Bonndorf hat sich in den vergangenen Jahren im gewerblichen Bereich dynamisch entwickelt. Der Bestand an gewerblichen Bauflächen ist aufgebraucht, weitere Nachfragen aus Industrie und Handwerk sind bei der Stadtverwaltung jedoch schon eingegangen. Eine Erweiterung des Gewerbegebietes „Im Breitenfeld„ ist deshalb vorgesehen. Weitere 13,07 Hektar Fläche sollen für die gewerbliche Entwicklung der Stadt zur Verfügung gestellt werden.

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Um die rechtlichen Voraussetzungen für diese neue Gewerbeentwicklungsfläche zu schaffen, ist eine Änderung des Flächennutzungsplans (FNP) nötig. Der neue Planentwurf, der auch Änderungen auf Wutacher Gemarkung beinhaltet, wurde in der jüngsten Sitzung des gemeinsamen Ausschusses der Verwaltungsgemeinschaft Bonndorf-Wutach beraten.

Neues Gewerbe bringt neue Arbeitsplätze

Neue und expandierende Gewerbebetriebe bringen auch neue Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze. Die vom Landkreis Waldshut herausgegebene „Statistik 2018 – Bevölkerung und Wirtschaft“ belegt das für Bonndorf eindrucksvoll anhand von Zahlen. Allein vom 30. März 2016 bis zum 30. Juni 2017 war demnach ein Anstieg von 171 versicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern am Arbeitsort Bonndorf zu verzeichnen. Diese Entwicklung sei auf die Neugründung beziehungsweise Expansion von Unternehmen zurückzuführen.

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Und der gewerbliche Faktor wirkt eben auch entscheidend mit, die Attraktivität der Stadt und ihrer Infrastruktureinrichtungen aufrecht zu erhalten und weiter zu entwickeln. Derzeit seien alle für eine Gewerbeansiedlung vorgesehenen Flächen in Bonndorf bebaut, verkauft oder reserviert, gab Bürgermeister Michael Scharf in der Sitzung bekannt. Die Ausweisung neuer Flächen sei von daher enorm wichtig, ansonsten bestehe die Gefahr, dass Unternehmen Teile ihres Betriebes auslagern oder ganz abwandern.

Weitere 13,07 Hektar ausweisen

Vorgesehen ist nun, im Anschluss an das bestehende Gewerbegebiet Im Breitenfeld in Richtung Münchingen weitere 13,07 Hektar Land als gewerbliche Baufläche zur Verfügung zu stellen. Die Fläche wird derzeit landwirtschaftlich genutzt. Im Umweltbericht zur Flächennutzungsplanänderung wird diese Planung begrüßt, „dem Ausbau dieses Standorts ist unbedingt der Vorzug vor jeder anderen potenziell möglichen Entwicklungsfläche einzuräumen“.

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Ursprünglich war im Flächennutzungsplan noch eine weitere gewerbliche Baufläche „Berg“ in Bonndorf vorgesehen: 3,29 Hektar Land im Anschluss an den Recyclinghof waren für Gewerbeansiedlungen eingeplant. Diese Fläche wurde nun im Flächennutzungsplan gestrichen. Die zusammen mehr als 16 Hektar Gewerbefläche für Bonndorf hätten die Behörden als zu viel angesehen, gab Michael Scharf bekannt.

Situation in Wutach

Was die Gemeinde Wutach betrifft, ist im Flächennutzungsplan eine kleine Gewerbefläche südlich der L 171 am Ortseingang von Ewattingen (aus Richtung Bonndorf) ausgewiesen. Eine Teilfläche davon mit knapp einem Hektar soll gestrichen werden. Weiterhin Bestand hat ein 0,44 Hektar großes Grundstück, das direkt südlich an die Landstraße angrenzt. Um aber in Ewattingen eine Gewerbeentwicklung zu ermöglichen, wird mehr Fläche benötigt. Neu in den Flächennutzungsplan als gewerbliche Baufläche aufgenommen wird der Bereich „Vor Gärten“, eine direkt gegenüberliegende 1,64 Hektar große Fläche nördlich der L 171.

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Die genannten Änderungen im Flächennutzungsplan passierten bereits eine frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenanhörung. In der Sitzung der Verwaltungsmeinschaft Bonndorf-Wutach wurde der Planentwurf nun einstimmig gebilligt, der Beschluss zur erneuten Offenlage gefasst. Wie Nicole Messerschmid, Bauamtsleiterin in Bonndorf, erläuterte, muss das Planwerk nun noch einmal die Behördenrunde passieren, bevor dann ein endgültiger Änderungsbeschluss gefasst werden kann. Letztendlich braucht es dann noch eine Genehmigung des Landratsamtes.

Ackerland geht verloren

Im Vorfeld der Beschlussfassung durch den gemeinsamen Ausschuss löste Ausschussmitglied Erhard Graunke (Wutach) noch eine interessante Diskussion aus. Ohne die nun neu ausgewiesenen Gewerbeflächen kritisieren zu wollen, sprach Graunke doch das Thema Flächenverbrauch an, insbesondere die Tatsache, dass wertvolles Ackerland für immer verloren gehe. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, meinte der Wutacher Gemeinderat. Und Graunke holte noch weiter aus: Mit Blick auf den Klimawandel sah er nicht nur die derzeitigen großen Probleme des Waldes, er war sich auch sicher, dass Trockenheit und Hitze auch der Landwirtschaft schwer zu schaffen machen werden. Auch die Landwirtschaft werde sich verändern müssen, meinte er und fügte an: „Wir brauchen mehr Respekt vor der Natur.“

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Dass der Flächenverbrauch für Wohn- und Gewerbeentwicklung negative Aspekte für die Landwirtschaft mitbringe, dies stellte in der Runde niemand in Frage. Dieses Spannungsfeld stelle alle Kommunen vor große Herausforderungen, sagte Michael Scharf. Einerseits brauche man gesunde landwirtschaftliche Betriebe, andererseits müsse aber auch dem Wunsch nach Wohnraum und einer gewerblichen Entwicklung Rechnung getragen werden. Und der Wutacher Bürgermeister Christian Mauch merkte dazu noch an: In Bezug auf Wohnraum habe man in Wutach stark auf eine Innenentwicklung gesetzt, um Flächen zu sparen. Ernüchternd sei allerdings gewesen, dass die allermeisten Grundstücksbesitzer nicht bereit sind, ihre Flächen zu verkaufen, oder zusätzlichen Wohnraum in den bestehenden Gebäuden zu schaffen.

Was die geplanten Gewerbeflächen in Bonndorf betrifft, ergänzte Scharf, dass die Stadt alle Flächen erworben habe. Eine Erschließung des neuen Gebietes werde schrittweise erfolgen.