„Dunker bewegt vor allen Dingen auch die Herzen“, sagte Bürgermeister Michael Scharf zur Einweihungsfeier des Aufzugs für Levin Banholzer. Für den Siebenjährigen, erkrankt an der seltenen myotubulären Myopathie, die ihn lebenslang an den Rollstuhl bindet, hatte der Bonndorfer Motorenhersteller zur Benefiztour 2015 aufgerufen. An drei Tagen, in denen sich die gesamte Stadt bewegte, sind mit Sport und Spaß, Fahrrad, Fußball und Triathlon 18 000 Euro zusammengekommen, ein Großteil davon aus der Dunkerkasse. Bereits das fünfte Jahr hintereinander hatte Dunkermotoren damit aufgerufen, unter dem Titel „Dunker bewegt“ für Menschen von nebenan Gutes zu tun.

„Mich freut extrem, dass sich auch nach der Aktion viele Menschen angeschlossen haben, damit das Projekt für die Familie finanzierbar ist“, erklärte die organisierende Personalleiterin von Dunkermotoren, Renate Heizmann, am Rande der kleinen Feier. Und ihr Chef, Geschäftsführer Uwe Lorenz, sagte: „Ich bin froh, nach einem halben Jahr hier zu stehen vor einem vollendeten Werk. Ich kann mit Stolz sagen: Das ist unser schnellstes Projekt.“ Man sehe, wieviel zu bewegen sei, wobei nicht immer das Geld allein entscheidend sei, oft käme es auch auf die Ideen an.

Matthias Weishaar von Dunkermotoren war dort wieder als Projektkoordinator eingesetzt und er brachte tatsächlich die Idee und Kontakte ein, sich nach gebrauchten Liften umzusehen. Tatsächlich wurde so ein ganz besonderes Stück gefunden. Der Lift war eingebaut worden im bayerischen Schloss Elmau und beim G7-Gipfel für drei Tage benutzt worden. „Darin sind schon Barack Obama und Angela Merkel gefahren“, verkündete Torsten Banholzer, der Vater von Levin, stolz.

Auf ihn verwies Matthias Weishaar auch als er nach dem Organisationsaufwand gefragt wurde. „Das war ein Selbstläufer, die Familie hat das alleine gestemmt.“ Abgesehen von der Planung, die Statiker und Architekt Daniel Wiest ehrenamtlich eingebracht hatte, haben vor allem Torsten und sein Vater Wolfgang Banholzer Böden angepasst, die Scheune umgestaltet, Türen eingebaut, Elektrik verlegt und so weiter.

Viele Überlegungen hätte das Paar, angestellt, schon lange bevor Dunkermotoren die Hilfe anbot, erläuterte Torsten Banholzer. Jede Lösungsmöglichkeit war ausgeschieden. Ein Treppenlift mit umständlichem Umsetzen jedes Mal vom Rollstuhl des geduldigen Patienten in den Lift und dann wieder zurück, wäre einigermaßen finanzierbar gewesen, aber eben über die Maßen umständlich und hätte auch Levins zerbrechliche Knochen jedes Mal gefährdet. (Siehe Erklärtext auf dieser Seite.) Alles andere war aus Kostengründen ausgeschieden. Lange hätten sie mit sich gerungen, ob die Hilfe anzunehmen sei. „Wir waren dann aber sehr froh, dass wir es gemacht haben. Die Hilfsbereitschaft war überwältigend, es kam noch so viel hinterher. Mein Vater hat mir unendlich viele Stunden geholfen“, meinte Torsten Banholzer und dann versagte ihm die Stimme vor Rührung. Seine Frau Stefanie übernahm für ihn und dankte den vielen anwesenden Unterstützern, die belohnt wurden mit einer Probefahrt, Würsten und Kuchen, Sekt und Bier. Vor allen Dingen aber tat die gute Tat gut. Bürgermeister Michael Scharf fasste es so zusammen: „Ich bin fasziniert. Ich schaue in lächelnde Gesichter. Ich freue mich, dass sie lächeln können und dass die Aktion Freude macht.“


Eine Krankheit bei der nicht nur medizinische Versorgung hilft

Myotubuläre Myopathie heißt die Krankheit, an der Levin leidet. Es handelt sich um einen Gendefekt, bei dem die einzelnen Zellen nicht voll ausgereift sind. Der Siebenjährige muss immer wieder beatmet und über einen Luftröhrenschnitt abgesaugt werden. Die Knochen haben keine Stabilität, viele Knochenbrüche sind eine Folge davon. Bisher trugen die Eltern und Betreuer Levin auf dem Arm die steile Treppe hinunter. Das wurde mit zunehmendem Gewicht beschwerlicher und das barg auch immer die Gefahr von weiteren Knochenbrüchen.

Ein Aufzug, der kein anstrengendes Umbetten und damit auch keine Gefahr von weiteren Knochenbrüchen für Levin birgt, war für die fünfköpfige Familie nicht finanzierbar. Also nahm sich Dunkermotoren der Familie an, mit dem Benefizwochenende „Dunker bewegt“ im vergangenen Jahr, bei dem wieder ganz Bonndorf auf den Beinen war.

Spenden in Höhe von 18 000 Euro konnten bereits wenige Wochen danach überreicht werden. Der Löwenanteil davon stammte aus den Kilometer-Sätzen, die Dunkermotoren für jeden geradelten, gelaufenen, geschwommenen Kilometer ausgab. Es waren aber auch viele andere Spender von Anfang an mit im Boot. Zahlreiche Firmen stellten Verpflegung kostenlos zur Verfügung. Die Auszubildenden von Dunkermotoren engagierten sich beispielsweise mit Süßigkeitenverkauf, die DLRG verzichtete auf die Vereinsbelohnung für den Einsatz bei „Dunker bewegt“, die Gündelwanger Landfrauen spendeten Kuchen, um nur einige zu nennen. In der Folge aber kam noch mehr zusammen: Der Fotograf Wolfgang Scheu stellte in der Sparkassenhalle seine Bilder von dem Ereignis aus, die gekauft werden konnten, der Kinderflohmarkt des Familienkreises Gurtweil kam dazu, die Helfer des Rot-Kreuzortsvereins Waldshut verzichteten auf ihre kleinen Weihnachtsgeschenke, veranstalteten mit dem Kreativteam zudem einen Weihnachtsmarkt. Der Bundesverband des Kinderhospiz spendete ebenso wie jüngst der Männergesangsverein Münchingen.

Die Gesamtinvestitionskosten in Höhe von rund 40 000 Euro konnte Familie Banholzer mit diesen sehr vielen Spendern und selbst eingebrachter Arbeit stemmen. (gud)