deshalb hat der Verein mit mehreren Mannschaften schon an einigen Fußballturnieren in der Gegend mitgemacht. Regelmäßig spielt der Verein auch am Wochenende auf dem Fußballplatz an der Fuchsberghütte. "Über Interessierte, die dazukommen möchten, freuen wir uns immer sehr," lädt Bitar zum Mitmachen ein.

Sein ganz persönliches Ziel sei der erfolgreiche Abschluss seiner Ausbildung und irgendwann das Erlangen der deutschen Staatsbürgerschaft. Doch die Zeit dränge nicht: "Integration ist ein langer Prozess", betont er. Allerdings seien beide Seiten in der Pflicht aktiv auf eine erfolgreiche Integration hinzuarbeiten. Bitar fordert hier die Schaffung einer neuen städtischen Stelle, die spezialisiert auf Asylrecht und den Umgang mit Asylsuchenden ist und als Fachkraft speziell für die Betreuung der Geflüchteten und die Integration zuständig ist.

Daran gekoppelt ist auch Bitars Wunsch nach einer intensiveren Begleitung von Anfang an. Dies begründet er damit, dass er und viele andere nach ihrer Ankunft in Deutschland weder Kenntnisse über das Land und dessen Gepflogenheiten, noch das Rechtssystem und rechtliche Grundlagen hatten. Daraus habe ein unsicheres Verhalten resultiert. "Wir wollen alles dafür tun, keine Parallelgesellschaft zu werden." Durch seine Tätigkeit beim Kleinkunstverein Folktreff habe Hamada Bitar, der auch aktives Mitglied im städtischen Asylkreis und der Jungen Union ist, ins Vereinsleben gefunden und dort viele Kontakte knüpfen können.

Zu aktuellen politischen Diskussionen wie dem Kopftuchverbot sagt er: "Wenn Europäer in ein Land gehen, in dem wie beispielsweise in Saudi-Arabien muslimisches Recht herrscht, akzeptieren sie es auch, wenn sich die Frauen dort ein Kopftuch aufziehen müssen. Sie respektieren die rechtlichen und gesellschaftlichen Regeln dort. Das müssen wir als Muslime auch tun, wenn wir in ein christlich geprägtes Land kommen. Dann müssen wir auch akzeptieren und respektieren, dass Vollverschleierung hier nicht gerne gesehen wird, weil hier das Prinzip der offenen Gesellschaft gilt."

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