Durch jährliche Exkursionen mit den Zehntklässlern der Realschule Bonndorf ins KZ Struthof-Natzweiler stieß Klaus Morath, Lehrer am Bildungszentrum Bonndorf, auf den Namen August Hirt. Klaus Morath forschte über August Hirt, der 1941 als Professor an die Reichsuniversität Straßburg berufen worden war und der sich nach Kriegsende 1945 beim „S’ steinerne Krizle“ auf Gemarkung Schluchsee-Schönenbach das Leben nahm.

Arzt rettet elfjähriges Mädchen

Nachdem August Hirt im Waldbauernhof „Karlishof“ die elfjährige Tochter der dort lebenden Familie notoperiert hatte, verlagerte der Professor sein Nachtlager mit einem Koffer als Gepäck nach Schönenbach, erläutert Klaus Morath. Dort habe er bei der Familie des Bürgermeisters übernachtet. Tagsüber habe er die Zeit mit Hausarbeit und Kinderhüten verbracht oder sich im Wald umhergetrieben. Ab dem 25. April 1945 nahmen die Franzosen das nördlich von Schönenbach gelegene Neustadt im Schwarzwald sowie das südlich an der Rheinschiene liegende Waldshut ein. Die Schlinge habe sich für den Kriegsverbrecher langsam zugezogen.

Widersprüchliche Quellenberichte

Nun werden die Quellenberichte widersprüchlich, erläutert Klaus Morath. Ein Zeitzeugenbericht aus Schönenbach besagt, dass es der NS-Arzt beim Heranrücken der Franzosen mit der Angst zu tun bekommen hatte und so etwas wie einen Nervenzusammenbruch erlitten habe. Eine Mitbewohnerin August Hirts habe jedoch gehört, dass er sich sogar mit den Franzosen in deren Landessprache unterhalten habe. Gegenüber den „Karlishof“-Bewohnern habe er seine größte Angst in der Rückkehr der Juden geäußert, über die der SS-Mediziner angeblich ein Buch geschrieben habe. Auch nach Kriegsende am 8. Mai 1945 habe August Hirt den „Karlishof“ besucht, um Radio zu hören. Als die bestialischen Vorkommnisse der Konzentrationslager öffentlich wurden, habe August Hirt wortwörtlich gegenüber dem Sohn des „Karlishof“-Bauern behauptet: „Das stimmt alles nicht. Sie hätten einmal in einem KZ Kaninchen [!] geholt. Es habe dort wunderbare Duschräume gegeben.“

August Hirt leiht sich Pistole

Wieso August Hirt die Flucht in die naheliegende Schweiz nicht wagte, ist ungeklärt, wundert sich Klaus Morath. Hatte er eine günstige Gelegenheit verpasst? Oder wollte er sich dem Vorwurf der „Schande des Absetzens“ nicht aussetzen und führte etwas völlig anderes im Schilde? Fest stehe, so Klaus Morath, dass August Hirt am Morgen des 2. Juni 1945 den Familienvater des „Karlishofes“ gebeten habe, ihm eine Pistole zu leihen. Er sei bis zum naheliegenden Sühnekreuz „S’ steinerne Krizle“ gegangen und habe sich mit einem Schuss durchs Herz sein Leben genommen. Da er im Besitz der gleichen Giftampulle gewesen sein soll wie Heinrich Himmler, hätte er sich eventuell auch damit das Leben nehmen können, mutmaßt Morath. (Fortsetzung folgt).