Bonndorf wird unerwartet zum Nabel der regionalen Verkehrserziehung. Bis vor Kurzem war klar: Die Radfahrausbildung wird nach dem Schuljahr 2018/19 nicht mehr auf dem Schulhof der Grundschule des Bildungszentrums Bonndorf (BZB) stattfinden können. Eine Verwaltungsvorschrift des Landes strebt landesweit nach Abschaffung der dezentralen Strukturen. Für Bonndorf gibt es nun eine Ausnahme. Beim Waldstadion darf ein Übungsplatz samt Verkehrskreisel eingerichtet werden – mit Segen des Polizeipräsidiums.

Zwei Standorte im Landkreis

Der Landkreis Waldshut hat bereits zwei Standorte der Jugendverkehrsschule im Blick – Wutöschingen und Bad Säckingen. Bonndorf darf auf dem Parkplatz beim Waldstadion einen sogenannten Schonraum – eine stationäre Jugendverkehrsschule – einrichten, allerdings ohne Ampelbetrieb. Zu verdanken ist dies einem Vorstoß von Stadt- und Kreisrat Ingo Bauer sowie Bürgermeister Michael Scharf. Bernhard Müller vom Referat Prävention im Polizeipräsidium Freiburg hat Ingo Bauer bereits grünes Licht zur Umsetzung des Projekts gegeben.

Zum Schuljahresende 2018/19 war das Aus der Schonräume auf Schul- und Pausenhöfen beschlossene Sache. Rund 1,5 Millionen Euro muss der Landkreis aufbringen, um zwei Gelände bei Wutöschingen und Bad Säckingen einzurichten, die den Sicherheitsbestimmungen der „Verwaltungsvorschrift des Innenministeriums und des Kultusministeriums zur Radfahrausbildung“ gerecht werden, erläuterte Bauer. An Zuschüssen seien 60 000 Euro zu erwarten.

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Es sei zwar nachvollziehbar, dass der Landkreis die Radfahrausbildung für die Kommunen regeln soll, so Ingo Bauer, allerdings sei es der damit verbundene Aufwand für das BZB nicht. Man stelle sich vor, die Schüler der Grundschule und des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) müssen per Bus eine kleine Weltreise unternehmen, um zu einer der Jugendverkehrsschulen zu gelangen und dort auf einem Schulungsplatz auf bereitgestellte Räder steigen zu dürfen.

Die bisher geübte Praxis, die beiden ersten Prüfungen in Bonndorf am östlichen Zipfel des Landkreises Waldshut abnehmen zu lassen, sei doch ideal, weil dies den Bedürfnissen der Schüler am besten entgegenkomme. Bonndorf habe das große Glück, einen frisch asphaltierten, ausreichend großen Platz beim Waldstadion und die Infrastruktur (Toilettenanlage und Räume zum Umziehen) vorweisen zu können, argumentierte Ingo Bauer.

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Noch in diesem Frühjahr sei geplant, die Markierung der Übungsverkehrsführung (sogar einen Verkehrskreisel wird es geben) aufzubringen, Verkehrsschilder möchte die Stadt zeitnah anschaffen. Parkordnungsschilder, die Nutzern das korrekte Abstellen der Autos signalisieren, wenn das Gelände gerade nicht als Übungsplatz genutzt wird, lassen das Einzeichnen von Parkflächen obsolet werden. Bei einem Prüfungstag je Schuljahr sei die Zeit, in der der Platz durch Trassierband von der Zufahrt zum Waldstadion abgegrenzt werden muss, überschaubar.

Sollte der Zeitrahmen zur Einrichtung des Schonraums eingehalten werden können, sei eine Abnahme von Prüfungen am BZB noch 2019 denkbar. Die Verkehrswacht Waldshut werde in den nächsten beiden Jahren benötigte Fahrräder für Schüler zur Verfügung stellen, so Ingo Bauer. Er habe Zusagen von Bonndorfer Fahrradhändlern eingeholt, die danach Zweiräder vorhalten wollen. Finanziell sei die Geschichte für Bonndorf stemmbar, erläuterte Ingo Bauer, ohne ins Detail zu gehen. Schulen in der Region können den Platz nach Anfrage bei der Stadtverwaltung in Abstimmung mit der Verkehrswacht Waldshut ebenfalls nutzen.