Man sieht es ihr wahrlich nicht an. Brigitte Bernhart, geborene Fechtig, wird 90 Jahre alt. Die Frau wollte noch nie einen Rummel um ihre Person, also wird die Feier eher klein ausfallen. Früher „floh“ sie an den Geburtstagen immer zum älteren ihrer beiden Söhne in die Steiermark. Das geht derzeit nicht, da Brigitte Bernhart seit einer Hüftoperation beim Gehen beeinträchtigt ist, also besucht der Sohn dieses Mal die Mutter.

Sie ist der Typ „geradeaus“

Sie ist der Typ „geradeaus“, will kein „Heckmeck“ und beschönigt nichts. „Ich sag‘s halt wie‘s ist, will die Wahrheit immer genau wissen. Damit bin ich zeitlebens gut gefahren“, beschreibt sie sich und ihr Leben. Vom Dorftratsch oder sonstigem Gerede will die Frau nichts wissen, sitzt aber gerne mal vor ihrem Haus auf dem Bänkle und hat es gern, wenn sich jemand unverhofft dazugesellt. Das kommt nicht häufig vor.

Brigitte Bernhart aus Wellendingen wird 90 Jahre alt. Bild: Martha Weishaar
Brigitte Bernhart aus Wellendingen wird 90 Jahre alt. Bild: Martha Weishaar

„Do kumm i mir vor wie en vulorene Pfennig“, sagt sie im Hinblick auf die Betriebsamkeit der Zeit. Kritisch verfolgt sie das Weltgeschehen, wundert sich zuweilen über die große Politik und fragt sich gelegentlich: „Meine die do obe, mir sin bled?“ In Wellendingen ist sie geboren und aufgewachsen. Der Vater war Sattlermeister, fertigte noch von Hand „Kummet“ für Pferde und Kühe an. Nebenbei betrieb man eine kleine Landwirtschaft.

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Zu arbeiten gab es genug, sei es daheim, beim Tännlesetzen, als Verkäuferin oder in der Fabrik. Rückblickend sagt sie: „Mir war keine Arbeit zu viel, man kannte ja nichts anderes.“ Wie seinerzeit üblich besuchte sie nach der Volksschule die Kochschule in Bonndorf. Nach dem Krieg herrschte Knappheit, dementsprechend überschaubar war, was es überhaupt zu kochen gab.

Zufrieden mit dem Leben

Brigitte Bernhart ist mit ihrem Leben zufrieden, würde alles wieder genau gleich machen. Sie hatte mehr als 50 wunderbare Jahre mit ihrem Mann Hubert. 1954 hatten sie geheiratet, vor zehn Jahren starb ihr Mann. Gegen dessen Willen arbeitete sie bis zum Rentenbeginn bei Studer-Revox, nachdem die Söhne erwachsen und aus dem Haus waren. Nun, mit 90, ist sie vor allem eines – dankbar. Dafür, dass sie jeden Morgen allein aufstehen und sich weitestgehend selbst versorgen kann, vor allem aber für ihre Familie.

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Ihr Sohn Martin, dessen Frau und vier Kinder kümmern sich und lassen die Oma im Alltag spüren, wie sehr sie sie schätzen. Und wenn es ihr einmal nicht so gut geht, setzt sich Brigitte Bernhart auf ihre Eckbank und betet ein „Vater unser“. In die Kirche kommt sie nämlich nicht mehr, seit sie so schlecht zu Fuß ist. Aber da die schönen alten Lieder dort eh „vukasemaduddlet“ sind, vermisst sie das auch gar nicht so arg.