Herr Bauer, E-Mobilität in Reinform oder als Hybrid als klimafreundliche Antriebsform des ÖPNV – das hört sich ja zunächst einmal toll an. Wie stehen Sie grundsätzlich dazu?

Wir alle wissen, dass wir nur eine Erde haben. Wir wissen um unsere Ressourcen. Klimafreundliche Antriebsformen sind ein Muss und unabdingbar, aber alles mit Maß, Ziel und Vernunft.

Lässt sich E-Mobilität in Bussen im ländlichen Raum so ohne weiteres verwirklichen? Was müsste hierfür gewährleistet sein?

Die E-Mobilität lässt sich im Busgewerbe auf dem Land nicht so einfach umsetzen – leider. Abgesehen von den hohen Anschaffungskosten – trotz Zuschuss vom Land – fehlt es an der ausreichenden Laufleistung der E-Busse sowie momentan an der Infrastruktur, wie etwa Ladestationen.

Wenn diese Rahmenbedingungen vorhanden wären, würden Sie dann auf E- oder Hybridtechnologie umsteigen?

Dies ist, meiner Meinung nach, noch ein sehr langer Weg. Wenn aber alle Rahmenbedingungen stimmen würden, würden wir mit Sicherheit umsteigen.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass elektrisch betriebene oder auch Hybridbusse in der Region Bonndorf mittelfristig unterwegs sind?

Ich schätze, dass dies im ländlichen Raum noch einige Zeit dauert. Ein gesichertes Zeitfenster anzugeben, ist schwierig. Meine Schätzung – mindestens drei Jahre. Sowohl Politik, wie auch die Technik der Busse, nimmt diesbezüglich ungeheuer Fahrt auf.

Also sind elektrisch betriebene oder auch Hybridbusse momentan eher etwas für die Ballungsräume?

Auf jeden Fall. Dort bestehen ganz andere Rahmenbedingungen: große Verkehrsbetriebe, große Busbahnhöfe, eventuell Synergien mit eigenen Stromversorgern wie Stadtwerke mit dementsprechenden Ladeeinrichtungen.

Bedeutet die kostenintensivere Anschaffung eines E- oder Hybridbusses für Sie einen Wettbewerbsvorteil?

Die Zusatzkosten für einen E-Bus betragen derzeit 200 000 Euro mehr als beim Kauf eines dieselgetriebenen Busses. Für ein Hybridfahrzeug sind es 85 000 Euro an Mehrkosten. Das sind für klein- oder mittelständige Unternehmen wahnsinnige finanzielle Herausforderungen. Wir hätten durch die Anschaffung eines E- oder Hybridbusses keinen Wettbewerbsvorteil, da viele Unternehmen im Auftrag des Konzessionärs fahren und somit keine besondere Vergütung bekommen.

Wenn Landesförderungen in E-Mobilität also eher für Busunternehmen in Ballungsräumen Sinn machen, fühlen Sie sich dadurch unternehmerisch benachteiligt?

Ja auf jeden Fall – bis wir mit unsere Infrastruktur soweit sind, in unserer geografisch doch einmaligen Region, wird viel Fördergeld an uns vorbeifließen. Unsere modernen Diesel-Liniebusse Euro 6 bekommen keine Förderung mehr. Somit wird die Situation für kleine und mittelständische Busunternehmen nicht einfacher. Wie bei vielen Themen sieht es also so aus, als ob die große Politik uns vergisst!

Gibt es Technologien für Busse, die Sie für sinnvoller halten? Ich denke da an Brennstoffzellen.

Ich denke, die Technik macht in diesem Bereich große Sprünge. Darum ist es eventuell auch besser, besonnen und ruhig zu bleiben, als sich in etwas Ungewisses zu stürzen. Feststoffbatterien, Brennstoffzellen/Wasserstofftechnologie – hier kommt ungeheuerliche Bewegung rein. Meiner Meinung nach, wird das Thema modifizierter Kraftstoffe/Kraftstoffentwicklung vernachlässigt.