Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.“ Das wusste der bekannte Dichter Matthias Claudius schon vor mehr als 200 Jahren und daran hat sich bis heute wenig geändert. Die Sommerferien sind Anlass, in lockererer Reihenfolge einige Leser erzählen zu lassen, was sie auf Reisen erlebten, was bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Am liebsten mit Wohnmobil unterwegs

Susanne und Andreas Wieser haben gemeinsam mit ihren Kindern schon mehrmals die Vereinigten Staaten von Amerika bereist. Am liebsten gehen sie im Wohnmobil auf Entdeckungstour. So auch im Jahr 2004, wo sie von Los Angeles aus auf knapp 3000 Kilometern die berühmten Nationalparks erkundeten. Dabei entdeckten sie zufällig einen Aldi, in welchem sie natürlich auch einkauften. Tochter Lea, damals zwölf Jahre alt, beharrte darauf, dass in einem deutschen Geschäft auch eine deutsche Kassiererin sein müsse. Die Eltern machten dem Mädchen klar, dass das wohl kaum der Fall sei. Tatsächlich jedoch hatte Tochter Lea recht, die Kassiererin war eine Deutsche.

Susanne und Andreas Wieser schätzen die Unabhängigkeit beim Reisen mit dem Wohnmobil, sei das in Europa, den USA oder Australien.
Susanne und Andreas Wieser schätzen die Unabhängigkeit beim Reisen mit dem Wohnmobil, sei das in Europa, den USA oder Australien. | Bild: Martha Weishaar

Den Schock ihres Lebens hatte Susanne Wieser jedoch bei ihrer USA-Reise im Jahr 2009. „Ich dachte, ich sehe meine Kinder nie wieder“, sagt sie noch neun Jahre danach im Rückblick auf jenen denkwürdigen Augenblick. Gemeinsam mit ihren damals 13 und 16 Jahre alten Kindern hatten Susanne und Andreas Wieser nach ausgiebigem Aufenthalt in New York die Ostküste der Vereinigten Staaten bereist.

Erinnerung an das Unfassbare

Sie waren am Grab von John F. Kennedy auf dem Nationalfriedhof in Arlington, besichtigten das für seine historische Schlacht berühmte Gettysburg, die Hauptstadt Washington und etliche andere geschichtsträchtige Stätten. Unmittelbar vor dem Rückflug geschah das Unfassbare. Die Familie stand mit ihren großen Koffern am Bahnsteig eines Ringzugs am New Yorker Flughafen. Der Zug hielt, Sohn und Tochter hüpften in den Zug, doch noch ehe die Eltern mit dem Gepäck folgen konnten, schlossen sich die automatischen Türen. Der Zug fuhr ab. Kai und Lea waren weg. Susanne Wieser dachte nur noch: „Wie finden wir jemals unsere Kinder wieder?“ Sie und ihr Mann nahmen freilich den unmittelbar folgenden Zug und siehe da: bei der nächsten Haltestelle standen die Zwei auf dem Bahnsteig. Ein Ehepaar hatte das Drama mitbekommen, sich um die Teenager gekümmert und wartete mit den beiden auf die Eltern. Bei wem die Erleichterung über diesen glücklichen Ausgang größer war, bei den Kindern oder den Eltern, das lässt sich heute nicht mehr ganz genau sagen. Jedenfalls trübte das Ereignis die Begeisterung von Susanne und Andreas Wieser für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten in keiner Weise.

Amerika lockt immer wieder

2014 ging es wieder nach Amerika, und zwar auf knapp 5000 Kilometern um die großen Seen. Auch nächstes Jahr steht ein Amerikatrip auf der Agenda. Zumal Susannes Schwester und Schwager ein Wohnmobil in den USA stehen haben, dass sie mitnutzen können. Die Unabhängigkeit im Wohnmobil schätzen Susanne und Andreas Wieser ganz besonders. Auch Europa erkunden sie am liebsten auf diese Art. In Amerika erlebten sie derweil noch so manch andere Begebenheit, an die sie sich immer gerne erinnern. Sei es der Umstand, bis ein Fernsehkabel zum Wohnmobil verlegt war, um die Vorrundenspiele einer Fußballweltmeisterschaft mitverfolgen zu können – was die Amerikaner gar nicht verstehen können, da es ja nicht um Baseball oder Football geht – , oder die Begegnung mit zwei Schweizern. „Nicht ein Wort Englisch konnten die beiden. Wir fragten uns, wie die überhaupt so weit kommen konnten“, schmunzelt Andreas Wieser. So erklärt sich wohl, dass die beiden Grillholz stibitzten, weil sie ja nicht „verstanden“, dass das fünf Dollar gekostet hätte. „Jetzt isches scho iipackt“, kommentierten die Schweizer einen entsprechenden Hinweis.