Eine Reise durch den französischen Impressionismus mit Werken von Gabriel Fauré, Claude Debussy, Francis Poulenc und Maurice Ravel versprachen Geigerin Franziska Pietsch und Pianist Josu de Solaun dem Publikum im voll besetzten Saal des Schlosses Bonndorf. Fauré habe mit seiner Sonate aus dem Jahr 1877 einen neuen französischen Ton in die Kammermusik einbringen wollen, erklärte Franziska Pietsch. Und Debussy habe seine Sonate 1917 aus dem Gefühl heraus geschrieben, die französische Musik sei verloren gegangen.

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Diesen extrem farben- und facettenreichen französischen Ton verkörperten die beiden Künstler in ihren Interpretationen auf geniale Weise – Franziska Pietsch energisch und mit eindringlicher Dichte, Josu de Solaun kraftvoll und virtuos, wobei indes auch Lyrik und Eleganz nicht zu kurz kamen.

Gleich der Einsatz des Klaviers in Faurés Werk ist ein rauschendes Klangwunder, dem die Geige mit intensivem Strich und klangsinnlicher Emphase eine innerliche, nach vorn drängende Nervosität zur Seite stellt. Starke dynamische Kontraste prägen diesen Satz – wie übrigens das ganze Spiel des Duos – der zarten Anmut des zweiten Themas folgt ein mit großem Körpereinsatz ausgelebter dramatischer Ausbruch.

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Der zweite Satz beginnt liedhaft mit sanften Begleitakkorden im Klavier und einer melancholisch verschatteten Melodie der Geige. Dem lebhafter werdenden Wechselspiel der beiden Partner folgt als Neuansatz ein melodischer Hauch in der Geige, den das Klavier in sanft umspielenden Phrasen kommentiert. Mit der Rückkehr zu den aufsteigenden Linien des Beginns, deren graziler Hochton jeweils behutsam abgesetzt erklingt, endet dieser Satz als zartes Lüftchen.

Frech, mit quirlig sich geradezu überrollenden Wellen im Klavier, noch übertrumpft von dem mit Staccati und Pizzicati angereicherten Überschwang in der Geige gebärdet sich dagegen das Scherzo, dem wiederum kontrastiv ein Legato sich aussingendes, leicht melancholisch verhangenes Trio einverwoben ist.

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Das Finale beginnen die beiden Künstler graziös, perlende Klavierläufe und weich fließende Geigenlinien machen indes am Ende einem furiosen, mit „Zigeuneranklängen“ versehenen Abschluss Platz. Mit Debussys eigenem poetischen Zauber und der Eleganz sanft abrutschender Linien beginnt der erste Satz der Sonate dieses französischen Impressionisten.

Beinahe folkloristisch anmutende Anklänge durchziehen die Komposition, der Schluss erinnert mit seiner sprudelnden Lebendigkeit an einen „Zigeunerauftritt“. Der mit „Intermède. Fantastique et léger“ überschriebene zweite Satz könnte als Pendant direkt neben Faurés Scherzo stehen, arbeitet er doch mit den gleichen spritzig quicklebendigen Mitteln. Das Finale dieses dreisätzigen Werkes lebt durch den gegenseitigen Ansporn einander ergänzender Phrasen, angereichert mit einer sich wiederholenden auskomponierten Stretta und einem sich gleichsam aufbäumenden Schluss.

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Francis Poulenc schrieb seine dreisätzige Sonate zum Andenken an den von ihm verehrten, 1936 von den Faschisten ermordeten spanischen Dichter Federico García Lorca. Der zupackende, äußerst temperamentvolle Beginn weicht plötzlich einer liedhaften Passage, die wirkt wie ein Zitat aus einer anderen Welt. Kurzweilig wechseln sich unterschiedliche musikalische Charakterminiaturen ab.

Der zweite Satz scheint gleich mit seinem Einsatz zu verlöschen, das Klavier übernimmt die Führung, spinnt eine lyrische Kantilene, von der Geige mit spärlichen Pizzicati kommentiert. Dann nähert auch sie sich der Lyrik an, färbt sie indes am Ende mit dissonanten Klängen in den mit Doppelgriffen gespickten Linien ein.

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Der dritte, mit „Presto tragico“ überschriebene Satz wirkt zu Beginn wie ein irrwitziges Wechselbad aus wütendem Aufbegehren und divenhafter Eleganz, abrupt unterbrochen durch harte, voneinander abgesetzte Schläge der tiefsten Klaviertöne, kommentiert durch verzweifelte, dann tieftraurige Einschübe der Geige, denen ein letzter Aufschrei folgt.

Maurice Ravels „Tzigane“ betitelte Rhapsodie ist zu Anfang ganz der sich in den vielfältigen charakteristischen, ausdrucksstarken „Zigeuneridiomen“ ergehenden Geige vorbehalten, die Franziska Pietsch mit all ihren virtuosen und farbenfrohen Finessen auslebt. Nach dem anheimelnden Einsatz des den Klang des Zymbals nachahmenden Klaviers fängt die Interpretation immer mehr Feuer und kulminiert in einer atemberaubenden Stretta. Nach so viel feuriger Intensität beschenkten Franziska Pietsch und Josu de Solaun ihr Publikum mit einer traumverhangen entrückten, mit Dämpfer zelebrierten Zugabe von Debussy.