Ausverkauft war die Veranstaltung des Folktreffs. Und das hatte einen guten Grund. Denn mit Knedl & Kraut gastierten ebenso urbayerische wie urkomische Multitalente auf der Bonndorfer Kleinkunstbühne. Den Geschmack der weit mehr als 220 Zuhörer trafen die Bajuwaren jedenfalls auf den Punkt. Lautstarke Begeisterungswellen attestierten den drei fröhlichen Burschen herausragenden Unterhaltungswert. Einmal mehr zeigte sich hier: Die Abwechslung macht’s.

Nicht nur, dass Toni Bartl, Andy Asang und Juri Lex zahlreiche Instrumente aus dem Effeff beherrschen. Auch mit ihren Gesangsqualitäten punkten die Drei, vor allem aber mit einer Vielfalt höchst origineller Instrumente. Es braucht schon ein gehöriges Maß an Fantasie, um auf derart verrückte Ideen zu kommen.

So werden aus Spazierstock, Saugnäpfen oder Auspuff diverse Flöten, aus Mopedtank, Reservekanister oder Weinkiste Gitarren, aus Waschmittel- und Zahnpastatuben Pfeifinstrumente oder aus einem Abflussrohr ein Didgeridoo geschaffen. 90 solcherlei skurrile Musikinstrumente hat Toni Bartl gebaut. Mit Materialkosten von 76 Mark und 25 Pfennig, wie er sagt. Zwei Dutzend davon kamen auf der Folktreffbühne zum Einsatz.

Erstklassige Panflötenklänge zaubert der kreative Mann aus einer Toilettenpumpe, ein Fünf-Liter-Kanister gerät bei der Melodie von „Il Silcencio“ zum formidablen Reisealphorn und am Autohupenklavier erweist sich der Mann in seiner Krachledernen als profunder Pianist. Allein schon die Bezeichnung der Instrumente – Teekesselgeige, Heugabelgitarre, Zahnpastaocarina – ist dabei Programm.

Kontrastprogramm

Anders dagegen Juri Lex, den seine Kumpels nur den „Lehrer“ nennen. Der vornehm gewandete Geigenspieler tritt den Beweis an, dass es zuweilen gar keiner fremden Materie für ein Instrument bedarf. Allein zwei Hände funktionieren beim „Hummelflug“ als Handorgel und liefern nach rasanter Tonfolge mit der „Biene Maja“ am Ende auch noch den versprochenen Bienenstich.

Die Auswahl der Musikstücke ist bei Knedl & Kraut ebenso illuster wie die ihrer Instrumente. Da lebt Andy Asang sein Faible für Schlager aus, indem er beim urigen Potpourri „Fanta Maria“, „Anita“ oder dem „knallroten Gummiboot“ von Sabines aufgespritzten Lippen huldigt. Und das nicht nur am Kontrabass mit seinen wunderbar weiblichen Formen.

Im nächsten Moment nimmt Andy Asang das Publikum als Tubi-Bubi auf die Petersburger Schlittenfahrt mit. Juri Lex hingegen entführt mit virtuosem Geigenspiel von Rossinis „La Gazza Ladra“, Bizets „Carmen“ oder Montis „Czardas“ in die Welt der Klassik. Dazwischen gibt es eins ums andere Mal urbayerische Bierzeltmusik mit Toni Bartl an der Steirischen Handharmonika. Letzterer entlockt der Weltmeister gelegentlich drei Melodien auf einmal.

Stilmix sorgt für Unterhaltung

Im fulminanten Wechsel gerät dieser bunte Stilmix zu erstklassiger Unterhaltung. Zumal die sympathischen Burschen zu jedwedem Stück die passend humorvolle Geschichte daher blödeln. Sei dies englischen Kochkünsten gewidmet, wo der Schweinsbraten wie eine Saunaaufguss schmeckt, oder Onkel Erwins fragwürdigen Artenschutzmaßnahmen. Der Autowerkstattbesitzer züchtet nämlich Marder, die er regelmäßig auswildert. Was sich schließlich nicht schlecht auf den Umsatz auswirkt. Sprachlich hatte das Schwarzwälder Publikum mit den Bajuwaren keinerlei Schwierigkeiten. Sogar der Englisch-Crash-Kurs kam gut an. „Window climbing“ bei Mary, die „much Wood before the House“ hat, versteht halt ein jeder.

Dass Andy Asang das Programm mit ausgemusterten Zaubertricks seines Presssack-Freundes David Copperfield anreichert und am Ende die Geschichte des Engels Aloisius in vier Sprachen (Bayerisch, Sächsisch, Wienerisch und Schwäbisch) zum Besten gibt, rundet das kurzweilige Bühnenspektakel gut ab. Die drei Bayern verstehen offenbar ihr Kleinkunsthandwerk. Die sympathischen Pfundskerle werden nach ihrer Schwarzwaldpremiere bestimmt bald wieder einmal gefragt sein im Südwesten des Landes.