Mit Werken von Camille Saint-Saens und Ludwig van Beethoven lockte der Veranstalter des Bonndorfer Schlosskonzertes die Musikliebhaber in den letztendlich ausverkauften Festsaal des Bonndorfer Schlosses. Aber welch’ freudige Überraschung, als dann auf dem offiziellen Konzertprogramm statt des B-Dur Klavierquartettes von Saint-Saens das Klavierquartett Es-Dur, op. 87 von Antonin Dvorak unverhofft auftauchte und das Mozart Piano Quartet den Abend in glücklichster Weise eröffnete. Die frische Natürlichkeit und die innige Wärme dieser Musik rührte immer wieder mit musikantischem Schwung, ihren elementaren Rhythmen, ihrem melodischen Reichtum, ihrer schlichten echten Gemütstiefe und ihrem beglückenden Wohlklang.

Ein Freude von Anfang an

Mit überschäumender Frische, gepaart mit unverhohlener Begeisterung eröffnete der Kopfsatz, ein überschäumendes „Allegro con fuoco“ diesen denkwürdigen Abend, mit dem sich die vier grandiosen Musiker des Mozart Piano Quartet souverän in Szene setzten. Es war von Anfang an eine wahre Freude, diesen vier kongenialen Musikern ins Reich der eigenwilligen Klänge des tschechischen Nationalkomponisten zu folgen. Im „Lento“ offenbarte sich unüberhörbar Dvoraks Vorliebe für das Cello, das voller Gefühl die herrlichste Kantilene Schubert’scher Prägung in Ges-Dur offenbarte, effektvoll der dritte Satz, eine graziöse Tanzweise mit einem ausgedehnten Trioteil in drängender rhythmischer Bewegung, bevor dann das eruptive Finale in fast durchgängigem fortissimo mit seinem furiosen Schlussteil effektiv die Konzertpause einleitete.

Verhältnis zwischen Künstlern und Mächtigen

Danach erklangen die Früchte einer wunderbaren Lehrer-Schüler Beziehung von fast literarischer Bedeutung. Ferdinand Ries, einer der begabtesten Schüler von Ludwig van Beethoven, arrangierte dessen dritte Sinfonie op. 55, die „Eroica“ für Klavierquartett. Als begnadeter Pianist wusste Ferdinand Ries natürlich das Klavier perfekt in Szene zu setzen, und so erklang dieses monumentale Meisterwerk, das Beethoven ursprünglich Napoleon Bonaparte widmen wollte, schon zu Lebzeiten des Komponisten. Dass Beethoven diese Widmung wieder zerriss, als Napoleon sich politisch anders verhielt, als Beethoven es erwartet hatte, schafft auch Parallelen zu den heutigen Verhältnissen zwischen Künstlern und den Mächtigen dieser Erde.

Beeindruckende mystische Tiefe

Aber hier erklang dieses Kleinod im Mikrokosmos von Klavier, Geige, Bratsche und Cello unprätentiös und frei von aller politischen Stimmungsmache ganz im Geiste der klaren Diktion Beethoven’scher Klangwelten. Gebannt lauschte das Publikum den ungewohnten und doch so vertrauten Klängen dieser berühmten geschichtsträchtigen Sinfonie. Beeindruckend und von mystischer Tiefe der innigste Trauermarsch der Musikgeschichte, dessen dramatische Motivik jeweils vom Klavier vorgestellt wurde. Und so bewegte sich der imaginäre, dunkel gewandete Leichenzug würdevoll durch die späte Abendstunde, und das gebannt lauschende Auditorium im Festsaal des Bonndorfer Schlosses lauschte fasziniert den leidenschaftlich eruptiven Klängen des Mozart Piano Quartet mit Paul Rivinius (Klavier), Mark Gothoni (Violine), Hartmut Rhode (Viola) und Peter Hörr (Violoncello).

Das „Allegro molto“ eröffnete wie ein Blitz aus heiterem Himmel den überaus wirkungsvollen Schlusssatz „Allegro molto“, das sich unmittelbar daran anschließende Pizzikatogeplänkel leitete stimmungsvoll über zu Beethovens liebstem Thema. So erfuhr der Abend einen krönenden Höhepunkt im virtuosen Miteinander des weltweit gefeierten Mozart Piano Quartet.