Es ist heutzutage gar nicht mehr vorstellbar: Kein Telefon, kein Internet, kein Handyempfang. Genau diese Rolle rückwärts in die digitale Steinzeit blüht nun aber den Bewohnern der Bonndorfer Sommerau. Die Telekom hat angekündigt, dort ihre Dienste einzustellen, und hat die Verträge auf Anfang November gekündigt. Die Stadt Bonndorf wird die Sommerauer aber nicht im „kommunikativen Outback“ sitzen lassen, wie Bürgermeister Michael Scharf in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Montagabend bekannt gab.

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Wie der Bonndorfer Bürgermeister erläuterte, hat sich die Familie Hegar vom Gasthaus „Sommerau“ mit einem Hilferuf an die Stadtverwaltung gewandt, nachdem das Kündigungsschreiben der Telekom auf dem Tisch gelandet war. „Kein Telefon, kein Internet und dazu noch kein Handyempfang – das ist für den Betrieb existenzgefährdend“, machte Scharf die Problematik deutlich. Und während sich die Betroffenen anwaltlich vertreten und rechtliche Schritte ausloten lassen, habe die Stadt parallel dazu einen Plan B entwickelt. Möglich wäre, so der Rathauschef, den ohnehin geplanten Breitbandanschluss der Sommerau vorzuziehen.

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Vom Kabelverzweiger Holzschlag könnte die Leitung nach Glashütte gezogen werden und von dort wieder hinunter ins Tal zur Sommerau. Als Trasse könnten die noch bestehenden, aber nicht mehr verwendeten Leitungen und Kanäle genutzt werden, sodass die Breitbandverlegung mit relativ geringem Aufwand zu tätigen wäre.

Seitens der Verwaltung habe man bereits drei Firmen angefragt, ob sie noch freie Kapazitäten für das Vorhaben hätten. Die Antwort von den drei Betrieben lautete allerdings „Nein“, berichtete der Bürgermeister. Nach weiteren Gesprächen sahen die Firmen dann allerdings eine Chance, das Vorhaben in Form einer Arbeitsgemeinschaft zu übernehmen. „Am Mittwoch erwartet die Stadtverwaltung ein Angebot der Firmen“, sagte Michael Scharf und fügte an: „Wenn das Angebot preislich im Rahmen ist, sollten wir die Arbeiten vorziehen.“

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Eigens für diesen Fall hat der Bürgermeister bereits eine Gemeinderatssitzung für den 19. September anberaumt, in der die Arbeitsvergabe dann vorgenommen werden könnte. Vom Gremium erhielt er bereits jetzt grünes Licht für diese Vorgehensweise. Voraussetzung dafür, dass der Breitbandanschluss der Sommerau vorgezogen werden kann, ist zudem das Einverständnis des Ministeriums. Ein entsprechender Antrag wird im Rathaus auf den Weg gebracht. Sollte alles klappen, könnten dann in zwei bis drei Wochen die Maschinen anrücken. Im Zuge der Leitungsverlegung könnten dann auch noch alle Anwesen in Holzschlag und Glashütte, die nicht bisher versorgt sind, angeschlossen werden.

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Die Vorgehensweise der Telekom sorgte im Gemeinderat für Kopfschütteln und Unmut. „Es ist eine Frechheit und eine Unverschämtheit, was sich das Unternehmen da leistet“, ärgerte sich Tilman Frank, der in diesem Zusammenhang auch die Privatisierung des einst staatlichen Betriebs kritisierte. Die Sommerau einfach abzuhängen, das sei nicht akzeptabel, so Frank. Ähnlich äußerte sich auch Ingo Bauer. Für ihn wie auch für die weiteren Stadträte quer durch alle Fraktionen war klar: „Wir müssen hier was tun, wir lassen die Sommerau nicht im Desaster hängen.“ Alternativen zum vorzeitigen Leitungsbau zur Sommerau wurden in der Sitzung nicht gesehen.

Stiegeler kann nicht übernehmen

Die Frage von Monika Spitz-Valkoun, ob nicht die Firma Stiegeler übergangsweise bereits die Dienste übernehmen könnte, hat der Leiter des Amts für Breitband, Matthias Ketterer, mit einem klaren Nein beantwortet. Die Sommerau liege zu abseits, die Leitungen seien zu lang, es sei nicht möglich, die neue Telefontechnologie über die alten Kupferleitungen zu übertragen. Stiegeler könne die Sommerau von daher nicht versorgen. Nichtsdestotrotz, so Michael Scharf, werde man noch einmal nachfragen und zudem über das Rechtsanwaltsbüro alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen lassen.