Das Bonndorfer Schlossfest ist eines der Aushängeschilder der Löwenstadt: Es wird mit seinem Programm rund um das Schloss herum in diesem Jahr zum 36. Mal Tausende Fans nach Bonndorf anlocken. Bewirtet werden die Gäste von rund 20 Vereinen. Diese zeigen seit Jahrzehnten zusammen mit ehrenamtlichen Helfern die Begeisterung für das große Fest, die es braucht, um den Gästen ein schwarzwaldechtes Wohlfühlklima zu bescheren. Sie sind nach all den Jahren auch so versiert, dass Pannen im Ablauf kaum zu erwarten sind.

Martin Sedlak bei der Organisationsarbeit für das Musikprogramm des Bonndorfer Schlossfests. Als Vollblutmusiker hat er den Vorteil, dass er praktisch alle Musiker kennt, die er bucht.
Martin Sedlak bei der Organisationsarbeit für das Musikprogramm des Bonndorfer Schlossfests. Als Vollblutmusiker hat er den Vorteil, dass er praktisch alle Musiker kennt, die er bucht. | Bild: Gudrun Deinzer

Das Schlossfest ist auch ein Festival der Musik. Seit einer Dekade ist es Martin Sedlak, der für das Musikprogramm verantwortlich zeichnet. Von allen, die ihn kennen, wird er „Flake“ genannt. Martin Sedlak ist Menschenfreund – das Siezen, so sich jemand dazu versteigen sollte, verbietet er bei der ersten Begegnung. Im Schlossfest-Organisationsteam, das erst seit diesem Jahr seinen Dienst für all die Vereine als eigenständiger Verein versieht, wird Flake liebevoll „Musikdirektor“ genannt.

Tänze von Trachtenträgern gehören zum Festprogramm dazu.
Tänze von Trachtenträgern gehören zum Festprogramm dazu. | Bild: Daniele Schüle

Tatsächlich spielt der Ur-Schwarzwälder selbst seit bald vier Jahrzehnten Trompete, dann spielte er die Tuba und Tenorbariton, längst ist die Bassgitarre hinzugekommen und auch das Alphorn – das spielt er, wenn es sein muss, auch im Liegen. „Wenn man ein Blasinstrument spielen kann, kann man auch Alphorn spielen“, meint er lässig dazu. In nicht weniger als drei Formationen ist er ständig aktiv.

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Die Formation Most (Musik ohne Strom) ist eine davon. „Wir sind ein ‚cooler Hufe‘“, sagt er zu dem knappen Dutzend gestandener Mannsbilder, alle mit einem ganz eigenen Platz im Leben versehen. Mit stets sicht- und hörbarem Spaß musizieren sie überall dort, wo Menschen sich gerne niederlassen und das Leben feiern. Bei ihnen, meint Flake, sei er „Mädchen für alles“, was neben dem Musizieren mit Bariton, Bassgitarre oder Alphorn beispielsweise das „booking“ (deutsch: das Buchen) einschließt.

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Die Tuba spielt er bei Flara Clara Blech & Wo. Die Gruppe beschreibt sich selbst mit den Adjektiven „klein, fein, blechig“, bringt aber mit ihrer guten Hand voll Musikern ganze Bierzelte voll Besuchern in Wallung. Das Erfolgsrezept besteht aus „feurigen Polkas, rasanten Märschen und rhythmisch nicht ganz ungefährlichen Stücken“. Als Dirigent leitet Martin Sedlak die Trachtenkapelle Göschweiler. Ab und zu mischt er beim Löffinger Duo Kaltenbrunn mit und natürlich macht er Aushilfsmusikereinsätze, etwa bei der Blaskapelle Grünwald-Holzschlag.

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Mit Sohn Linus übt er gern gemeinsam – und auch schon mal anstatt eines Sonntagsfrühstücks. „Da lerne ich auch etwas, in der Musik lernt man eigentlich ständig“, meint er. Und auch der Sohn hat längst selbst eine eigene Kombo – die „Schwarzwälder Lusbuebe“. Musik gehört in der Familie zum guten Ton. „Ich höre eigentlich ständig Musik im Radio“, sagt Flake. Auch Klassik führt er sich ab und an gern zu Gemüte.

„Musik macht man miteinander“

„Seine Musik“ sei aber vor allen Dingen klassische Blasmusik im böhmisch-mährischen Stil, „mit viel Lebensfreude selbst gemacht“, oft nächtelang bei Veranstaltungen im Wechsel mit Kollegen. „Fußball spielt man gegeneinander, Musik macht man miteinander.“ So beschreibt Flake das Verhältnis der Musiker der gesamten Region. Von dieser Erkenntnis zum Schlossfest-„Musikdirektor“ sei es dann, nach den gut 40 Auftritten, die Martin Sedlak jährlich selbst als Musiker stemmt, eigentlich nur noch ein kleiner Schritt. „Die meisten verstehen mich auch bestens, wenn ich sage, dass wir uns nicht Unendliches leisten können“, sagt er. Schließlich gelte dies für die Veranstaltung der Vereine, die ehrenamtlich geführt werden. „Das versteht jeder, denn die sind ja alle auch in Vereinen aktiv.“

Bands kommen gern

Die Breitenwirkung des Bonndorfer Schlossfests sei enorm, weshalb viele Bands gerne dort auftreten. So sei auch die Position von der anderen Seite, eben nicht als Musiker, sondern als Veranstalter, gut auszufüllen. Diese Organisationsarbeit als „Musikdirektor“ ist auch eine Art Netzwerkarbeit, die sicher nicht zuletzt deshalb alle Jahre wieder bei schmalem Budget so gut gelingt, weil Martin Sedlak selbst, wo es irgendwie geht, anderen Veranstaltern entgegenkommt.

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So hat sich das Schlossfest auch zu einem Musikfest ausgeweitet, für das er ein rundes Dutzend Formationen über zwei Tage geschickt bucht. „Am Anfang mache ich mir ein paar Notizen, auf welcher Bühne man was wann bieten könnte, damit sich alles gut ergänzt“, erläutert er. Dann sei viel Organisationsarbeit mit Verhandeln, Terminieren und vielen Telefonaten gefragt. „Das mache auch ich natürlich nicht einfach in einer Stunde nebenher.“ Über eine Ergänzung der anderen Art, die am Schlossfestsamstag vom Kulturverein Folktreff auf einer vierten Bühne beigesteuert wird, freut er sich. „Das ist doch toll: Vier unterschiedliche Musiken auf vier Bühnen an einem Abend – danach muss man lange suchen und viel Eintritt zahlen.“

Der Termin: Das Schlossfest Bonndorf findet am Samstag und Sonntag, 27. und 28. Juli, statt.