Frank Eggert ist der einzig verbliebene Vollerwerbslandwirt in Gündelwangen. Auf die Art und Weise, wie er seine 65 Hektar Fläche bewirtschaftet, lässt sich heute allerdings keine Familie mehr ernähren. Noch vor einigen Jahrzehnten wäre das eine gute Existenzgrundlage gewesen.

16-Stunden-Tage

„Ohne Subventionen wäre bei mir schon längst Feierabend“, sagt der 50-Jährige. Seine Frau Angelika verdient mit einer 60-Prozent-Stelle dazu. So eine Teilzeitstelle hört sich vielleicht entspannt an. Aber Angelika Eggert leistet einen 16-Stunden-Tag, um Haushalt, Job und Mithilfe in der Landwirtschaft zu bewerkstelligen. Es geht nur gemeinsam. Auch die drei erwachsenen Kinder helfen mit, die Jungen eher bei der Feldarbeit mit dem Traktor, Tochter Michaela eher im Stall.

Frank Eggert aus Gündelwangen würde seinen Beruf als Landwirt nicht tauschen wollen, er schätzt vor allem die Selbstbestimmung, Freiheit und Abwechslung.
Frank Eggert aus Gündelwangen würde seinen Beruf als Landwirt nicht tauschen wollen, er schätzt vor allem die Selbstbestimmung, Freiheit und Abwechslung. | Bild: Martha Weishaar

Bei Eggerts wird noch mit einer altmodischen Melkmaschine mehr oder weniger manuell in Kannen gemolken. Bei elf Milchkühen dauert das eine Stunde. Hochleistungskühe mit 10 000 Kilogramm Milchleistung jährlich stehen bei ihnen nicht im Stall. Sie sind froh, wenn ihre Kühe 6000 Kilogramm im Jahr geben. Der Preis für den Liter Milch liegt momentan bei 39 Cent. Bis weitere neun Mutterkühe, zwei Dutzend Stück Jungvieh, zwölf Schweine und die zwei Pferde versorgt sind, steht das Ehepaar morgens und abends jeweils zwei Stunden im Stall.

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Das Getreide für seine Tiere baut Frank Eggert auf zehn Hektar Ackerfläche überwiegend selbst an. Nur Soja für die Schweine kauft er zu – wegen des Eiweißgehaltes. Ein halbes Jahr lang stehen die Schweine bei ihm im Stall, und damit beinahe doppelt so lange wie in modernen Mastbetrieben.

Langsame Mast für höhere Fleischqualität

Verbraucher wissen das zu schätzen, schlägt sich die langsame Mast der Tiere doch in der Fleischqualität nieder. Im Winter, der Hochsaison für Hausschlachtungen, kann Frank Eggert alle zwölf Schweine mit einem stolzen Schlachtgewicht von 150 Kilogramm an private Abnehmer verkaufen. Wobei die Nachfrage doppelt so hoch ist. Im Sommer landen die Schweine beim Viehhändler. Bei Eggerts selbst kommt fast nur Fleisch aus dem eigenen Stall auf den Tisch.

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Frank Eggert ist Landwirt aus Leidenschaft. Seine Frau Angelika teilt als Quereinsteigerin seine Begeisterung. Was den Beiden jedoch viel Frust bereitet, ist der Wust aus Bürokratie, Vorschriften und Auflagen. Ständig neue Verordnungen, aber auch das Ausweisen weiterer FFH-Flächen engen den Handlungsspielraum ein. Zum Tanken seiner Traktoren muss er nach Bonndorf fahren. Eine Stunde kostet ihn das jedes Mal. „Dauernd ändern sich Zulassungskriterien für Dünge- oder Pflanzenschutzmittel. Manchmal weiß man gar nicht mehr, was man verwenden darf und welcher Wirkstoff wo drin ist“, klagt der Landwirt. Fehler kommen ihn teuer zu stehen, dafür sorgt die „Cross-Compliance“-Verordnung, die Prämienzahlungen mit der Einhaltung von Umweltstandards verknüpft.

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Frank Eggert fühlt sich nicht frei in seinen Entscheidungen. „Wir verbringen viel Zeit am Computer, die uns andernorts wieder fehlt. Und dabei hat man ständig das Gefühl, man ist hinterher“, klagen Angelika und Frank Eggert. Immer wieder falle den Behörden etwas Neues ein, das grenze zuweilen an „Schikane“, so deren Empfingen. Als Beispiel nennen sie das Vermessen der Felder. Obwohl das Landwirtschaftsamt über satellitengestützte Vermessungen exakte Daten habe, müssen Landwirte ihre bewirtschafteten Flächen selbst vermessen. „Die wissen gar nicht, wie die Begebenheiten vor Ort sind. Man hat manchmal das Gefühl, die warten nur drauf, dass man Fehler macht und sie uns wieder etwas abziehen können“, sagt der Bauer. Die Aussicht auf schnelleres Internet in Gündelwangen ist ein schwacher Trost, da sich die Arbeitszeit von täglich bis zu 18 Stunden für eine Antragstellung am Computer künftig verringern könnte.

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Eggerts erwarten nichts Großartiges. Aber dass das Verhältnis von Ausgaben und Einnahmen wieder passt, das würden sie sich schon wünschen. 1500 Euro erlöst Frank Eggert heute für einen Bullen. Sein Vater bekam noch 5000 Mark, aber das ist lange her. Bei Getreidepreisen von 16 bis 18 Euro pro Doppelzentner verfüttert der Landwirt sein Getreide lieber an die eigenen Tiere, anstatt es zu verkaufen. Ganz anders haben sich die Ausgaben entwickelt. So kostete eine Rundballenpresse vor 17 Jahren 26 000 Euro, heute liegt der Preis bei 42 000 Euro. Den Preis für das Pressen konnte Frank Eggert nicht wesentlich erhöhen. Dass die Verbraucher günstige Lebensmittel erwarten, sehen die Eggerts kritisch. Kleine Landwirte sehen sie als Verlierer und sogar als Spielball der Politik. Das sei angesichts der Zuschussregelungen wohl so gewollt.

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Das Ehepaar klagt nicht darüber, dass es eine Sieben-Tage-Woche hat. Zum letzten Mal im Urlaub waren Frank und Angelika Eggert 1994, bevor er den Hof von den Eltern übernahm. Vier Tage konnten sie verreisen. Seither schaffen sie allenfalls mal einen Tagesausflug. „Aber ich bin mein eigener Herr. Die Tiere und diese Lebensweise geben mir auch etwas. Und vor allem habe ich viel Abwechslung“, sagt Frank Eggert. Er würde jederzeit wieder Bauer werden, hätte er die Entscheidung noch mal zu treffen.

Die Landwirtschaft in Bonndorf und unsere Serie

  • Landwirtschaftlich genutzte Fläche: 2449 Hektar, das entspricht etwa einem Drittel der Gemarkungsfläche von Bonndorf.
  • Anzahl der Landwirte: 2016 gab es 63 landwirtschaftliche Betriebe (laut Statistischem Landesamt). Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Vor 20 Jahren waren noch 106 Betriebe aufgelistet.
  • Förderung: Für 75 Betriebe (16 Haupterwerbslandwirte, 59 Nebenerwerbslandwirte) wurden 2018 Anträge für Agrarfördergelder gestellt. Auch sogenannte Landschaftspflegegelder können beantragt werden. Dieser hohe Anteil der Nebenerwerbsstruktur ist problematisch, da viele Flächen extensiv bewirtschaftet werden und sich folglich auch Giftpflanzen vermehren können.
  • Schutzgebiete: 250 Hektar FFH-Schutzgebiet ausgewiesen (knapp zehn Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche). Eine Nachkartierung ist in Arbeit. FFH-Schutzflächen dürfen „im Sinne des Naturschutzes nicht verschlechtert werden“. Wer dagegen verstößt, hat mit drastischen Sanktionen zu rechnen.
  • Pachtflächen: Die hohe Nachfrage an landwirtschaftlicher Pachtfläche führte zu einem Anstieg der Pachtpreise. Mit den aktuell gegebenen landwirtschaftlichen Strukturen können Landwirte kaum wirtschaftlich produzieren.