Zum Abschluss der Konzertsaison hat das Basler Streichquartett mit Werken von Beethoven und Kodály im Bonndorfer Schloss gastiert. Für die erste Geigerin des Quartetts, Susanne Mathé, war es ein Heimspiel, stammt sie doch aus Waldshut und hatte den ersten Auftritt in diesem Saal bereits als Kind. Nun kam sie mit Geigerin Isabelle Ladewig, Bratscherin Esther Fritzsche und Cellistin Stéphanie Meyer an diesen Konzertort zurück. Gleich darauf brach sie mit dem Quartett zu einer Asientour auf.

Zum ersten Programmpunkt, Beethovens „Streichquartett“ op. 18,4 von 1799, merkte Susanne Mathé an, Beethovens Taubheit sei allgemein bekannt, man mache sich indes selten klar, dass der Komponist bereits seit seinem 26. Lebensjahr, also ab 1796, durch sein Gehörleiden stark eingeschränkt war. Mit 32 Jahren schrieb er sein „Heiligenstädter Testament“, in dem er seinen beiden Brüdern gegenüber seine Verzweiflung über die fortschreitende Erkrankung gesteht und diese auch als die Ursache für seine vermeintliche Griesgrämigkeit und seinen völligen Rückzug aus der Gesellschaft erklärt.

In seinem Streichquartett offenbart sich Beethoven in der Interpretation durch die vier Streicherinnen denn auch als Komponist großer Stimmungsschwankungen und scharfer Kontraste. Impulsiv vorwärtsdrängend gestaltet das Basler Streichquartett entsprechend den Beginn des ersten Satzes, mit starken Akzenten und einer gewissen innerlichen Unrast, die indes dennoch anmutige melodische Wendungen kennt. Vornehmlich die wiederkehrenden scharfen Kontraste zwischen leichtfüßigen Stakkati und kraftvollen Akkordstrichen, jeweils variativ fortgesetzt, prägen den lebendigen, markanten Höreindruck.

Große VIelseitigkeit

Der zweite Satz ist als grazil verspieltes Fugato angelegt. Selbst die kurze Überleitungssequenz kommt in tiefem Wohllaut als Fugato daher, während das Seitenthema diesen leicht tändelnden Gestus mit nachdenklichen Seufzern kombiniert. Den dritten Satz stattet das Basler Streichquartett mit einem ausdrucksstarken, fast wild romantisch wirkenden Gestus aus, vorwärtsdrängend, die Betonung immer auf der zusätzlich noch gedehnten unbetonten Zählzeit. Die flinke Melodie des rondoartigen Schlusssatzes gibt der ersten Geige konzertant-solistische Züge, der Schluss changiert in den Gegensätzen von Verlöschen und Auftrumpfen.

Beethovens „Harfenquartett“ op. 74, analog zum c-Moll-Quartett zu Programmbeginn in der schicksalhaft-dramatischen parallelen Tonart Es-Dur verfasst und wie dieses auch dem Fürsten Lobkowitz gewidmet, entstand im Jahr 1809. Sein erster Satz beginnt mit einem vom Basler Streichquartett Legato gespielten, äußerst zarten Adagio und setzt sich fort im frech-fröhlichen Gegeneinander eines von Tonrepetitionen, schnellen, kurzen Läufen und Pizzicati geprägten Allegro, das dem Quartett vermutlich seinen Namen eingetragen haben dürfte.

Die musikalischen Ideen sprudeln nur so in diesem Satz, wobei die vier Frauen ihre klaren Akzente, ihre maßgeschneiderten Crescendi und ihre sprühende Ausdruckskraft dem Ganzen Struktur und Lebendigkeit verleihen. Der zweite, langsame Satz gleicht in der Interpretation des Basler Quartetts einem andächtigen Gesang, bei dem die erste Geige sich als Primus inter Pares so weit exponiert, dass sie den Reiz der subtil aufeinander eingehenden Stimmen auskostet, ohne ihn zu durchbrechen.

Der furiose Beginn des folgenden Presto mit seinen kurzen, harten Strichen ist der ideale Kontrast zum Vorigen, ein fulminantes Streitgespräch gegenläufiger Stimmen, die sich genauso rasant wieder vereinigen, um attacca in das Allegretto des Schlusssatzes zu münden, in dessen Variationskette sich nach und nach die einzelnen Instrumente zu Wort melden.

Ungarische Klänge

Zwischen die Beethovenstücke hatte das Streichquartett Zoltan Kodálys „Zweites Streichquartett“ op. 10 von 1918 ins Programm gesetzt, ein ausdrucksvolles, gestenreiches, mit dramatischen Einwürfen und lyrischen Phrasen gespicktes Werk, das dem Ausspruch Béla Bartóks über den Komponistenfreund, er habe die Volksmusik seiner Heimat aufgesogen und sie zu seiner Muttersprache gemacht, Ehre erweist.

Im zweiten Satz weht noch stärker als im ersten der typisch melancholische ungarische Geist, der sich zunächst immer wieder gegen ein feurig tänzerisches Moment durchsetzt. Erst im weiteren Verlauf setzen sich markantere Tanzrhythmen durch, teilweise mittels eines Dudelsackeffekts. Den anhaltenden Beifall des Publikums im voll besetzten Saal von Schloss Bonndorf quittierte das Basler Streichquartett mit dem Finalsatz von Haydns „Reiterquartett“ als Zugabe.