Bonndorf Band Reach versprüht Freude an der Musik

Gündelwanger Band Reach begeistert bei einem Konzert in der Dorfkneipe. Viel Applaus von 70 Zuschauern für einen bemerkenswerten Auftritt.

Gündelwangen – Sie kommen aus dem Dorf, rocken die Dorfkneipe, das Lamm. Dabei sind sie alles, nur keine Dorfrocker. Reach nennt sich die Band. Was die derzeit drei Jungs, Tim Lossau, Lukas Büche und Stefan Sigwart eint, ist die schiere Freude an der Musik. Und die ist vornehmlich aus der neueren Popgeschichte.

Ganz unverkrampft stellt sich Lukas Büche vor rund 70 Zuschauern ans Mikrofon. Er erhebt seine rauchig-sanfte Stimme und will schon mit dem ersten Lied hoch hinaus, nämlich auf Hollywood Hills (Sunrise Avenue). Das Publikum, durchsetzt mit vielen Freunden und Verwandten der drei Jungs, hatte wohl Positives erwartete. Aber die Erwartungen, hat man den Eindruck, wurden schon bei diesem ersten Titel bei Weitem übertroffen. Als Tim Lossau an der Gitarre und Stefan Sigwart am Schlagzeug nämlich der Tondichtung entsprechend Fahrt aufnahmen, klatschten ausnahmslos alle mit, die letzten Töne verhallten im Jubel. Wirtin Jana Schmelzle rief begeistert: "Die Jungs haben den bisher größten Erfolg."

Wunderkerzenatmosphäre

In der gemütlichen Stube der inzwischen zum Geheimtipp für Musiker und Musikfreunde avancierten Gastwirtschaft, gab's fortan einen Hit nach dem anderen. Für "Behind Blue Eyes" (The Who) etwa, erstaunte der erst 16 Jahre alte Sänger mit einer abgebrühten Reibeisenstimme. Nachdenkliches, wie "Draußen vor der Tür" von den Toten Hosen, "Save Tonight" (Eagle-Eye Cherry) oder Passengers "Let her go" zauberten neben den vielen alten Beatels-Scheiben an den Wänden Wunderkerzenatmosphäre in die Stube.

"Wir spielen was uns gefällt", ist das Motto der Jungs. Ein Konzerthöhepunkt ist der erste eigene Titel von Reach, – "Two Personalities". Tim Lossau hat ihn gemeinsam mit seiner Cousine Chantal Kuttler geschrieben. Er handelt von den guten und schlechten Seiten der Menschen "und wir müssen den Weg da zwischendurch finden", sagt Lossau. Der 20-Jährige hat auch kein Problem, bei den Zugaben, für die schon Gespieltes wiederholt werden muss, seine Mutter zu danken, die arbeiten musste und zu Beginn nicht da sein konnte. "Das spielen wir noch mal für meine Mama, die hat es noch nicht gehört", meint er selbstbewusst. Kurios auch die Zugaben-Forderungen: Sie mündeten vom Skandieren von "Einer geht noch, einer geht noch rein." Damit konnte der Fanclub gewissermaßen auch auf andere wichtige Gündelwanger Vereine hinweisen – die Räuberzunft und den Narrenrat. An diesem Abend aber waren sie alle in Fan-T-Shirts "ihrer Gruppe" da. Diese gibt es, konnte man ebenso erfahren, "Bei meiner Mam, der Bille", erzählt Tim Lossau.

Auf der Bühne macht er den Erzähler, bedenkt die Bandkollegen, die nicht da sind, mit einem Gruß. Jakob Heini (Bass) sei derzeit noch in Neuseeland und Sängerin Angelika Popow (Gesang) studiere in Stuttgart. Eben darum sei man nun mit dieser kleinen Besetzung hier. Und dann gibt Lossau die unwahrscheinliche Geschichte, wie Lukas Büche zur Band kam zum Besten. Sängerin Angelika sei erkrankt gewesen, habe keine Stimme mehr gehabt. Die Band sollte aber beim Herbstfest der Schule auftreten, zwei Tage später.

"Der hat dann alle Lieder eingepaukt, das war nicht einfach", meint er trocken über Lukas Büche. Und seither ist der dabei. "Ich habe eigentlich immer gesungen", erklärt Lukas Büche, dann im off, nach dem Konzert. Und Stefan Sigwart bestätigt: "Wir sind verwandt und im gleichen Dorf aufgewachsen. Immer wenn man Lukas gesehen hat, hat er gesungen." So sei man überhaupt auf die Idee gekommen, ihn zu fragen.

"Vor dem ersten Ton möchte ich am liebsten wegrennen, aber wenn die ersten Töne stimmen, achtet man nicht mehr drauf", so Tim Lossau über die Aufregung vor einem solchen Konzert. Sie alle seien Autodidakten erläutert Stefan Sigwart, der sein Schlagzeug fraglos beherrscht, Trompete spielen aber gelernt hat. Dennoch wirken sie wie Bühnenprofis, konzentriert, aber gelassen und auch zu spontanen Scherzen bereit. Sänger Lukas Büche hat, wie ein alter Hase, seine Stimme im Vorfeld mit Kamillentee und Honig geölt. Ihm lässt man bezüglich des Repertoires wohl weitgehend freie Hand.

Das kam beim Konzert jedenfalls zutage, denn ausnahmslos alle Lieder waren "Wunschtitel vom Lukas". Zwar kann er auch rockige Passagen. "Ich singe aber lieber die zarten Lieder, damit kann man die Menschen mehr berühren", meint Lukas Büche. Es soll noch viele Konzerte geben, finden alle. Für Geburtstage oder Hochzeiten, könne man sie schon buchen. "Da geht es nicht ums Geld, sondern um die Freude am Spielen", sagt Stefan Sigwart. Damit nennt er ein Bandziel, das andere sei, diese Freude an der Musik weiterzugeben. An diesem Abend ist ihnen das auf alle Fälle gelungen.

Bildergalerie im Internet: www.suedkurier.de/bilder

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