Vom Zauber des Gedichtvortrags ließen sich die Zuhörer in der Aula des Schlosses betören. Fritz Stavenhagen rezitierte deutsche Lyrik mehrerer Jahrhunderte. Mal ging es um die Liebe, mal um die Natur, dann wieder auch um Philosophisches in den Werken von Goethe, Eichendorff, Rilke, Storm, Mörike, Hesse, Zweig oder der Droste von Hülshoff.

Fritz Stavenhagen verleiht all den Texten mit seiner wohlklingenden Stimme genau die Stimmung, die wohl auch der jeweilige Verfasser im Sinn hatte. Unaufgeregt, ohne Schnickschnack bettet er den Zuhörer in die Zeilen und lässt ihn dort verweilen. Susanne Heim, Kulturreferentin des Landkreises, fasst das in Bonndorf so zusammen: „Es hat etwas Meditatives, zuzuhören. Während draußen der Konsum rauscht, kommt hier drinnen der Geist zu Ruhe.“

Für den Schauspieler war es einst eine Notlösung, sich dem Gedichtvortrag zu verschreiben. „Als ich mit ungefähr 50 Jahren feststellte, dass die Weltkarriere an mir vorüber gegangen ist, habe ich zunächst gegrollt. Aus Hader und Frust entstand dann die Idee, Gedichte zu rezitieren“, räumt Fritz Stavenhagen ein. Er amüsiert sich über Susanne Heims wiederkehrend adelndes „von“ zu seinem Namen. Er hat zwar kein blaues Blut in seinen Adern, dennoch adelt er mit der Art und Weise seines Vortrags Gedichte aus vielen Epochen. Die Stille dazwischen tut gut, der Kopf braucht Zeit, um von Rilke auf Borchert, von Goethe auf Hesse umzusteigen. Das Publikum lauscht dieser Stimme gerne, überlässt sich den eigenen Gedanken, die sich aus den bekannten Versen herausschälen.

Einladung an das Publikum

Am Ende ermutigt Fritz Stavenhagen das Publikum, sich selbst im Gedichtvortrag zu üben. Auf den Atem komme es an, man müsse sich dem Gedicht ganz hingeben. Es brauche Mut zu Pausen, um den Dingen ihren Raum zu lassen, rät der Experte. Ob Dialekt oder Hochdeutsch, das spiele keine Rolle.

Elisabeth Binninger
Elisabeth Binninger | Bild: Martha Weishaar

Elisabeth Binninger aus Ebnet hat den Mut, trägt Eichendorffs „Wünschelrute“ vor. Und auch Conrad Schierenberg betritt die Bühne. Ein wenig später trägt der in Dogern lebende Felix Nguyen Werke aus seinem eigenen Gedichtband „Gras wachsen hören“ vor. „Schon liegt es hinter uns“ und „Sinn allen Tuns“ sind gelungene Beispiele zeitgenössischer Lyrik.

Felix Nguyen
Felix Nguyen | Bild: Martha Weishaar

Nicht nur Heim ist beeindruckt. Sie zitiert einen Literaturexperten: „Lyrik erinnert daran, was der Gegenwart fehlt: Form, Ruhe, Konzentration und Gelassenheit.“ Ihr sei bewusst gewesen, dass Lyrik allenfalls ein interessiertes Publikum fasziniere. „Wir dürfen so etwas ruhig auch mal machen, wo doch beinahe jeder aus seiner Schulzeit einen Bezug zu Gedichten hat“, erklärt sie Beweggründe für dieses Format „Vielleicht setzen wir das künftig fort.“