In Dillendorf ist das Phänomen der Hausnamen verbreitet. Es gibt kaum ein Anwesen im Ort, das keinen Hausnamen hat. Diese Namensgebung – in früheren Zeiten entstanden – wird bis in die Gegenwart gepflegt und benutzt. In Wortstämme gegliedert, drängen sich viele Handwerks- und Berufsbezeichnungen auf, aber auch Namen, die sich wohl aus einem Familienverband heraus gebildet haben. Ein dritter Wortstamm, der auffällt, orientiert sich an Äußerlichkeiten der Anwesen. Mit diesen beschäftigt sich die aktuelle Folge der Serie.

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Im Bonndorfer Ortsteil Dillendorf sind die Hausnamen geläufig: s’Schloss, s’Schuehchobels, s’Große, s’Cheffis (Käfig), s’Schrande, s’Singers. Geschichtsträchtig nimmt im Ort der Name „s’Schloss“ eine Sonderrolle ein. S’Schlossrosli und ihr Schlosskarli wohnten auf dem Schlossbuck, dort in einem Gehöft, um das sich fantasievolle Geschichten von Geheimgängen, Rittern und Schatzkammern rankten und uns Kindern – bunt garniert – weiter erzählt wurden.

Schulweg durch das Gemäuer

Sieben Jahre lang kletterte nicht nur ich jeden Tag mehrfach auf dem Weg zum neuen Schulhaus die steilen Treppen hoch und runter, die durch das scheinbar adlige Schlossgemäuer führten. Bruder Leo und seine Rosa hießen bürgerlich korrekt zwar auch Rendler, hielten den Hausnamen Schloss-Leo und -Rosi aber selbst wach, als sie längst in der Nachbarschaft von „s’Schrande“ am Hesibuck eine Familie gegründet und ein Eigenheim errichtet hatten.

Wohnen im Käfig

Unsere, also meine Familie Morath, lebte am Ortseingang. Uns hieß man „s’Cheffis“. Meine Eltern führten den Namen „Cheffi“ (hochdeutsch: Käfig) auf ihre wenig begüterten Vorfahren zurück. Diese waren anscheinend so arm gewesen, dass sie sich lediglich ein paar Ziegen hatten leisten können und ergo in einem bescheidenen Häuschen – einem Käfig – hausten.

Schuhmacher geben Namen

Am Fuße des Schlossbucks waren einst Elsa und Heinrich Stritt zu Hause; sie nannte man wohl „s’Schuehchobels“. Meine Namensrecherche lässt in „grauer Vorzeit“ auf eine einfache Schuhmacherwerkstatt schließen. In Wurfweite zum einstigen Lindenbrunnen, einem markanten Dorf-Treffpunkt, nicht nur als Viehtränke, stand das Anwesen der Familie von Josefine und Hermann Boll und ihren Kindern. Ihr Hausname „s’Singers“ hat aber wohl nichts mit Gesang zu tun, sondern könnte auf einen Mann zurückzuführen sein, der das einfache Leben schätzte und im ortsbekannten Singerhaus aufgewachsen ist.

Große Persönlichkeiten

Ob „s’Große“ wegen eines mächtigen Wohnhauses oder wegen politischer Größe so genannt wurden, liegt im Dunkel der Dorfgeschichte begraben. Benedikt Dietsche war jedenfalls mehrere Jahre Dillendorfs Bürgermeister, ihn redete man mit „Große-Benni“ an, ebenso in der zweiten Generation seinen Sohn „s’Große Helmut“ samt Ehefrau Gerda. Im einstigen Haus von s’Große leben und wohnen heute Emil und Gabi Wintermantel.