Zum Fredericktag lassen sich die Leiterinnen der Stadtbibliothek Bonndorf immer etwas Besonderes einfallen. Dieses Jahr stand der Tag bei den Klassen der Grundschule im Zeichen der Maus, die für schlechte Zeiten einen Geschichtenvorrat anlegt.

Dicht gedrängt saßen am Nachmittag knapp 150 Kinder im Paulinerheim, um die Naturentdeckershow des Künstlerduos Friedrich und Bo zu verfolgen. Mit außerirdisch anmutenden Piepgeräuschen und einem geheimnisvoll blinkenden Koffer zogen die Künstlerinnen das Publikum in ihren Bann.

Dieses zeigte sich hilfsbereit beim Anliegen, einen neuen Planeten mit Leben zu füllen. Der Erfahrungsschatz und das Wissen vieler Kinder in Sachen Natur waren enorm, besonders viele Jungen brillierten auf diesem Gebiet. Einige erwiesen sich gar als regelrechte Experten, wenn es um Fragen nach der Beschaffenheit des Erdinneren oder der CO²-Leistung von Bäumen ging.

Begeistert lauschten etwa 150 Kinder der Naturentdeckershow im Paulinerheim und leisteten wichtige Beiträge, wie ein neuer Planet mit Leben gefüllt werden könnte.
Begeistert lauschten etwa 150 Kinder der Naturentdeckershow im Paulinerheim und leisteten wichtige Beiträge, wie ein neuer Planet mit Leben gefüllt werden könnte. | Bild: Martha Weishaar

Dass der neue Planet Luft, Erde und Wasser braucht, um Lebensraum zu sein, war dem Publikum rasch klar. Mit Berichten aus ihrem Umfeld belebten die Mädchen und Jungen den neuen Rückzugsort der beiden Außerirdischen, die für die Vorstellung in Bonndorf in die Körper zweier Wissenschaftler geschlüpft waren.

Bereits am Vormittag herrschte in den Schulgebäuden Ausnahmezustand. An diesem Tag drehte sich alles ums Lesen sowie Umsetzen von Geschichten oder Gedichten. Im Obergeschoss der Grundschule übten sich die Dritt- und Viertklässler in bunt zusammengesetzten Gruppen im Reimen nach Vorlagen von Robert Gernhardt. Ein Stockwerk tiefer wurden Lieder und Gedichte einstudiert.

Kleine Regisseure

Buntes Treiben herrschte im Erdgeschoss, wo Kamerateams die Inszenierungen von Geschichten aus dem „Struwwelpeter“ filmten. iPads sowie ein Mikrofon stellte die Kreismedienzentrale für das Projekt „imovie“ zur Verfügung. Matthias Mybes, Philipp Reyes und Christopher Bäuerle erklärten den Mädchen und Jungen den Umgang mit der geliehenen Technik. Diese hatten sichtlich Spaß an Zappelphilipp sowie Hans-guck-in-die-Luft.

Nach jeder Stunde stand ein Wechsel an, sodass alle Kinder jede Aktivität mitmachten. Die Vorbereitungs- und Inklusionsklassen im Gebäude der Martin-Gerbert-Schule befassten sich mit der Geschichte „Tillie und die Mauer“. Die einen bastelten Mauersteine, andere Masken und wieder andere Kinder dachten sich aus, wie die Geschichte zu Ende gehen könnte. Am Ende kamen Masken und Requisiten in einem kleinen Schauspiel zum Einsatz und das gemeinsame Erleben wurde wie in der richtigen Geschichte mit einem Fest beendet.

Schüler der Vorbereitungsklasse bastelten Mauersteine für ihre Geschichte.
Schüler der Vorbereitungsklasse bastelten Mauersteine für ihre Geschichte. | Bild: Martha Weishaar

Dass sowohl Pädagogen als auch Bibliotheksteam den Kindern das Lesen nahebringen wollen, hat seinen Grund. Denn auch in Sachen Lesekompetenz geht die Schere zwischen denen, die sehr gut und jenen, die extrem schlecht lesen können, immer mehr auseinander. Manche können bereits vor der Einschulung lesen und am Ende von Klasse vier auch unbekannte Texte hervorragend vortragen, räumt Konrektorin Renate Scriba auf Nachfrage unserer Zeitung ein. Kinder, die in ihren Elternhäusern gar nicht oder nur sehr wenig mit Büchern in Berührung kommen, tun sich beim Lesen schwer.

Die Schule allein könne dieses Defizit nicht ausgleichen. „Wir tun, was wir können, aber wenn zu Hause die Unterstützung fehlt, ist es für die Kinder schwierig, richtig zu lesen“, sagt die Konrektorin. Stolz ist das Kollegium der Grundschule indes darauf, dass sämtliche Kinder aus den Inklusionsklassen gut lesen können. Lesen sei nun eimal der Schlüssel zu jedwedem Lernen.