Eine ungewöhnliche Auszeit nimmt Julian Vesenmayer. Der 22-Jährige ist nach Guatemala aufgebrochen. In Mittelamerika erfährt er mit jungen Menschen aus aller Welt ignatianische Spiritualität. Am 22. Januar wird Julian Vesenmayer nach Panama weiterreisen, um am Weltjugendtag teilzunehmen. Dort trifft er den aus Wellendingen stammenden Jesuitenpater Clemens Blattert. Durch ihn wurde Julian Vesenmayer neugierig darauf, Glauben neu zu entdecken.

„MAG+S“ heißt das globale Treffen, an dem Julian Vesenmayer teilnimmt. Organisiert wird die Zusammenkunft von der mittelamerikanischen Provinz der Jesuiten. Auf Grundlage der ignatianischen Spiritualität, also durch geistliche, kulturelle, soziale und pastorale Aktivitäten, kommen Jugendliche der mittelamerikanischen Realität nahe. Damit sind sie bestens für den Weltjugendtag vorbereitet.

Bonndorfer erlebt guatemalischen Familienalltag

In einer Gastfamilie erfährt der junge Bonndorfer den guatemalischen Familienalltag, ehe die Gruppe sich auf den Weg durch das Land macht. Am Samstag, 19. Januar, geht es weiter nach Panama, wo die Erfahrungen ausgetauscht und reflektiert werden. Ein Fest der Nationen darf nicht fehlen, ehe die jungen Frauen und Männer in einem Gottesdienst ihre Sendung zum Weltjugendtag erhalten. Vor seiner Abreise erzählte Julian Vesenmayer, was ihn zu dieser Mission veranlasste. Der junge Mann hatte einige Zeit gespürt, dass sein Alltag ihn nicht erfüllte. Nach der Mittleren Reife hatte er eine Ausbildung als Nutzfahrzeugmechaniker abgeschlossen, außerdem mit dem Lastwagen- und Busführerschein die Voraussetzung für die Mithilfe im elterlichen Busunternehmen geschaffen.

Zukunftswerkstatt der Jesuiten

Doch er merkte bald, dass dies nicht dem entsprach, was er sich vom Leben erwartet hatte. Er sei nicht glücklich gewesen, funktionierte lediglich. Andererseits wollte er seine Eltern nicht enttäuschen. Hin und her gerissen, fasste Julian Vesenmayer Mut, vertraute sich den Eltern an. Seine Mutter machte ihn auf die Zukunftswerkstatt der Jesuiten in Frankfurt aufmerksam. Von ihrer Wellendinger Freundin hatte sie davon gehört. „Die Fragen auf der Homepage haben mich direkt angesprochen“, schildert Julian Vesenmayer seinen ersten Eindruck von dieser Einrichtung, die Clemens Blattert leitet.

Julian Vesenmayer hatte nach seiner Erstkommunion ministriert, ließ sich firmen, doch den Bezug zur Kirche habe er irgendwie verloren. „Ich ging jahrelang nur noch am Stephanstag in die Kirche, wenn die Stadtmusik spielte.“ Jetzt aber wagte er den Schritt, sich auf Neues einzulassen, war neugierig auf die Zukunftswerkstatt. Und hatte nach seiner Rückkehr in den Schwarzwald bald das Gefühl, noch einmal dorthin zu müssen.

22-Jähriger erlebt Stille

Beim zweiten Mal nahm er an zehntägigen Schweigeexerzitien teil. Das bedeutet ausnahmslos Stille – kein Handy, kein Radio, kein Fernsehen – Schweigen, auch während der gemeinsamen Mahlzeiten. „Als Clemens mir das vorschlug, musste ich erst mal schlucken. Ich bin die Smartphone-Generation, konnte mir nicht vorstellen, wie das zehn Tage lang ohne gehen sollte“, erzählt Julian Vesenmayer. „Aber das tut wirklich mal gut, ich kann es nur empfehlen. Ohne Stöpsel im Ohr nimmt man alles um sich herum viel bewusster wahr.“ Wie ausgewechselt und entspannter sei er nach dieser Erfahrung nach Hause zurückgekommen. Diese Entspanntheit konnte sich Julian bewahren. Der Alltag beinhaltet für ihn seither mehr als arbeiten, schlafen, essen. Er merkt, wie kostbar Gespräche und Begegnungen mit anderen Menschen sind, reflektiert bewusst jeden Tag.

Das Leben hinterfragen

„Ich glaube, viele hinterfragen ihr Leben gar nie und wissen selbst nicht, ob sie das Leben führen, das sie eigentlich wollen.“ Solche Gedanken gehen Julian gelegentlich durch den Kopf. Als Clemens Blattert ihn fragte, ob er etwas völlig Verrücktes machen wolle, überlegte Julian Vesenmayer nicht lange – und meldete sich für den Weltjugendtag an. Seine Freunde und die Fußballkumpels reagierten irritiert, als Julian Vesenmayer von seinen Plänen erzählte.

Um sich in Mittelamerika verständigen zu können, hat er Spanisch gebüffelt. Es ist die erste weite Reise, die Julian Vesenmayer allein unternimmt. Sein Verhältnis zu Glauben und Kirche hat sich ziemlich verändert. Seit einigen Monaten wirkt er in der katholischen Gemeinde als Lektor mit.