Bonndorf Der neue Chef der Arbeitsagentur Lörrach, Andreas Finke, zeigt großes Interesse

Hectronic und Dunker laden Andreas Finke, neuer Chef der Arbeitsagentur Lörrach, zum Antrittsbesuch ein. Finke will die Arbeitswelt kennenlernen.

Andreas Finke ist noch neu als Chef der Agentur für Arbeit, mit Sitz in Lörrach, der auch zuständig ist für Bonndorf. Er kam zum Antrittsbesuch, um die Firmen Hectronic und Dunkermotoren kennenzulernen. Ein Begriff waren ihm die Firmen unter anderem durch den Verwaltungsratsposten, den Dunker-Personalleiterin Renate Heizmann in der Agentur für Arbeit innehat. Sie hatte auch in die Löwenstadt eingeladen. „Sie sehen, wir hier oben versuchen immer an einem Strang zu ziehen“, meinte Bürgermeister Michael Scharf zu Finke im Rahmen der Begrüßungsrunde, die in gewohnt familiärer Atmosphäre stattfand. „Was die Firmen mit der Ausbildungskooperation Hedu und den Hedu-Tagen auf die Beine gestellt haben, ist einmalig“, so Scharf.

„Zu Ihnen nach Lörrach zu kommen, ist von uns aus weiter, als nach Stuttgart zu fahren“, erfuhr Andreas Finke von Landrat Martin Kistler, der den Besuch des Agenturchefs bei den Technologiefirmen begleitete. Damit sprach er die Problematik an, die er selbst aus seinem ländlich geprägten Landkreis kennt, nämlich weite Wege, mit denen jeder, eben auch die Firmen, operieren müsse. Auf die Bemühungen zum Ausbau eines Backbone Glasfasernetzes und der Ortsnetze für schnelles Internet eingehend, hoffte Kistler, dass damit eben auch abseits der Metropolen die Firmen leichter an der Globalisierung teilhaben könnten. „Wir haben massive Probleme mit der Internetverbindung“, bestätigte Hectronic-Chef Stefan Forster prompt, gerade um die Zeit der Frühstückspause, würde das Netz schier gar nicht funktionieren. Wie das Jahr zu überbrücken sei, bis das neue öffentliche Ortsnetz in Betrieb ist, könne er sich kaum vorstellen.

Antrittsbesuch des neuen Chef der Agentur für Arbeit, Andreas Finke (Dritter von rechts) (von links): Dunker-Produktionsleiter Philipp Simon, Hectronic-Personalleiterin Eike Scherschmidt, Bürgermeister Michael Scharf (hinten), Dunker-Personalleiterin Renate Heizmann, Hectronic-Geschäftsführer Stefan Forster (hinten), Hectronic-Betriebsleiter Eckhard Fechtig, Dunker-Geschäftsführer Markus Roth, Landrat Martin Kistler. <sup></sup><em>Bilder: Gudrun Deinzer</em>
Antrittsbesuch des neuen Chef der Agentur für Arbeit, Andreas Finke (Dritter von rechts) (von links): Dunker-Produktionsleiter Philipp Simon, Hectronic-Personalleiterin Eike Scherschmidt, Bürgermeister Michael Scharf (hinten), Dunker-Personalleiterin Renate Heizmann, Hectronic-Geschäftsführer Stefan Forster (hinten), Hectronic-Betriebsleiter Eckhard Fechtig, Dunker-Geschäftsführer Markus Roth, Landrat Martin Kistler. Bilder: Gudrun Deinzer | Bild: Gudrun Deinzer

Die Präsentation über die Ausbildungsinitiative Hedu übernahm Forster. Die Auszubildenden beider Firmen profitieren mit ihren Ausbildungsanteilen im jeweils anderen von dem Know-how dort. Beim Ausbildungs-Ass hat man im vergangenen Dezember den bundesweit dritten Platz eingenommen. „Das war ein toller Erfolg und auch schön für unsere jungen Leute im großen Berlin zu sehen, dass wir da bundesweit mithalten.“

Dunkermotoren agiere international, erläuterte Dunker-Geschäftsführer Markus Roth. Ein bedeutender Unterschied zwischen Deutschland und anderen Ländern sei, dass wir hier nicht nur Ingenieure, sondern eben auch Facharbeiter hätten, was die sozialen Unterschiede innerhalb der Betriebe gering halte. „Die Politik muss aufpassen, dass wir uns da nicht durch Einbindung in andere Staaten nivellieren lassen“, sagte Markus Roth.

Während Hectronic (370 Mitarbeiter weltweit) Weltmarktführer bei Betriebstankstellen ist, wie man bei der Führung erfuhr, ist der große Nachbar Dunkermotoren (knapp 1300 Mitarbeiter weltweit) führend in Türautomation und bei Jalousieantrieben. „In der Kalenderwoche 48 werde ich mich einen Moment zurücklehnen, dann werden wir die Umsatzmarke von 200 Millionen Euro knacken“, freute sich Dunker-Produktionsleiter Philipp Simon. Je günstiger und leistungsstärker die Elektronik, umso mehr wandere diese in die Motoren selbst, erläuterte Simon das was Industrie 4.0 bei Dunkerantriebe bedeute. Inzwischen sei man auch Marktführer für diese „intelligent“ genannten Antriebe. Plastisch machte Markus Roth das am Beispiel eines Motorrads. Dort habe er drei Modi, könne auf Touring, Sport oder Regen stellen. So sei das auch innerhalb der Dunker-Antriebssysteme: Die Motoren könnten ihr Verhalten ändern, je nachdem ob sie stoppen oder anfahren müssten.

"Ich bin beeindruckt"

Andreas Finke ist seit gut zwei Monaten Chef der Agentur für Arbeit in Lörrach.

Herr Finke, was nehmen Sie aus Bonndorf mit?

Ich bin beeindruckt, welche Unternehmen man hier im ländlichen Raum findet. Es sind Weltmarktführer, die in Ausbildung investieren, die auch Plätze für Schwächere haben, die familiär zusammenarbeiten und durch Qualität und tolle Ausbildung Gehaltsnachteile ausgleichen. Schön war es, zu erfahren, dass von hier aus nach China Wissenstransfer stattfindet. Hier wird statt durch Masse, mit Klasse Markt gehalten und ausgebaut.

Wie können Sie bei Fachkräftemangel helfen?

Diese beiden Betriebe haben keinen Fachkräftemangel, sie bilden umfassend aus. Sie geben auch Schwächeren eine Chance.

Wir haben 57 Prozent Abiturienten. Ist das vernünftig?

Für den Einzelnen vielleicht, für den Arbeitsmarkt nicht, da brauchen wir wieder mehr Menschen, die sich für eine Ausbildung im Dualen System bewerben. Unser Bildungssystem reagiert auch. Die Zunahme an Dualen Studiengängen zeigt, dass Praxis und Theorie wieder mehr zusammenwachsen. In der Tat kann man auch jedem, der erwägt ein Studium zu beginnen, raten, in die Berufsberatung zu kommen. Es lohnt sich auch, über eine Ausbildung nachzudenken.

Inwiefern helfen Ihnen die Besuche in den Betrieben, zielgerichtet zu fördern?

Wir wollen unsere Dienstleistungen gut am Markt platzieren. Ich stelle bei Gesprächen mit Unternehmen fest, dass viele unsere Unterstützungsleistungen für Unternehmen nicht kennen. Das müssen wir überwinden. Ich erlebe auch, dass viele Informationen fehlen in der Frage, wie man mit Flüchtlingen umgehen kann, viele wissen nicht, wie da die Förderketten laufen. Und wir wollen natürlich auch selbst erfahren, wo der Schuh drückt. Wir wollen die Qualifikation und Beratung der Kunden auf einen Arbeitsmarkt abstimmen, der hier auch existiert und nicht am Markt vorbei qualifizieren.

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