In Dillendorf ist das Phänomen der Hausnamen weit verbreitet. Es gibt kaum ein Anwesen im Ort, das keinen Hausnamen hat. Diese Namensgebung – in früheren Zeiten entstanden – wird bis in die Gegenwart gepflegt und benutzt. Über drei Wortstämme haben wir bereits berichtet. Unsere vierte und letzte Folge enthält ein Sammelsurium weiterer Dillendorfer Hausnamen: „s’Stässelis“, „s’Churede“ und „s’Alde“.

Die Familie Burger – s’ Churede – lebte im Mitteldorf in diesem Haus mit Wohn- und Ökonomieteil – nicht unüblich im Dorf – unter einem Dach. Die Eigentümer und Mieter wechselten bis in die Gegenwart, familiäre Spuren im Ort sind dünn gesät.
Die Familie Burger – s’ Churede – lebte im Mitteldorf in diesem Haus mit Wohn- und Ökonomieteil – nicht unüblich im Dorf – unter einem Dach. Die Eigentümer und Mieter wechselten bis in die Gegenwart, familiäre Spuren im Ort sind dünn gesät. | Bild: Erhard Morath

Mir persönlich war bis vor wenigen Wochen lediglich „s’Churede“ vertraut. Der eigentliche, standesamtliche und richtige Name von „s’Churede“, gegenüber des Maierhofs beheimatet, war Burger. Durch unsere Mitschülerin Gisela oder ihren Bruder Ernstli waren wir darüber im Bilde.

Echter Nachname wird nie genannt

Doch niemand hätte es jemals für notwendig erachtet, Ernst oder Gisela Burger zu sagen. Jeder, wie auch sonst üblich im Ort, sprach von „s’Churede Gisela“ oder dem „Churede-Ernst“. Welche Wurzeln sich hinter diesem Namen verbergen, bleibt der freien Fantasie überlassen. Heutzutage würde man den Ursprung vielleicht einer Kuranwendung zusprechen, obwohl es diese damals und davor im Vokabular genauso wenig wie in der Realität gegeben hatte.

Jugend willkommen

Dass Hubert und Sofie Hogg, genau neben „s’Churede“ wohnend und nur durch einen schmalen Durchlass getrennt, „s’Alde“ genannt wurden, war für mich eine Neuigkeit. Obwohl meinesgleichen mit dem Haus viele schöne Erinnerungen verbindet. „S’Alde“ war für mich schon in den 60er Jahren kein durchgängig verbreiteter Begriff mehr. Viele Abendstunden verbrachten wir als Halbstarke dort auf den Treppenstufen, denn Lehrlingsgeld war knapp und Taschengeld endlich oder gänzlich unbekannt. Für die Sternsinger war es üblich, dass hier auch das Vieh im Stall in den Genuss von Weihrauch und -wasser kommen musste.

Bedeutungsverlust

Ähnlich neu und gleichzeitig uralt und üblich scheint der Hausname „s’Stassilis“ zu sein. Ihn führten wohl Arnold und Paula Stritt, oben auf dem Buck, als Hausnamen. Er drohte bereits in meiner Jugendzeit, an Bekanntheit zu verlieren. Die Familientradition „Stritt“ halten Franz und Uli Stritt und ihre Familie frisch, was der Dillendorfer Dorfgemeinschaft nur recht sein kann.

Vielfach Handwerksbezeichnungen

Alles andere als ein Zufall ist es, dass meine Nachforschungen eine so große Vielfalt an Handwerksbezeichnungen zutage förderten. Ein Blick in „alte Bücher“, so beispielsweise ins Steuerkataster von 1848, beweist bei damals 415 Einwohnern, dass in Dillendorf 22 Handwerker (und 27 Landwirte) ihr Auskommen hatten. Und einer Recherche von Artur Riesterer folgend, waren 100 Jahre später eher mehr als weniger Handwerker in Dillendorf ansässig.

Frage nach dem Sinn

Allerdings stellte sich mir die Frage: Braucht die Welt überhaupt eine solche doppelte, vielleicht gelegentlich in die irreführende Namensführung für Häuser und ihre Bewohner? Viele, vor allem die nach mir Geborenen, die jüngeren Zeitgenossen, werden wohl ein klares „Nein“ äußern. Mir kommt eher ein „Warum denn nicht?“ über die Lippen.

Hausnamen stiften Gemeinschaft

Hausnamen – und dies gilt wahrlich nicht nur für den Bonndorfer Ortsteil Dillendorf – versprühen einen besonderen Charme, sie stiften wohlige Wärme und kommen aus einer Gemeinschaft, die den täglichen Unzulänglichkeiten des Alltags guttaten. Vielleicht könnten sie in unserer globalen und digitalisierten Welt ein kleines bisschen Sonne und Ehrlichkeit zurückbringen. Ein Dankeschön gilt allen, die für diese Serie telefonisch oder direkt ihr Wissen bereitwillig zur Verfügung gestellt haben.