Zur Aktion „Grillen und Chillen“ haben die Bonndorfer Gemeinderätinnen auf den Sportplatz eingeladen. Entwickelt hat sich ein lauschiger Nachmittag mit gut gelaunten Besuchern (zumeist, aber nicht nur weiblichen), die in bestem Einvernehmen das schöne Spätsommerwetter genossen haben. Passenderweise sorgte die Frauenband Miss Moneypenny bald drei Stunden lang mit bester Weltmusik für entspannte Stimmung.

Nach Vergangenheit und Gegenwart folgt nun die Zukunft als Thema

Der Anlass der Veranstaltung war freilich ein Ernster. Es war die dritte Bonndorfer Veranstaltung, die die Gemeinderätinnen im Rahmen des Frauenaktionsjahrs im Landkreis Waldshut angeboten haben. Ausgerufen wurde dieses Jahr zum Gedenken an den 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts in der Republik. Nach Vergangenheits- und Gegenwartsbeleuchtung in den vorherigen Veranstaltungen, wollte man nun die Zukunft in den Blick nehmen. Dazu trug Petra Kaiser bei, die Auskunft gab über die digitale Zukunft der Stadt. Kaiser ist seit 2000 Chefin der Touristinformation und seit 2017 parallel dazu Marketingbeauftragte für das ortseigene Glasfasernetz.

Sich auskennen in "männlicher" Thematik

Sich in eine techniklastige und – entsprechend dem allgemeinen Gefühl – immer noch eher männliche Thematik einzuarbeiten, sei nicht nur für sie eine Selbstverständlichkeit gewesen. „Es waren bestimmt 50 Prozent Frauen, die zu mir ins Rathaus gekommen sind und die Anträge abgegeben haben“, berichtete Petra Kaiser. Mit kompetenten Fragen hätten diese Frauen viel technisches Verständnis gezeigt.

Wünsche von Frauen in Bonndorf

Visionen für die Zukunft forderte Gemeinderätin Mechthild Frey-Albert von den Gästen ein – auf zur bunten Dekoration angebrachten Luftballons sollten sie Wünsche an Bonndorf für die Zukunft anbringen. Das wurden auch zunehmend mehr. Sie reichten vom Nachtbus aus Freiburg nach Bonndorf über einen deutlich besser ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr bis hin zu einem Café, einem Kino und einem Gymnasium.

<strong>Zufrieden: I</strong>rene Behringer, Eva Dietsche, Mechthild Frey-Albert, Heidi Saddedine, Petra Kaiser (Breitband) und Patricia Schwanke-Kech (von links) freuen sich über gute Stimmung bei der Aktion „Grillen und Chillen“.
Zufrieden: Irene Behringer, Eva Dietsche, Mechthild Frey-Albert, Heidi Saddedine, Petra Kaiser (Breitband) und Patricia Schwanke-Kech (von links) freuen sich über gute Stimmung bei der Aktion „Grillen und Chillen“. | Bild: Gudrun Deinzer

„Frauen stellen 50 Prozent der Bevölkerung, sie sind aber in den Gremien und in öffentlichen Ämtern weiterhin unterrepräsentiert“, fasste Gemeinderätin Mechthild Frey-Albert im Gespräch mit dieser Zeitung zusammen. „Wir Frauen sollten allgemein in der Öffentlichkeit mehr mitmischen.“ Geschäftsfrau und Gemeinderätin Patricia Schwanke-Kech konstatierte, dass man als Frau nach wie vor mehr Energie in ein Ziel stecken müsse, um es zu erreichen. „Bei diesen Veranstaltungen war es schön, zu erleben, welche Frauen mit Interesse teilgenommen haben“, so Schwanke-Kech.

Positives Resümee

„Es sind immer mehr Besucher gekommen, als wir erwartet haben, und ich würde mich freuen, wenn sich auch mehr für die Wahlen aufstellen lassen“, resümierte Gemeinderätin Heidi Saddedine. „Die Veranstaltungen waren toll, jede anders. Bei der ersten war ich überwältigt vom Besuch, die zweite war inhaltlich sehr gehaltvoll und diese nun ist sehr entspannt und den Leuten gefällt es“, meinte Rätin Irene Behringer.

Frauen sollen Einfluss nehmen

„Ich glaube, dass auch uns Damen im Gemeinderat die Veranstaltungen gut getan haben. Und natürlich finde ich es wichtig, dass Frauen maßgeblich Einfluss nehmen im Leben“, fasste Marie-Luise Adler den Veranstaltungsreigen zusammen. „Ich war durchaus skeptisch, aber ich habe mich mitreißen lassen und denke, wir haben unser Anliegen gut sichtbar gemacht. Sich in ein Amt wählen zu lassen, tut nicht weh. Das könnten viel mehr, dazu braucht es vor allem einfach gesunden Menschenverstand“, meinte Gemeinderätin Eva Dietsche zum Abschluss.

<strong>Interessiert: </strong>Auch Fußballer mischten sich nach ihrem Spiel unter die Gäste.
Interessiert: Auch Fußballer mischten sich nach ihrem Spiel unter die Gäste. | Bild: Gudrun Deinzer

Anette Klaas, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, lobte die Bonndorfer Frauen für ihr stets großes Engagement. Die Frage, ob die Fokussierung auf Frauenrechte anno 2018 nicht etwas aus der Zeit gefallen sei, weil Frauen heute selbstbewusst und gleichberechtigt seien, verneint sie entschieden: „Ich bin heute im Alltag immer wieder damit beschäftigt, die Rechte, die wir in 100 Jahren erkämpft haben, einzufordern.“ Die oft schwammige Forderung von gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit etwa, präzisiert sie: „Es geht um gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit.“ Es seien nach wie vor Frauen, die beruflich zurücksteckten für die Familien, sei es für Erziehung der Kinder oder die Pflege von Angehörigen. „Dass diese Frauen dann im Alter wesentlich schlechter gestellt sind als männliche Kollegen, ist ungerecht.“