Lars Winter ist kein Elfenbeinturmsitzer. Viel lieber geht der Schriftsteller auf Lesereise, tauscht sich mit seinen Lesern aus und gewährt Einblick in die handwerklichen Grundlagen eines Kriminalromanautoren. So war es auch vor Kurzem, als Uwe Meyer, wie der Autor im richtigen Leben heißt, im Rahmen einer Autorenlesung vor 30 Krimifreunden im Schloss Bonndorf Auszüge aus „Glühwein, Mord & Spekulatius“ sowie weiteren Büchern vortrug und Hintergründe darlegte.

„Wir haben Punsch und Spekulatius, Sie die Morde“, begrüßte Flora Jägler vom Leitungsteam der Bücherei ihren Gast. Doch bleiben wir bei Lars Winter, denn als solcher bringt der 61-Jährige seine düsteren Gedanken zu Papier. Er schreibe gerne über starke Frauen, finde aus Sicht des Mannes den Blickwinkel auf Frauen äußerst interessant und weigere sich, über Pädophile zu schreiben. „Diesen Leuten muss man kein Denkmal setzen“, sagt er unmissverständlich. Vielmehr befasse er sich gerne mit der Beziehung zwischen Mann und Frau, die jede Menge Stoff für spannende, rachsüchtige oder blutrünstige Geschichten liefere.

So auch die Beziehung zwischen Melanie und Markus, den Protagonisten seines Krimis „Augen wie Paul New­man“. Diese jedenfalls schauen die vermeintlich schwache, alsdann zum starken Racheengel mutierte Hauptfigur auch noch an, als Markus längst im Baggersee verschwunden war und dort nie mehr auftauchen dürfte. Denn Melanie verfügt über ausreichend anatomisches Wissen, nachdem sie die Dissertation ihres Geliebten getippt hat. Sie weiß, was zu tun ist, damit eine Leiche nicht an die Wasseroberfläche gelangt. „15 Jahre lang habe ich die Idee für diesen Krimi mit mir rumgetragen. Es bereitet mir ein diabolisches Vergnügen, so eine Idee zu Ende zu bringen“, erzählt Lars Winter seinem Publikum in Bonndorf.

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Derweil muss es in einem Krimi nicht immer blutrünstig zugehen. Das zeigt der Autor in seiner Kurzgeschichte „Schokolade ist Gift“, eine der drei prickelnden, sogenannten Kuvertgeschichten aus „Glühwein, Mord & Spekulatius“. Da versucht ausnahmsweise mal ein Mann, mittels Gift seine prekäre Lage zu verbessern. Dumm nur, dass er und seine Frau, anstatt der millionenschweren Adoptivmutter die vergifteten Schokohasen verzehren.

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Doch es gab nicht nur spannende Lektüre an diesem Abend. Lars Winter hatte auch Hintergrundwissen im Gepäck. Etwa, dass in den vergangenen fünf Jahren in Deutschland durchschnittlich 300 Morde pro Jahr festgestellt wurden. Oder wie 1929 die 20 Regeln für einen Kriminalroman zustande kamen und dass sich das Gros der Autoren bis zum heutigen Tag daran hält. „Auf den ersten 40 Seiten sollte der Täter auftauchen, der Leser muss immer dieselben Informationen haben wie der Detektiv. Auch dürfen keine unbekannten Gifte eingesetzt werden“, klärte der Autor sein Publikum auf. „Beim Thriller hingegen ist man an nichts gebunden.“

Wobei es manchem Bücherfreund gleichgültig sein dürfte, ob er einen Krimi oder Thriller liest – Hauptsache spannend. Zumal sich gerade die dunkle Schlecht-Wetter-Jahreszeit bestens für Lektüre eignet, die den Atem stocken und Kribbeln im Bauch spüren lässt. Mit einem kurzen Auszug aus „September Spiele“ entließ der Autor sein Publikum. Der eine oder andere Besucher dürfte es nun kaum erwarten können, zu erfahren, wie es mit der jungen Frau, die in stockdunkler Nacht im Maisfeld ihrem Peiniger zu entkommen versucht, weitergeht.