Zusammen mit dem ehemaligen Schulkameraden Konstantin Kuglmeier verbrachte der Bonndorfer Philip Schäuble mehrere Wochen auf den Philippinen, um ein Sozialpraktikum zu leisten. Im zweiten Teil unserer Serie berichtet er über seine Erfahrungen:

„Ab der zweiten Woche halfen wir beim Bau eines neuen Schweinestalls für die Farm der Organisation mit. Auf der Farm werden zum einen Setzlinge und Gemüse angebaut, aber auch Schweine und Hühner gezüchtet. Die meisten Erzeugnisse werden verkauft. Da es Nachwuchs bei den Schweinen gab, wurde der Platz zu eng, und ein neuer Stall musste gebaut werden.

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Nachdem das Fundament und die Mauern aus gegossenem Zementstein für die Boxen standen, wurde das Wellblechdach auf eine Holzkonstruktion befestigt. Die meiste Zeit verbrachten wir hier mit dem Schaufeln von Sand und Erde, dem Herumtragen von Baumaterialien und dem Mischen von Beton. Viele Werkzeuge, die bei uns selbstverständlich sind, gibt es in Toril nicht.

Deutschunterricht auf den Philippinen

Deutschunterricht soll die jungen Menschen bereits auf den Philippinen zur B 2-Sprachprüfung befähigen, damit sie bei der Liebenau-Stiftung in der Nähe von Tettnang eine Ausbildung zum Pfleger absolvieren können. Da das Projekt neu war, begann ich zunächst die Grundlagen der deutschen Sprache zu unterrichten. Allerdings gab es auch genügend Möglichkeiten, sich über die Unterschiede der beiden Länder auszutauschen. Vor allem das Thema Essen weckte besonders viel Interesse. Welches Essen sollte man unbedingt probieren? Gibt es in Deutschland Reis?

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Aber auch Fragen, wie das öffentliche Verkehrsnetz mit Bus und Bahn funktioniert und wie man am besten eine Ausbildung macht, gehörten dazu. Großes Interesse und Humor für die Eigenheiten des eigenen Landes sorgten für lehrreiche, aber oft auch lustige Gespräche. Die Möglichkeit, nach Deutschland zu kommen, stellt natürlich eine riesige Chance dar. Dementsprechend groß war die Motivation.

Deutsche übernehmen Partnerschaft

Das mit Abstand größte Projekt der Organisationen stellt die Vermittlung von Partnerschaften für Stipendien dar. Jugendliche aus Toril können sich bei der Organisation um ein Stipendium bewerben und kommen auf eine Warteliste, bis für sie ein Sponsor gefunden wird. Der Sponsor übernimmt die Schulgebühren für seinen Paten. Die meisten Sponsoren sind Privatpersonen und Familien, aber auch Freundesgruppen oder Vereine aus der Region Friedrichshafen.

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Sechsmal im Jahr erhält der Sponsor einen Brief von seinem Stipendiaten. Wer ein Stipendium annimmt, entscheidet sich auch dafür, die Regeln der Organisationen anzunehmen, die vorsehen, dass der Schüler ihr Studium auch erfolgreich abschließt. Deshalb ist auch ein wöchentliches Treffen von allen Stipendiaten verpflichtend. Es werden Bekanntmachungen vorgetragen, aber auch viel gesungen und gelacht.

Bei Berufsabschluss unterstützen

Ziel dieses Projektes ist es, den Jugendlichen die Möglichkeit zum Erwerb eines Berufsabschlusses zu geben, den sie sich ansonsten nicht leisten könnten, um so der Armut zu entkommen. Wer diese Gelegenheit bekommt, ist sehr dankbar. Die meisten Stipendiaten erzählten uns stolz von ihren Sponsoren. Weil eine gute Bildung die wichtigste Voraussetzung ist, Armut hinter sich zu lassen, eröffnet dieses Projekt vielen Jugendlichen eine ansonsten oftmals unerreichbare Zukunftsperspektive. Wie begehrt diese Stipendien sind und wie groß der Wille nach einer guten Ausbildung ist, zeigt die lange Warteliste für neue Partnerschaften.

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Gegen Ende unseres Aufenthaltes verteilten wir zusammen mit den Leuten der Organisation Reispakete, die unsere Familien gespendet haben, an bedürftige Familien. Dabei bekamen wir auch die Möglichkeit zu sehen, unter welchen Bedingungen die Ärmsten auf den Philippinen leben. Die meisten Häuser bestehen größtenteils aus Wellblech, das mit einer einfachen Holzkonstruktion zusammengehalten wird. Wenn es regnet, dringt nicht selten Wasser in den Wohnbereich ein. Oftmals dienen Vorhänge als Türen. Nicht alle Häuser haben richtiges Mauerwerk.

Das Leben spielt sich draußen ab

Auf den engen Gassen drängen sich die Bewohner, da die Häuser aus Wellblech und Holz oftmals zu wenig Platz für eine Familie mit vielen Kindern bieten. Ein großer Teil des Alltags findet deshalb draußen statt. Es wird über dem Feuer gekocht, gehandelt, zusammengesessen und gespielt. Das alles ergibt ein buntes Treiben. Trotz dieser Lebensumstände trifft man auf lebensfrohe und freundliche Bewohner.

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Besonders bewegend waren die Besuche bei Stipendiaten der Einrichtung zu Hause. Sie zeigten uns ihr Zuhause, stellten ihre Familien vor und erzählten von ihrem Alltag. Meistens setzten wir uns dann zusammen, aßen Süßgebäck und tranken Cola, während wir uns mit ihnen über ihren Alltag und ihre Lebensgeschichte unterhielten. Den krassen Unterschied der Lebensrealitäten der Menschen auf den Philippinen zu denen in Deutschland zu sehen, war vermutlich die eindrücklichste Erfahrung dieses Praktikums.