„Wenn es den Menschen gelänge, mit dem, was sie haben zufrieden zu sein, sähe unsere Welt besser aus.“ Das sagt Hermann Wetz und mit 90 Jahren Lebenserfahrung weiß der Mann, wovon er spricht. Am 14. April feiert Hermann Wetz seinen 90. Geburtstag. Er ist ein Bonndorfer Urgestein, kam hier zur Welt und verbrachte, abgesehen von einiger Zeit seiner Kindheit, sein ganzes Leben hier. Da die Mutter kränklich war, lebte er immer wieder mal eine Zeit lang bei der Großmutter in Pfullendorf. Damit verbundene häufige Schulwechsel steckte er gut weg.

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Denkbar knapp entrann er dem Krieg. Im Wehrertüchtigungslager in Menzenschwand wurden Buben seinerzeit schon mit 14 Jahren kriegstauglich gemacht, auch Hermann Wetz war darunter. Unverletzt überstand er einen Bombenangriff auf seinen Mannschaftszug. Ein Kamerad aus Ebnet hatte weniger Glück, er erlag seinen Verletzungen.

Lange Zeit im Narrenrat

Hermann Wetz lernte beim hiesigen Vermessungsamt den Beruf des Vermessungstechnikers. Nachdem die Bonndorfer Behörde geschlossen wurde, verrichtete er seinen Dienst bis zur Pensionierung in Neustadt. Unter der Ägide von Narrenvater Theo Hany war Hermann Wetz Mitglied im Narrenrat. Er sang im Gesangverein, später im Kirchenchor mit. Eine Zeit lang leitete er einen kleinen Ziehharmonikaclub. Etwa ein Dutzend Kinder lernten und spielten unter seiner Anleitung Akkordeon. Auch im Pfarrgemeinderat war er viele Jahre vertreten.

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„Meine Frau schimpfte manchmal mit mir, ich solle nicht so viel machen. Doch alles, was man gerne macht, geht auch“, lautet die Devise von Hermann Wetz. „Meine schönsten Jahre erlebte ich als Mesmer in der katholischen Kirche“, sagt er rückblickend. Von 1974 bis 2000 übte er dieses Amt aus. Als Mesmer im schwarzen Talar ist er Vielen noch in guter Erinnerung. Das mit dem Talar habe sich Dekan Höfele seinerzeit gewünscht, er selbst habe es zudem recht praktisch gefunden. „So musste ich mich nicht zu jedem Gottesdienst extra umziehen.“ War Dekan Höfele für ihn noch so etwas wie eine Vaterfigur, so entwickelte sich zu dessen Nachfolger, Pfarrer Eugen Fleig, ein freundschaftliches Verhältnis. „Wir waren fast wie Brüder und hatten eine wunderbar harmonische Zeit miteinander“, zieht Hermann Wetz Bilanz. Zumal sie auch Nachbarn waren. Das Ehepaar wohnte bis zum Wechsel in die betreute Wohnanlage im ehemaligen Vinzentiusheim.

Wichtige Arbeit für die Kirche

Das katholische Gotteshaus war über viele Jahre hinweg ohne Hermann und Gertrud Wetz gar nicht vorstellbar. Seine Frau sorgte, so lange wie er Mesmer war, für ebenso prächtigen wie legendären Blumenschmuck in der Kirche. Den damals noch üppig bestückten Erntedankaltar bereitete das Paar gemeinsam vor. Beinahe zwei Tage nahm es sich dafür Zeit. Und auch den Garten beim Pfarrhaus pflegte der Mesmer mit seiner Frau.

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Im Januar verstarb Gertrud Wetz nach 65 Ehejahren. Geblieben sind Hermann Wetz seine drei Töchter mit ihren Ehepartnern, sieben Enkel und fünf Urenkel. Der nach wie vor am Weltgeschehen interessierte Bonndorfer im Rollstuhl freut sich über jeden Gesprächspartner, der ein wenig Abwechslung in seinen Alltag im Pflegeheim bringt.